Wechsel an der Altenburger Trost-Orgel

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Nach 45 Jahren steht ein historischer Wechsel an der Trost-Orgel in der Schlosskirche des Residenzschlosses Altenburg bevor: Am 1. November übernimmt Daniel Beilschmidt (links) die Stelle des Schlossorganisten Felix Friedrich.

Nach 45 Jahren steht ein historischer Wechsel an der Trost-Orgel in der Schlosskirche des Residenzschlosses Altenburg bevor: Am 1. November übernimmt Daniel Beilschmidt (links) die Stelle des Schlossorganisten Felix Friedrich.

Foto: Silke Arnold

Altenburg.  Ab November übernimmt Daniel Beilschmidt die Stelle des Schlossorganisten von Felix Friedrich.

Nach 45 Jahren steht ein historischer Wechsel an der traditionsreichen Trost-Orgel aus dem Jahr 1739 in der Schlosskirche des Residenzschlosses Altenburg bevor: Denn am 1. November übernimmt Daniel Beilschmidt die Stelle des Schlossorganisten Felix Friedrich.

Organist wirkt an seiner „Lieblingsorgel“

Daniel Beilschmidt, 1978 in Zeulenroda geboren, ist Künstlerischer Mitarbeiter an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig und wirkt seit 2009 als Universitätsorganist an der Universität Leipzig, 2009 bis 2015 war er Assistenzorganist an der Thomaskirche Leipzig.

„An diesem Instrument wirken zu dürfen, ist für mich die Erfüllung eines lange gehegten Traumes. Die Altenburger Trost-Orgel ist eine der bedeutendsten historischen Orgeln Mitteldeutschlands. Mit ihrem einzigartigen Klangkosmos vermag sie bis heute Menschen zu berühren. Ich kenne kein klangschöneres Instrument – es ist meine Lieblingsorgel. Ihr Beitrag zum tieferen Verständnis von Orgelbaukunst, Klangfarbe, künstlerischer Vision und der Interpretation der Orgelwerke des wohl bedeutendsten Komponisten aller Zeiten, Johann Sebastian Bach, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden“, so Beilschmidt.

Diese Orgel nachhaltig ins allgemeine Bewusstsein zu bringen, ist deshalb oberstes Ziel. Es sei ihm Ehre und Ansporn zugleich, Felix Friedrich nachfolgen zu können, der sich um die Wiedergewinnung dieses Instrumentes unschätzbar verdient gemacht habe. Der Zusammenarbeit mit dem engagierten Team am Residenzschloss sehe er mit Vorfreude entgegen.

Bündelung der bedeutenden Orgelbauer in einer Stadt

Beilschmidt sieht seine Aufgabe in einer Einbindung der Trost-Orgel in die Pläne der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft Altenburger Museen, die das enorme Potenzial Altenburgs im Blick haben.

Es gilt, die hier befindlichen Schätze in den nächsten Jahren zu heben und einen attraktiven Kulturstandort zu entwickeln. Von der Strahlkraft der Trost-Orgel ausgehend, planen Beilschmidt und der neue Altenburger Kantor Johann Friedrich Röpke eine „Orgelstadt Altenburg“.

In dieses Konzept fließen die Orgeln der Bartholomäikirche von Friedrich Ladegast (1881) und der Brüderkirche von Wilhelm Sauer (1905) mit ein. Angestrebtes Ergebnis ist die gebündelte Präsenz der bedeutendsten mitteldeutschen Orgelbauer vom 18. bis zum 20. Jahrhundert in einer Stadt.

Gleichwohl steht das Großprojekt noch am Anfang. Es wird mehrere Jahre beanspruchen, da die Instrumente durch aufwändige Restaurierungen in ihren Originalzustand zurückgeführt werden sollen.

Beilschmidt tritt das Amt als umfassend vernetzter Akteur in der mitteldeutschen Orgel- und Musikszene an. So behält er seine hauptberufliche Tätigkeit an der Musikhochschule bei und bleibt auch im Amt des Leipziger Universitätsorganisten. Damit würden Synergien ermöglicht, die den Einbezug diverser Player ins Altenburger Kulturleben beabsichtigen. Dazu gehörten Kooperationen mit den Musikhochschulen Leipzig und Weimar und weiteren musikalischen Protagonisten Mitteldeutschlands.

An das Amt gekoppelt ist die Intendanz der Thüringischen Orgelakademie, die in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen feiern konnte. Die Erfolgsgeschichte dieser Bildungsinstitution mit internationaler Ausstrahlung fortzuführen, sei Beilschmidt ein großer Herzenswunsch.

Neue Formate sollen junges Publikum anlocken

Außerdem möchte er untere anderem die Veranstaltungen um neue Formate erweitern, junges Publikum für die Orgel begeistern, sich überregional und international vernetzen, Studierende für ihre Ausbildung an die Orgel holen und einen ganzen Bach-Zyklus für Altenburg spielen. Auch zu Fragen zu Orgelästhetik, Organologie, Werkinterpretation und Deutung des Bachschen Orgelwerks möchte Daniel Beilschmidt weiterforschen.

Und er möchte die Trost-Orgel in verschiedenen Kontexten, zum Beispiel mit Elektroakustik, Tanz, Licht erlebbar machen, sagt Beilschmidt abschließend.

Am Sonntag, 31. Oktober, ab 17 Uhr wird sich Daniel Beilschmidt in einem Antrittskonzert in der Schlosskirche Altenburg der Öffentlichkeit vorstellen.