Ehrenamtspreis an Siegfried Tänzler: Wandelndes Lexikon von Papiermühle

Papiermühle.  In Papiermühle stößt man auf Schritt und Tritt auf den Ideenreichtum von Siegfried Tänzler.

Siegfried Tänzler auf der Quwadderbank, die er ebenso selbst gebaut hat, wie daneben die Puppenbank. Siegfried Tänzler, 82,  aus Papiermühle ist mit dem Ehrenamtspreis der Stadt Schmölln geehrt worden. 

Siegfried Tänzler auf der Quwadderbank, die er ebenso selbst gebaut hat, wie daneben die Puppenbank. Siegfried Tänzler, 82,  aus Papiermühle ist mit dem Ehrenamtspreis der Stadt Schmölln geehrt worden. 

Foto: Jana Borath

Der Ehrenpreis der Stadt Schmölln 2019 geht nach Papiermühle an Siegfried Tänzler. Dafür vorgeschlagen wurde er vom Heimat- und Verschönerungsverein Schmölln. „Das kam ja völlig überraschend", sagt der 82-Jährige. Er sei ja gar kein Mitglied im Verein, hilft ihm jedoch manchmal und das sehr gern.

In Papiermühle stößt man indes auf Schritt und Tritt auf den Ideenreichtum von Siegfried Tänzler. Hier ist er täglich unterwegs, zumeist im Blaumann und mit schwarzem Basecap auf dem Kopf. Er läuft zu dem kleinen Rastplatz am Ortseingang, wo der Weg zum Wehr abzweigt. Hier drehen sich fröhlich ein Windrad und ein mit Puppen bestücktes Wasserspiel – angetrieben von Wasserkraft und gebaut von Siegfried Tänzler.

Mechanik hat ihn schon immer interessiert. Als kleiner Junge baute er sein erstes Wasserrad; aus dem, was sein Leichtbaukasten hergab. „Muttis Nähmaschine war der Antrieb“, erinnert er sich. Inzwischen sind die Arbeiten des gelernten Mechanikers filigraner und ausgeklügelter. Das zeigen die Wasserspiele am Mühlgraben und hinter seinem Grundstück. Und das wissen beispielsweise die Leute von der Lumpziger Bockwindmühle, für die er 2006 die alte Haferquetsche wieder in Gang setzte. Mechanik: „Alles, was damit zu tun hat, habe ich von der Pike auf gelernt“, berichtet der Mann. Auch Ordnung, wie ein Blick in seine kleine Werkstatt beweist.

Eine weitere Aufgabe, die sich der 82-Jährige in Papiermühle gesucht hat, ist das Wehr. Dort sieht er regelmäßig nach dem Rechten, schafft Ordnung. „Sie glauben ja gar nicht, was ich da manchmal herausfische“, berichtet er. Reichlich Langholz beispielsweise, eine große Bettmatratze kam auch schon angeschwommen. Ob Wehr oder Mühlgraben in seinem Dorf – er sei der richtige Ansprechpartner.

Ebenso, wenn es um die Geschichte des Ortes geht. Inzwischen hat er die gesamte Historie erforscht inklusive der aller alten Häuser. Einen kleinen Überblick über dieses notierte Wissen findet sich an Siegfried Tänzlers Haus Nummer 8, wo nicht selten Wanderer und Spaziergänger anhalten und neugierig die handgefertigte Übersicht erforschen und deren Erschaffer ausfragen. Tänzler freut dieses Interesse: „Man nennt mich ja auch das wandelnde Lexikon von Papiermühle.“

Über Langeweile kann er sich nicht beklagen. Aktuell macht er all seine Wasserbauten winterfest. Sie kommen bis zum Frühling in die Werkstatt, dort wartet und streicht er sie. Die Puppenkleider kommen in die Waschmaschine und danach auf die Leine. Und da sind Tänzlers 30 Nistkästen im Ort, die er jetzt alle kontrolliert und reinigt.

All das tut er, weil es ihn zufrieden macht, nicht weil er muss. „Das ist schön so. Ich will nicht warten, bis ich komisch werde und bloß noch aus dem Fenster gucke“, erklärt er und lacht.