Ausflug zu den Burgen des Saaletales und ihren Herren

Gernewitz.  Manfred Thieß aus Gernewitz will am 15. Januar die Zuhörer bei der Winterakademie im Strohatelier ins frühe Mittelalter entführen.

Manfred Thieß zeigt die Reproduktion eines Kupferstichs von Julius Fleischmann aus dem Jahr 1840, auf dem die Reste der Lobdeburg zu sehen sind.

Manfred Thieß zeigt die Reproduktion eines Kupferstichs von Julius Fleischmann aus dem Jahr 1840, auf dem die Reste der Lobdeburg zu sehen sind.

Foto: Frank Kalla

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Eigentlich ist Manfred Thieß, der seit vielen Jahren mit seiner Frau in Gernewitz wohnt, Sportwissenschaftler. Lange Jahre war der heute 76-Jährige zudem der Vorsitzende des Kreissportbundes. Einen klangvollen Namen hat sich Thieß aber nicht nur im Sport, sondern auch auf einem ganz anderen Gebiet erarbeitet: Als Heimatforscher brachte er in zahlreichen Publikationen den Menschen in der Stadtrodaer Region die Vergangenheit ihrer Heimat nahe. Thieß schrieb über die Mühlen im Zeitzgrund, über das Kloster Roda, er beschäftigte sich mit der Geschichte seiner Wahlheimat Gernewitz und verfasste zuletzt mit einem großen Autorenkollektiv die „Chronik von Ruttersdorf.“

Aufstieg und Fall der Burgen vom Saaletal

Im Rahmen der sogenannten Gernewitzer Winterakademie, organisiert vom Feuerwehrverein des Ortes und dem Agrarunternehmen „Wöllmisse“ Schlöben, will Thieß nun am 15. Januar die Gäste im Gernewitzer Strohatelier in seinem Vortrag in das frühe Mittelalter, oder noch besser gesagt, in das Reich der damaligen Herrscher an der Saale entführen. „Die Burgen im Saaletal und ihre Herren“ heißt der Vortrag konkret und er stellt einen überaus unterhaltsamen wie lehrreichen Abend in Aussicht.

Lobdeburger hatten nur eine kurze Blütezeit

Lehrreich ist der Vortrag, weil er ein Kapitel Heimatgeschichte beleuchtet, dass wenige intensiv kennen werden. Vielen mögen die Lobdeburger noch ein Begriff sein, weil es in Jena die Ruinen der Lobdeburg gibt. Dass aber dem Adelsgeschlecht von 1150 bis 1230 nur eine kurze Blütezeit beschieden war, wissen wohl die wenigsten. Oder dass in Dornburg und auf dem Hausberg in Jena einst Kaiserpfalzen standen, die nachweislich von den Kaisern Otto II. und Heinrich II. besucht wurden, wohl auch. Gerade Dornburg rückte erst in den vergangenen Jahren in den Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses, nachdem man erste Spuren sicherte, die auf eine Kaiserpfalz hindeuten.

Dutzende Burgen in der Region

Tatsächlich wimmelte es im 12. und 13. Jahrhundert im Bereich der Saale von Rittern. Hier, wo sich Slawen und die Franken gegenüber standen, schossen auch die Burgen sprichwörtlich wie Pilze aus dem Boden. Allein auf dem Jenaer Hausberg standen die Burgen Greifberg, Kirchberg (zweimal) und Wintberg. Dass bis auf den Fuchsturm kaum noch Reste von den Burgen übrig sind, ist unter anderem auch den Erfurtern zu verdanken, die 1304 drei der vier Anlagen eroberten und teilweise schleiften.

Viele Herrschersitze wurden geschleift

Überhaupt gingen die Leute damals gegenseitig nicht zimperlich miteinander um. Die um 1300 errichtete Rabsburg, von wo man aus die Verbindungsstraße zur Alten Regensburger Straße kontrollieren konnte, fiel nachweislich einer Brandschatzung zum Opfer. Thieß will indes den Bogen noch weiter spannen. „Die Saale war bei Karl dem Großen die Grenze zwischen Franken und Slawen. Schon damals gab es eine Art Siedlungsordnung.“ Verkürzt ausgedrückt: Burgen wurden gebaut, und weil die Besatzungen mit Nahrung und dergleichen versorgt werden mussten, entstanden Vorwerke und Dörfer. Viele der einstigen Vorwerke wurden später Rittergüter, aus Teilen der Ritterschaft, die keine Ahnung von Wirtschaft hatte, gingen später die Adligen mit ihrem Gutsbesitz hervor. „Praktisch ging die Ritterschaft erbärmlich insolvent.“

Ritter gaben sich Namen ihrer Dörfer

„Bemerkenswert ist, dass die Ministerialen des Kaisers, die anfangs keinen Nachnamen hatten, sich nach den ihnen zum Lehen gegebenen Orten benannten“, sagt Thieß. Es gab die Herren von Mörsdorf, Ottendorf, Ruttersdorf oder Waltersdorf, um nur einige zu nennen. Allerorten entstanden neben den Dörfern Herrensitze, „von denen aber heute Null übrig ist“, wie Thieß anmerkt. So habe man beispielsweise Herrensitze oberhalb von Schlöben beim Kindergarten oder bei Gröben im Forst nachgewiesen.

Dass kaum ein Stein von den zahlreichen Burgen und Herrensitzen übrig geblieben ist, führt Thieß auf die Knappheit von Rohstoffen zurück. „Vom alten Kloster Roda, das einst von den Lobdeburgern begründet worden war, wusste im Ort im 19. Jahrhundert kein Mensch mehr etwas. Die Ruine, die hinter der Häuserzeile stand, war offiziell der Steinbruch, aus dem man sich holen konnte, was man wollte. Das war ein Selbstbedienungsladen, behauene Steine waren Gold wert.“

Mensch veränderte die Wöllmisse komplett

Bei seinen Recherchen für den Vortrag stieß Thieß immer wieder auf die Veränderungen, die die Wöllmisse durch Menschenhand erfahren hat. „Die Lobdeburg nannte man Waldburg, weil sie sich im Waldgebirge befand.“ Thieß entdeckte Spuren vom Weinbau in Bockedra, der alte Brandberg war eigentlich einmal ein Weinberg gewesen. „Es ist interessant nachzuvollziehen, wie der Mensch als kulturhistorisches Wesen die Landschaft verändert hat“, sagt Thieß und zeigt auf die alten Kupferstiche von Julius Fleischmann um 1840, auf denen die Region Jena ohne Wald zu sehen ist.

Vortrag: „Die Burgen im Saaletal und ihre Herren“: Mittwoch, 15. Januar, 19 Uhr im Strohatelier in Gernewitz

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.