Altes Handwerk für die Zukunft bewahren

Gernewitz.  Seit 20 Jahren setzt sich der Förderverein des Denkmalhofes Gernewitz dafür ein, dass alte Gewerke lebendig bleiben.

Stoßen auf das 20-jährige Bestehen des Fördervereins Denkmalhof Gernewitz an: Barbara Noffke, Lutz und Annerose Kirsch, Joachim Schuchow, Marion Schöbel, Rolf Schmeißer, Carola Schuchow, Friedhelm Berger und Frank Bauer (von li. n. re.).

Stoßen auf das 20-jährige Bestehen des Fördervereins Denkmalhof Gernewitz an: Barbara Noffke, Lutz und Annerose Kirsch, Joachim Schuchow, Marion Schöbel, Rolf Schmeißer, Carola Schuchow, Friedhelm Berger und Frank Bauer (von li. n. re.).

Foto: Frank Kalla

Sie hatten sich ganz große Themen auf die Fahnen geschrieben, wie die Förderung von Kunst und Kultur, der Erhalt alter Denkmale oder die Bewahrung uralter Handwerkstradition: Als die 24 Frauen und Männer am 3. Dezember 1999 im Denkmalhof Gernewitz einen Förderverein aus der Taufe hoben, ahnte wohl niemand, dass man 20 Jahre später immer noch für die gleichen Ziele kämpfen würde. „Es ist schon ungewöhnlich, dass es so eine Truppe, die man mit keinem normalen Verein auf eine Stufe stellen kann, immer noch gibt“, sagt Vereinschef Rolf Schmeißer.

Denn wen interessiert heutzutage noch altes Handwerk außer ein paar Enthusiasten. Wie schwer es sein würde, altes Gewerke lebendig und in Erinnerung zu halten, dies spürten die Vereinsmitglieder mehrfach. 2001 - nach dem Niedergang des Deutschen Zentrums für Handwerk und Denkmalpflege, Propstei Johannesberg, Fulda e.V. - konnte man den Denkmalhof nur retten, indem der Förderverein die gemeinnützige Denkmalhof Gernewitz GmbH gründete und Mitgesellschafter wurde. „Normal war das nicht, dass man aus einem Verein heraus eine GmbH gründet“, so Schmeißer.

Handwerkssommer ein Erfolg

Die Wagnis habe sich allerdings gelohnt, schätzt der Vereinschef ein. „Mit unserem Handwerkssommer, der alle 2 Jahre stattfindet, ist es uns gelungen, insbesondere Kinder und Jugendliche an alte Handwerkstechniken heranzuführen. Das ist ja auch unser Ziel: Wertvolles Wissen, das Jahrhunderte lang bewahrt wurde, an künftige Generationen weiterzureichen.“

Das Geschäft des Denkmalhofes und die Aktivitäten des Fördervereins ergänzen sich dabei. So bietet die gemeinnützige Gesellschaft für Handwerksbetriebe zertifizierte Fortbildungen unter anderem in den Bereichen Lehmbau oder Holzschutz an, bei den öffentlichen Seminaren oder Workshops können die Vereinsmitglieder auf das Wissen der Denkmalschutz-Experten zurückgreifen. Umgekehrt profitiert der Denkmalhof von den vom Förderverein organisierten Veranstaltungen, da durch diese die Arbeit der Einrichtung in der Region und darüber hinaus bekannter wird.

Stolz sind Rolf Schmeißer und Denkmalhof-Chefin Marion Schöbel beispielsweise darauf, dass es gelungen ist, mit dem einmal im Monat stattfindenden Kulturmittwoch einen neuen kulturellen Höhepunkt in der Region zu schaffen. „Die Veranstaltungen kommen inzwischen sehr gut bei den Besuchern an“, schätzt Marion Schöbel ein.

Probleme immer gemeinsam gelöst

Eng verzahnt sind die Gesellschaft und der Förderverein auch, wenn es darum geht, finanzielle Engpässe zu überwinden. Da das Geschäft mit der Weiterbildung starken Schwankungen bei den Teilnehmerzahlen unterworfen ist, beispielsweise, wenn Handwerksbetriebe aufgrund voller Auftragsbücher keine Möglichkeit haben, Mitarbeiter zu qualifizieren, fallen auch die Jahreserträge unterschiedlich aus. „Bislang konnten wir jedes Defizit als Verein überbrückungsweise ohne Probleme ausgleichen“, sagt Schmeißer. „Für 2019 sieht es nach einer schwarzen Null aus“, ergänzt Marion Schöbel.

Auch dem Freistaat Thüringen, dem der Denkmalhof gehört, ist die Arbeit des Vereins wichtig, insbesondere auch der Bereich des Handels mit historischer Bausubstanz. Konnten doch in der Vergangenheit zahlreiche Eigentümer denkmalgeschützter Objekte dank der alten Baumaterialien ihre Objekte denkmalgerecht sanieren.

Um die Zukunft des gegenwärtig 54 Mitglieder zählenden Vereins ist Rolf Schmeißer nicht bange. „Wir konnten Jüngere aus der Region für eine Mitarbeit in unserem Verein gewinnen.“ Für 2020 konzentriere man sich ganz auf den Handwerkssommer mit einem Hoffest. Weitere Projekte seien in Vorbereitung, beispielsweise werde man Konsequenzen aus der Einbruchserie in diesem Jahr ziehen.

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