Wembley-Rasen an der Schnauder

Meuselwitz  Auf seinen Rasen in der Meuselwitzer Fußball-Arena lässt Mike Bergmann im wahrsten Sinne des Wortes nichts kommen

Im wahrsten Sinne Handarbeit: Mike Bergmann pflegt das Meuselwitzer Grün. Er ist gewissermaßen der Greenkeeper im Verein.Fotos (3): Mario Jahn

Im wahrsten Sinne Handarbeit: Mike Bergmann pflegt das Meuselwitzer Grün. Er ist gewissermaßen der Greenkeeper im Verein.Fotos (3): Mario Jahn

Foto: Mario Jahn

Auf seinen Rasen lässt Mike Bergmann im wahrsten Sinne des Wortes nichts kommen. Eigentlich täglich sind der 54-Jährige und seine Teammitglieder Werner Griep und Wolfgang Piller auf dem Grün der ZFC-Arena unterwegs, um zu düngen, zu wässern, zu mähen, zu striegeln oder zu vertikutieren. Mike Bergmann ist der Greenkeeper in der Heimat des Fußball-Regionalligisten ZFC Meuselwitz. „Wir sind aber auch für die weiteren drei Rasenplätze, den Kunstrasen sowie den Torhüterplatz zuständig. Ebenso wie für den gesamten Kabinentrakt“, umreißt Bergmann die vielfältigen Aufgaben.

Aber beinahe jeden Tag verlangt auch der Rasen auf dem Platz eins der Arena seine obligatorische Streichel- und Pflegeeinheit. Und mittlerweile hat sich weit herumgesprochen, dass der Meuselwitzer Rasen qualitativ herausragend ist und auch von diversen Bundesligisten, die hier ihre Visitenkarte abgegeben haben, mit Lob überschüttet wurde. „Klar macht einen das auch stolz“, gesteht der 54-Jährige, der seit 2003 beim ZFC beschäftigt ist. „Praktisch bin ich hier von der ersten Stunde an dabei, als mit dem Neubau der Anlage zur Bluechip-Arena begonnen wurde. Das verbindet auch“, plaudert der gelernte Heizungs- und Sanitärmechaniker, der, wie er selber unumwunden zugibt, auch sonst ein Faible für alles Grüne hat.

Erst kam Bergmann über eine Maßnahme des Arbeitsamtes zum Stadionneubau, einige Monate später gab es nach dem Auslaufen der Maßnahme beim ZFC einen festen Job. „Damals als Platzwart, wie das noch hieß.“

Wenn Mike Bergmann von „seinem“ Rasen spricht, dann klingt dies wie eine Wissenschaft für sich. Ist es auch. „Zweimal pro Jahr nehmen wir auch an einem Rasenseminar teil, bei dem Greenkeeper immer andernorts aus einem Umkreis von rund 200 Kilometern die neuesten Informationen über Düngesorten oder Technik bekommen und sich auch austauschen. Solche Seminare fanden auch schon bei RB Leipzig oder zuletzt bei Erzgebirge Aue statt. Aber auch wir in Meuselwitz waren schon die Gastgeber, und auch das Feedback der Expertenrunde über unseren Rasen war durchweg sehr gut“, erzählt Bergmann mit sichtlichem Stolz.

Was genau in der exakt 112 Meter langen und 92 Meter breiten Arena liegt, weiß Mike Bergmann selbstverständlich auf Anhieb, wenngleich die Sorte der Grassaat eher klingt wie ein Ufo: „RSM 3.2“, sagt Bergmann wie aus der Pistole geschossen. Und die Halme wachsen tatsächlich wie verrückt. „Bei guter Wässerung und Düngung im Schnitt einen Zentimeter an jedem Tag“, so die unglaubliche Botschaft des Platzpflegers.

Auf Länge gebracht: Drei- bis viermal pro Woche sitzt der Greenkeeper auf dem Rasenmäher und stutzt die Halme millimetergenau.

Bei so einem Tempo ist es nicht verwunderlich, dass das Team der Pfleger regelmäßig mit dem Rasenmäher unterwegs ist. „Dreimal pro Woche, wenn kein Spiel ansteht und sogar viermal pro Woche, wenn der Ball rollen soll“, verrät der Experte. Kein Wunder: Sind doch Rasenlängen von drei Zentimetern in der warmen und 2,5 Zentimetern in der kalten Jahreszeit ideal.

In der Woche erfolgen die Mäharbeiten in der Regel mit dem Sichelmäher, der wirklich den Namen Ferrari trägt, und bei der finalen Schur vor einer Partie mit dem Spindelmäher, mit dem sich auch die schönen Muster in den Rasen machen lassen. Aber da kommen auch noch die umfangreichen Pflegearbeiten hinzu, die die Männer an Montagen nach Spielen des ZFC am Wochenende davor schnell mal einen ganzen Arbeitstag auf den Platz binden.

„Dann bessern wir Schadstellen aus und entfernen auch alle Pflanzen, die im Rasen nichts zu suchen haben. Dafür haben wir in der Regel ein Greenkeepermesser.“

Doch neben dem entsprechenden Spezialdünger braucht das Grün auch jede Menge Wasser. Dafür ist im Hauptplatz eine Beregnungsanlage eingebaut.

„Und wenn wir den Platz circa sechs Stunden wässern, dann sind das um die sechzig Kubikmeter Wasser.“ Dafür hat man im Arenagelände eigens einen Brunnen gebohrt, wo aus 58 Metern Tiefe das benötigte Nass gefördert wird.

Das klingt alles schon sehr aufwendig, ist aber nur ein Bruchteil der Arbeit. Denn damit das knackige Grün von Dauer ist und nicht verfilzt, sondern weiter gedeiht, muss es regelmäßig auch aufgelockert werden, damit das Wasser sich nicht staut. Hinzu kommt das Striegeln und Vertikutieren, womit verhindert wird, dass die Halme verfilzen. Und alle Arbeiten erfolgen mit Maschinen. „Wir haben in der Arena dafür einen richtigen Fuhrpark“, sagt Mike Bergmann.

Ausreichend Nass: Für die ausreichende Bewässerung der Rasenflächen wurde extra ein Brunnen gebohrt und ein Teich angelegt.

Bei all der liebevollen Pflege müssten Bergmann und seine Kollegen doch Qualen leiden, wenn sie erleben müssen, wie das gehegte und gepflegte Grün bei Spielen von den Akteuren malträtiert wird? „Nein, damit kommen wir schon sehr gut klar. Aber sicher guckt man schon etwas genauer hin, wenn der Platz aufgeweicht ist und viel getakelt wird. Dann gibt es halt danach wieder mehr Arbeit für uns.“

Diese Nutzung sehen die Männer mit dem grünen Daumen also recht entspannt. Dafür ist der Meuselwitzer Traumrasen, der dem heiligen Grün im legendären Londoner Wembley-Stadion in nichts nachstehen dürfte, ja letztendlich auch da. An ein Erlebnis erinnert sich Greenkeeper Bergmann aber bis zum heutigen Tag mit Grausen: Vor Jahren haben sich Unbekannte mitten auf dem satten Grün mit Unkraut-Ex in großen Lettern mit einer rechten Politparole verewigt. Wo der Pflanzenkiller aufgetroffen war, wuchs selbstverständlich kein bisschen Gras mehr. „Diesen Irrsinn zu beseitigen, war schon eine Heidenarbeit.“

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