Viel Wirbel um Äußerungen des Kämmerers

Schmölln.  Es war eine denkwürdige Stadtratssitzung. Im fast voll besetzten Saal herrschte gespannte Unruhe, die nur darauf wartete, sich zu entladen.

Der Stein des Anstosses: Durch die Verwendung dieses Archivbildes von Interims-Kämmerer Frank Schmitt entstand bei einigen Lesern der Eindruck, es habe sich um ein Interview gehandelt, anstatt im Hauptausschuss getätigte Äußerungen.

Der Stein des Anstosses: Durch die Verwendung dieses Archivbildes von Interims-Kämmerer Frank Schmitt entstand bei einigen Lesern der Eindruck, es habe sich um ein Interview gehandelt, anstatt im Hauptausschuss getätigte Äußerungen.

Foto: Andreas Bayer

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Es war eine denkwürdige Stadtratssitzung am Donnerstag in Schmölln. Im mit rund 40 Zuschauern fast bis auf den letzten Platz besetzten Sparkassensaal herrschte gespannte Unruhe, die nur auf die Gelegenheit wartete, sich zu entladen. Nach wenigen Minuten trat Bürgermeister Sven Schrade (SPD) an das Rednerpult und nutze die erste Gelegenheit für eine ungewöhnliche Stellungnahme.

„Wir hatten im letzten Stadtrat eine eigentlich gewöhnliche Informationsvorlage, die uns und vor allem auch mir zeigt, wie sich heute Nachrichten auf eine Art und Weise verbreiten und dabei so verändern, dass hinterher die eigentliche Nachricht gar keine Rolle mehr spielt“, begann er. Er bezog sich mehrfach auf einen Leserbrief in den Schmöllner Nachrichten, der ihn sowie Interims-Kämmerer Frank Schmitt scharf angriff. Darin wurde diesen unterstellt, über einen ehemaligen Bürgermeister und eine Kämmerin öffentlich den Stab brechen zu wollen.

„Es ging überhaupt nicht darum, früheren Verantwortlichen - sei es Amtsträger oder Mitarbeiter ans Bein zu treten, zu beschädigen oder deren Leistungen für die Stadt in Misskredit zu bringen“ sagte Schrade, der darauf hinwies, dass er einen Fehler in der langjährigen Praxis habe öffentlich machen müssen, um nicht in den Verdacht zu geraten, etwas verschleiern zu wollen. „Da diese Punkte von begrenzter Relevanz waren, wäre das für sich betrachtet wenig interessant gewesen“, so der Bürgermeister.

Diskussion fernab der Fakten

Durch die Berichterstattung sei aber bei einigen der Eindruck entstanden, es habe sich um ein Interview mit der Kämmerei gehandelt und nicht das Einräumen eines Fehlers im öffentlichen Teil einer Hauptausschusssitzung. „Mir ging es einfach nur darum, transparent zu machen, was meiner Aufmerksamkeit entgangen ist“, so Schrade. Daraufhin habe sich in Schmölln und den sozialen Netzwerken eine Diskussion entwickelt, die sich in eine Richtung entwickelte, die mit der Realität nichts mehr zu tun habe.

Schrade bedauere zutiefst, dass eine Negativdiskussion entstanden sei, die beide zu Unrecht in ein schlechtes Licht rücke. Er bat darum, bei solchen Fragen künftig direkt angesprochen zu werden, was bislang nicht geschehen sei.

Die Stadträtin Simone Schulze (CDU) sah dennoch ein „Geschmäckle“ darin, dass man sich in der Kämmerei derart mit Vergangenem beschäftigt, anstatt sich auf den aktuellen Haushalt zu konzentrieren. Andy Franke (Wählervereinigung für das Neue Schmölln) verlas eine Stellungnahme, in der er es als „überhaupt nicht nachvollziehbar“ bezeichnete, warum Schmitt die Stadt derart in Misskredit bringe. Catja Schröter (Bürger für Schmölln) zog die Stellungnahme ihrer Fraktion zurück, da sie sinngemäß das gleiche enthalte wie die zuvor von Franke verlesene.

Jens Göbel (Neues Forum) sah in der Angelegenheit ein erneutes Kommunikationsproblem und wünschte sich, dass auch noch die im Raum stehende Kritik an der vorherigen Kämmerin ausgeräumt werde. „Es geht nicht um persönliche Vorhaltungen. Ich bitte darum, diese Art der Fehlerkultur weiter zu leben“, entgegnete Schrade.

Auch in der Einwohnerfragestunde wurde wiederholt Kritik an Schrade und Schmitt geübt, bevor etwa 25 der Schmöllner noch vor der Verlesung der ersten Beschlussvorlage den Saal verließen. Da waren bereits zweieinhalb Stunden vergangen.

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