Brücken-Prototyp in Karlsdorf eingeweiht

Frank Kalla
| Lesedauer: 3 Minuten
Simona Meixner, Geschäftsführerin der Jenaer Firma Planphalt und Max Ramm, Projektleiter beim Institut für Angewandte Bauforschung Weimar gGmbH, begutachten die Klebefugen des Karlsdorfer Brücken-Prototyps.

Simona Meixner, Geschäftsführerin der Jenaer Firma Planphalt und Max Ramm, Projektleiter beim Institut für Angewandte Bauforschung Weimar gGmbH, begutachten die Klebefugen des Karlsdorfer Brücken-Prototyps.

Foto: Frank Kalla

Karlsdorf.  In nur zwei Jahren entwickelte ein Verbund Thüringer Firmen ein neuartiges Brückenbausystem

Deutschlands erste Betonteilfertigbrücke, deren Einzelteile vor Ort einfach nur zusammengeklebt wurden, steht jetzt in Karlsdorf. Der Prototyp wurde in nur drei Wochen Bauzeit von einem Verbund Thüringer Firmen in dem gerade einmal rund 100 Einwohner zählenden Tälerdorf im Saale-Holzland errichtet und der Gemeinde übereignet, die für das Bauwerk keinen Cent zahlen muss.

Aber nicht nur die für eine Brücke extrem kurze Bauzeit unterschiedet den Prototypen von herkömmlichen Brücken, die in der Regel aufwendig vor Ort mit Beton hergestellt werden müssen. Neben der innovativen Klebe- und Verbundtechnologie zeichnet sich das Bauwerk unter anderem durch eine Kostenersparnis und einer dauerhaft geringen Wartung aus. „Zum Einsatz kommt ein innovativer, mit Kunststoff modifizierter Beton, der das Aufbringen einer zusätzlichen Fahrbahnschicht überflüssig macht“, erklärt Max Ramm vom IAB Weimar. Die Brückenelemente werden vor Ort nur noch durch einen organischen Kleber zusammengefügt. Damit sei die Betonoberfläche gleichzeitig Dicht- und Verschleißschicht.

Völliges Neuland im Brückenbau

An der Entwicklung des Fertigteilsystems, mit dem marode Brücken kostengünstig und schnell erneuert werden können, waren das IAB Weimar, das Ingenieurbüro Prof. Dr. U. Freundt sowie die Ostthüringer Bau- und Industrieunternehmen Betonwerk Schumann in Seelingstädt, die Planphalt Industrieböden GmbH in Jena und die ZIBA-Bau in Greiz beteiligt. Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert.

„Was wir gemacht haben, ist völliges Neuland“, verdeutlichte ZIBA-Bau-Geschäftsführer Toralf Zipfel. So entspreche das Brückenbausystem keiner gängigen DIN-Norm. Mit der Fertigstellung des Prototyps beginne nun der Härtetest für die Brücke. „Wir sind kurz vor der Marktreife und wollen nun testen, ob das System unter realen Bedingungen alle relevanten Belastungen besteht.“

Besonderer Augenmerk liegt dabei auf die Haltbarkeit der Klebeverbindungen und die Beständigkeit des Bauwerkes bei Frost und dem Einsatz von Tausalz. „Tausalz ist der größte Feind aller Betonbauwerke“, erklärt Zipfel.

Bach- und Flussläufe bis zu einer Breite von 12 Metern können überspannt werden

Ist der Härtetest bestanden, will man massiv in die Vermarktung gehen. „Wir haben in Deutschland 80.000 kleine Brücken. Davon sind gut 20.000 stark beschädigt“, verdeutlicht der 77-Jährige Eitel Metzler, dem 2018 die Idee zu einer Fertigteilbrücke kam. Das neue Brückensystem kann Bach- und Flussläufe bis zu einer Breite von 12 Metern überspannen.

Karlsdorfs Bürgermeister Jürgen Müller bedankte sich im Namen der Gemeinde für das ungewöhnliche Geschenk. Zugleich lobte er die Hartnäckigkeit aller Beteiligten, das Projekt bis zum Schluss umzusetzen. „Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.“

CDU-Landtagsabgeordneter Stefan Tiesler nannte das Projekt eine „wahnsinnig gute Sache“. Gerade in Zeiten knapper Kassen sei es für Gemeinden ungemein wichtig, kostengünstige Alternativen für den Neubau von maroden Brücken angeboten zu bekommen.

Linke-Landtagsabgeordneter Ralf Kalich signalisierte, dass das Thüringer Infrastrukturministerium großes Interesse an dem Projekt habe und stellte Gespräche mit den Verantwortlichen in Aussicht. „Selbst wenn man beim Preis nicht die Ziele halten kann, die extrem kurze Bauzeit ist schon ein Riesenerfolg.“