Vergessen und alleine gelassen

Schmölln.  Die Corona-Krise wirkt sich immer häufiger auch auf Handwerksbetriebe aus.

Ein Elektriker schließt Kabelsysteme an einem Schaltschrank in einer Grundschule an. Wegen der Corona-Auflagen bleibt jedoch Handwerkern außer in dringenden Fällen der Zugang zu öffentlichen Gebäuden verwehrt.

Ein Elektriker schließt Kabelsysteme an einem Schaltschrank in einer Grundschule an. Wegen der Corona-Auflagen bleibt jedoch Handwerkern außer in dringenden Fällen der Zugang zu öffentlichen Gebäuden verwehrt.

Foto: Andreas Schott

Mit einem flammenden Appell haben die Präsidenten der Handwerkskammern in Ostdeutschland jüngst gegen einen zweiten Lockdown plädiert. Die Corona-Auswirkungen träfen nun auch das Handwerk in vielen Bereichen, besonders massiv etwa im Kfz-Gewerbe, im Gesundheitsbereich und bei personenbezogenen Dienstleistungen. Selbst im Baugewerbe schwächele die Auftragslage.

Das könnte auch das Altenburger Land treffen, wie mehrere Befragte bestätigen. „Angst haben wir schon“, sagt etwa Physiotherapeutin Heike Bräutigam. Die Schmöllnerin war im Frühjahr wie viele ihrer Berufskollegen von Kurzarbeit betroffen. „Weil viele Patienten nicht mehr gekommen sind, haben wir den Betrieb ganz weit heruntergefahren“, sagt sie. Zahlreiche Kolleginnen konnten auch gar nicht mehr arbeiten, weil sie die Kinder Zuhause betreuen mussten. „Von staatlicher Seite kam an Unterstützung nicht viel“, sagt sie. Obwohl die Physiotherapiepraxen eigentlich als systemrelevant gelten, habe man sich etwas vergessen und alleine gelassen gefühlt. Nach einigen Wochen habe sich der Betrieb wieder normalisiert, die Patienten kommen wieder wie gewohnt. Nun sei aber die Verunsicherung groß, ob sich das Szenario nicht wiederholen könnte.

Vieles wird durch die Verwaltung verzögert

Jörg Misselwitz, Geschäftsführer des Baugeschäftes Misselwitz in Drogen, kann sich im Moment zumindest nicht über die Auftragslage beschweren, wie er sagt. „Aber wie es im nächsten Jahr aussieht, kann noch keiner sagen“, so Misselwitz. Bei Auftragsvergaben der öffentlichen Hand seien bereits in diesem Jahr Verzögerungen spürbar gewesen, was sich auch auf die Bauzeiten ausgewirkt habe. Ursache dafür sei, dass viele Kommunen durch den Lockdown im Frühjahr längere Zeit nicht tagen konnten, erst deutlich später einen Haushalt aufgestellt haben.

„Wir hatten bislang nicht so den massiven Einbruch“, sagt Elektro-Ingenieur Klemens Kratsch. Er ist zugleich Vorstandsmitglied der Kreishandwerkerschaft Altenburger Land. Kratsch ist überzeugt, dass ein erneuter Lockdown zu Materialengpässen führen wird. Bereits jetzt gebe es vielfach Lieferprobleme, weil wichtige Bauteile im Ausland gefertigt werden, wo die Produktion lahmt. „Unser größtes Problem ist aber derzeit, dass die Handwerker in Verwaltungen oder Schulen nicht mehr hereingelassen werden, um Wartung und Instandhaltung durchzuführen“, sagt er. Alles, was nicht akut sei, werde auf unbestimmte Zeit verschoben. Dabei sei man sehr vorsichtig und halte sich an alle Hygienemaßnahmen. „Ein positiver Test in der Belegschaft würde genügen, um den Betrieb zum Erliegen zu bringen“, so Kratsch.