„Wir sind auf Augenhöhe mit den Leuchttürmen“

Altenburg.  Interview mit Roland Krischke zur Kommunalen Arbeitsgemeinschaft Altenburger Museen

Roland Krischke leitet seit Anfang des Monats die Kommunale Arbeitsgemeinschaft Altenburger Museen (KAG) und hat in den nächsten Jahren einiges vor.

Roland Krischke leitet seit Anfang des Monats die Kommunale Arbeitsgemeinschaft Altenburger Museen (KAG) und hat in den nächsten Jahren einiges vor.

Foto: Andreas Bayer

Der gebürtige Heidelberger Roland Krischke (53) ist seit fast vier Jahren Direktor des Lindenaum-Museums und einer der beiden Vizepräsidenten des Thüringer Museumsverbandes. Seit Anfang dieses Monats leitet er zudem die von der Stadt Altenburg und dem Landkreis neu gegründete Kommunale Arbeitsgemeinschaft „Altenburger Museen“ (KAG), bestehend aus dem Residenzschloss und dem Lindenau-Museum. Für die OTZ gibt er Auskunft über die anstehenden Aufgaben.

Ist diese neue Aufgabe nur ein Vorwand, um den frei gewordenen Posten von Schloss- und Kulturbetriebsdirektor Christian Horn einzusparen?

Nein. Die grundsätzliche Idee dahinter ist, ein Erfolgsmodell auf den ganzen Schlossberg zu übertragen. Es geht mir dabei überhaupt nicht um Machtaufwuchs, sondern ich glaube an die Chance, gemeinsam mehr Synergieeffekte zu erzielen. Außerdem wird das Geld nicht eingespart, sondern sinnvoll eingesetzt durch die Einrichtung der Stelle eines Referenten, die wir mit dem Kunsthistoriker Dr. Benjamin Spira ganz hervorragend besetzen konnten.

Wie sind Sie gestartet?

Sehr gut, ich bin jetzt dabei, sehr viele Gespräche zu führen, vor allem mit den Mitarbeitern im Schloss. Ich möchte wirklich alle kennenlernen, auch im Besucherservice und in den Freundeskreisen. Dabei interessiert mich vor allem, was ihnen wichtig ist, welche Wünsche sie haben, wo sie die Stärken des Schlosses sehen, und so weiter. Ganz häufig wurden bislang dabei die Roten Spitzen und das Thema Barrierefreiheit angesprochen.

Was sind die nächsten Schritte?

Zunächst muss ich erst einmal zuhören und lernen. Noch habe ich den Blick von außen, was kein Nachteil ist,

um womöglich etwas zu verbessern. Das Lindenau-Museum und das Schloss wollen wir zuerst im Bereich Presse und Marketing enger verzahnen. Danach kann man auch in den Bereichen Wissenschaft, Restaurierung oder Technik enger kooperieren. Die Zusammenarbeit rund um den Schlossberg funktioniert aber bereits jetzt in vielen Bereichen sehr gut.

Das Wichtigste ist ein umfassender Masterplan für den Schlossberg, eine Vision, wie wir uns die Zukunft vorstellen. Also welche Bereiche des Schlossbergs zuerst entwickelt werden und welche Nutzung wir anstreben. Was macht man mit der Orangerie, der alten Försterei, dem Schönhaus, den Roten Spitzen oder den ungenutzten Gebäuden im Schlosshof?

Ist die KAG nur ein Übergangsmodell, bis es eine Thüringer Schlösserstiftung gibt?

Die KAG ist ein bedeutsamer Schritt, eine Willenserklärung zur Zusammenarbeit, die aber juristisch nicht bindend ist. Thomas Knechtel ist nach wie vor Werkleiter des Schlosses und verantwortet dessen Haushalt. In allen wichtigen Fragen stimme ich mich jedoch mit ihm und Museumleiter Uwe Strömsdörfer ab.

Wichtig wird sein, wie sich Altenburg im Hinblick auf die Schlösserstiftung 2.0 positioniert. Ich bin optimistisch, dass wir eine gute Lösung für Thüringen und Altenburg finden. Altenburg hat in den anstehenden Verhandlungen eine gute Ausgangsposition. Wir sind auf Augenhöhe mit den kulturellen Leuchttürmen in Eisenach, Gotha oder Weimar.

Wie ist die Zusammenarbeit mit dem Theater und dem Mauritianum geplant?

Lindenau-Museum und Residenzschloss haben schon jahrelang enge Verbindungen zu beiden Einrichtungen. Dieses gelebte Miteinander wie bei der Museumsnacht ist unsere größte Stärke. Gerne würde ich die Bildungsarbeit noch weiter ausbauen, etwa indem wir einen gemeinsamen Veranstaltungskalender für Kinder und Jugendliche erstellen. Da können dann Theaterpädagogik, Kurse im Malen, Töpfern oder in der Kartenmacherwerkstatt und die Veranstaltungen im Mauritianum besser abgestimmt werden. Vielleicht gibt es bei Absolvierung mehrerer Kurse sogar ein Kinderdiplom! Ein Ziel für die Museen sollten unbedingt auch attraktive Öffnungszeiten sein.

Wo sehen Sie Altenburg im Jahr 2030?

Für solche Kulturriesen wie den Schlossberg braucht es Generationen von Mitarbeitern, um eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen. In zehn Jahren sind Lindenau-Museum und Marstall aber bereits saniert, wir haben eine gemeinsame Eintrittskarte mit ÖPNV-Nutzung für alle Museen und auch im Schloss sind am Leitfaden des Masterplans von 2021 erste Sanierungsschritte vollzogen und weitere eingeleitet. In der Stadt tummeln sich deutlich mehr Touristen als heute, das gastronomische Angebot hat sich entwickelt und die Landesgartenschau von 2028 hat nicht nur den Schlosspark noch attraktiver gemacht.