Wappen und Weihekreuze in Mehna geben Rätsel auf

Mehna.  Dorfkirchen in der Vorweihnachtszeit: Turbulente Geschichten und rätselhafte Geheimnisse in Mehna

Marina Mönnich und Klaus Wickleder im Chorbereich der Kirche Mehna. Die Winterkirche rechts im Bild lädt zu Gottesdiensten in der kalten Jahreszeit ein.

Marina Mönnich und Klaus Wickleder im Chorbereich der Kirche Mehna. Die Winterkirche rechts im Bild lädt zu Gottesdiensten in der kalten Jahreszeit ein.

Foto: Philipp Brendel

Sie ist eine kleine, aber gar nicht unauffällige Kirche: Ihr 36 Meter hoher Kirchturm ist weithin sichtbar. Durch ein Feuer liegen die Ursprünge der Dorfkirche von Mehna teilweise im Dunkeln. Doch wiederentdeckte, steinerne Zeugen berichten bis heute von längst vergangenen Zeiten.

Brand macht Erinnerung zunichte

In ihren ältesten Teilen soll die Kirche bereits seit über 800 Jahren bestehen. Zur letzten Renovierung der Kirche im Jahr 1969 sei eine 800-Jahr-Feier gefeiert worden, sagt Klaus Wickleder, Mitglied des Kirchenrates der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Mehna-Dobitschen: „Ob das Alter der Kirche stimmt, ist jedoch fraglich.“ Die reichen kirchlichen Überlieferungen seien mit dem Brand des Pfarrhauses im Jahr 1791 unwiederbringlich verloren gegangen, verdeutlicht Marina Mönnich, Pfarrerin der Kirchgemeinde Mehna-Dobitschen: „Es war ein großes Glück, dass wenigstens die Kirchenbücher gerettet werden konnten.“

Wappen werfen Fragen auf

Dass das Kirchlein schon ein stolzes Alter aufweist, könne am heute noch bestehenden romanischen Kirchenschiff sowie den romanischen Fensterbögen abgelesen werden, die bei Renovierungsarbeiten gefunden wurden. Im Jahr 1484 sei zusätzlich an den romanischen Kirchenbau ein gotischer Altarraum errichtet worden, dessen Sterngewölbe bis heute den Betrachter in Erstaunen versetzt. Die Wappen auf den Schlusssteinen bergen bis heute Geheimnisse. Was stellen sie dar? Für wen wurden sie geschaffen? Steht eine dargestellte Rose etwa für die Thüringer Landgrafen? Die Antwort liege noch im Dunklen. Da wären findige Forscher gefragt.

Steinerne Zeugnisse Zeiten

Viele weitere Zeugnisse künden von Menschen aus vergangenen Zeiten. Marina Mönnich verweist auf die alten lateinischen Inschriften zweier Grabplatten aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Auf einer sei zu lesen: „sanft und selig eingeschlafen“. Die Grabplatten sind etwas für den aufmerksamen Beobachter, denn sie erscheinen nur unscheinbar im Kirchenraum. Eine Besonderheit seien auch die Weihekreuze, die 1969 entdeckt worden seien, sagt Pfarrerin Mönnich: „Diese könnten zur Erinnerung an die Weihe der Kirche geschaffen worden seien.“

Kirchenerhalt für kleine Gemeinde nicht stemmbar

Trotz dieser historisch wertvollen Baudenkmale stelle die Erkaltung des Kirchleins die kleine Kirchgemeinde mit ihren 39 Mitgliedern vor große Herausforderungen. Zwar konnte 2019 das Dach des Choranbaus saniert werden, doch der weithin sichtbare Turm und der Rest des Daches müsste ebenfalls dringend erneuert werden, sagt Klaus Wickleder: „Ein großes Problem ist der Hausschwamm. Doch nur aus eigenen finanziellen Mitteln wird das nichts.“ Auch deshalb bemühe sich Pfarrerin Marina Mönnich derzeit um öffentliche Fördermittel zum weiteren Erhalt der Kirche, da die kleine Kirchgemeinde dies alleine nicht stemmen könne. „Wir sind über die letzten Jahre ganz schön geschrumpft“, beschreibt Klaus Wickleder das Problem der Kirchgemeinde.

Kirchgemeinde sorgt für ihr Wunder

Für den Winter habe sich die kleine Kirchgemeinde jedoch etwas einfallen lassen. Seit 2014 kann in der ehemaligen Südsakristei der Gottesdienst in der sogenannten Winterkirche abgehalten werden. Vom restlichen Kirchenraum durch eine Glaswand abgetrennt und mit einer Heizung ausgestattet, lädt der kleine, heimelige Kirchenraum in der kalten Jahreszeit zur stillen Andacht ein. Auch eine Spendenaktion im Jahr 2017 habe für ein kleines Wunder gesorgt. Unbekannte hätten die Bleiglasfenster des mittleren Chorfensters zerstört, sagt Pfarrerin Mönnich: „Was geht in einem Menschen nur vor, der so etwas macht.“ Doch die rund 7000 Euro teuren Fenster hätten durch einzigartiges Engagement schnell repariert werden können, so Mönnich: „Die Bleiglasfenster waren nicht ganz billig, doch die Spendenbereitschaft in Mehna und Umgebung war riesig.“