Wettelswalder brennt für seine Liebe aus Kindertagen

Wettelswalde.  Lutz Köhler ist ehrenamtlicher Ornithologe und Naturschützer. Mit seinen Brutvogelkartierungen unterstützt er seit Jahren die Arbeit der unterer Naturschutzbehörde und der Thüringer Vogelschutzwarte in Seebach.

Lutz Köhler aus Wettelswalde gehört zu den fachkompetentesten ehrenamtlichen Naturschützern im Altenburger Land und darüber hinaus.  Vor allen im Bereich der Ornithologie und hier besonders für die beiden Arten Schwarz –und Rot Milan unterstützt er mit den Ergebnissen seiner  Brutvogelkartierungen die Arbeit der unteren Naturschutzbehörde und auch der Thüringer Vogelschutzwarte in Seebach.

Lutz Köhler aus Wettelswalde gehört zu den fachkompetentesten ehrenamtlichen Naturschützern im Altenburger Land und darüber hinaus.  Vor allen im Bereich der Ornithologie und hier besonders für die beiden Arten Schwarz –und Rot Milan unterstützt er mit den Ergebnissen seiner  Brutvogelkartierungen die Arbeit der unteren Naturschutzbehörde und auch der Thüringer Vogelschutzwarte in Seebach.

Foto: Jana Borath

Lutz Köhler liebt Vögel. Weil sie fliegen können. „Für sie zählen keine Grenzen", sagt der Wettelswalder.

Für diese Liebe brennt er seit Kindertagen - Dank seines Biologielehrers Fritz Bachmann. Köhler besuchte die fünfte oder sechste Klasse der Thonhausener Schule, als er in dessen Naturschutzgruppe eintrat.

„Er hatte Nistkästen im Brandrübler Moor aufgehängt, die er uns zeigte", erinnert sich Köhler. Zur Brutzeit entdeckte der Junge echte Gelege - und war fasziniert. Er baute selbst Nistkästen und hängte sie in den Birnenbaum auf dem Vierseithof, in dem er heute noch zu Hause ist. Im Sommer, die Brutzeit hatte längst begonnen, legte er sich auf die Lauer und wartete, dass ein gefiedertes Pärchen in seinen Nistkasten einzog. „Als eine Kohlmeise endlich hineinschlüpfte, war ich der glücklichste Mensch auf der Welt", erzählt Köhler.

Es war nicht die Nachtigall - mit Irrtümern leben

Damals streifte er oft durch Schröders Holz in Wettelswalde und versuchte, seine Artenkenntnis zu erweitern. Er beobachtete Vögel, hörte sie singen und verglich seine Wahrnehmungen mit dem Bestimmungsbuch. „Und ich lebte mit Irrtümern", sagt er. Beispielsweise mit jenem über die Nachtigall. „Ich wollte unbedingt eine Nachtigall beobachten. Mit ihr verband ich so viel Poesie und glaubte, sie würde überall vorkommen.“ Als er ihr vermeintliches Singen eines Tages vernahm, war er stolz. Erst viel später und nach ausführlicher Recherche die Erkenntnis: Es war nicht die Nachtigall, sondern der kleine Weidenlaubsänger Zilpzalp, dessen Gesang ihn verzaubert hatte. Denn: Die Nachtigall ist ein Vogel der Niederungen. „In Schmölln singt sie noch, in Wettelswalde schon nicht mehr, weil das Dorf 300 Meter höher liegt. Eine natürliche Verbreitungsgrenze", erklärt Köhler.

Prägende Freundschaft und das schönste Geschenk

In seiner Jugendzeit prägte ihn die Freundschaft zum 14 Jahre älteren Roland Bachmann aus Kummer, einem profunden Kenner der heimischen Flora und Fauna. Mit ihm war er viele gemeinsame Stunden draußen unterwegs, von seinem Wissen profitierte er.

Sein schönstes Geschenk zur Konfirmation bekam der jugendliche Vogelkundler von seiner Tante Leni: „Die Vögel Europas“ von Wolfgang Makatsch, zu DDR-Zeiten das Nachschlagewerk schlechthin. Noch heute steht es im Bücherregal des inzwischen 56-Jährigen. Gleich neben dem Makatsch-Band II „Die Eier der Vögel Europas".

Das Klischee eines Außenseiters, das Vogelkundlern mitunter anhaftet, erfüllte Lutz Köhler nicht. Er war und ist sehr sportlich, spielte als Kind und Jugendlicher Eishockey, bis heute steht Tischtennis bei ihm hoch im Kurs. „Die Vogelbeobachtung aber, die war ganz und gar meins", sagt er.

Mit objektiven Daten schleichende Prozesse offenlegen

Und sie ist es bis heute. Seit fast zwei Jahrzehnten widmet sich Köhler der Datenerfassung. Mit ihr kann er objektiv Prozesse offenlegen, die kaum jemand wahrnimmt, weil sie schleichend verlaufen.

Seit 2003 ist er Rot- und Schwarzmilan in der Schmöllner Region auf der Spur. Das Untersuchungsgebiet ist rund 240 Quadratkilometer groß. Das Vorkommen des Schwarzmilan ist seit zehn Jahren konstant, das des Rotmilan hat in den vergangenen drei, vier Jahren zugenommen. „Entgegen dem Trend in anderen Gebieten Deutschlands, wo die Populationen seit Jahren stark abnehmen", sagt Köhler.

Als einen Grund nennt er die Windraddichte. „Die ist bei uns nicht so hoch wie andernorts. Und das", so Köhler, „sollte so bleiben.“ Denn die Schmöllner Region ist ein absolutes Dichtezentrum für Rot- und Schwarzmilan. Den Windpark Mohlis nennt er deplatziert. Dass seine Stellungnahme im Anhörungsverfahren für das Bauvorhaben nicht berücksichtigt wurde, schmerzt ihn noch immer.

Aber es gibt kleine Erfolge. Beispielsweise, dass das Windvorranggebiet Kummer nicht, wie ursprünglich geplant, erweitert werden darf. Dank auch seiner Datenerhebung über die streng geschützten Rot- und Schwarzmilane. Die ist im Pool der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie erfasst, auf sie muss bei Bauanträgen zwingend zurückgegriffen werden.

Geld bekommt Lutz Köhler für seine ehrenamtliche Arbeit nicht. „Ich gebe mein Wissen raus, weil ich das wichtig finde", sagt er. Dabei investiert er viel Zeit dafür. Im März und April geht er auf Horstsuche. Auf 240 Quadratkilometern spürt er die Brutplätze der Greifvögel auf und registriert ihre Koordinaten. Um den 20. Juni herum folgt die Bruterfolgskontrolle. Für 2020 zählte er 46 Rotmilane und 19 Schwarzmilane in 65 Horsten.

Für diese Zählung hat er höchstens drei Tage Zeit, weshalb er von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang unterwegs ist. 29 Horstkontrollen schafft er in zwölf Stunden. „Danach bin ich aber auch fix und alle", gibt er zu.

Erzählen kann er viel über den Milan: beispielsweise, was er allerlei in seinen Horst trägt: Bälle, Teddybären, Stoffpuppen, sogar Unterwäsche. Am wichtigsten sei indes dieser Fakt: Die Hälfte des Rotmilan-Weltbestandes lebt allein in Deutschland. „Deshalb haben wir eine ganz besondere Verantwortung, diese Art zu erhalten", sagt Köhler.