Die ersten Brehm-Bücher sind gerettet

Renthendorf.  In einer aufwendigen Aktion gelang es Top-Restauratoren der Landesbibliothek, einzigartige Aufzeichnungen für die Nachwelt zu erhalten.

Kim Janke (rechts) und Jochen Süß zeigen das restaurierte Buch mit den Aufzeichnungen von Christian Ludwig Brehm.

Kim Janke (rechts) und Jochen Süß zeigen das restaurierte Buch mit den Aufzeichnungen von Christian Ludwig Brehm.

Foto: Frank Kalla

Eigentlich neigen Restauratoren nicht dazu, derbe Worte zu verwenden. Frank Schieferdecker, Chefrestaurator an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek (ThULB) in Jena, machte indes in Renthendorf zur Präsentation von drei aufwendig restaurierten Werken aus der Bibliothek der berühmten Tierforscherfamilie Brehm keinen Hehl daraus, dass man zumindest beim wichtigsten Werk aus einem „Misthaufen“ wieder ein lesbares Buch habe machen können.

Was er in Camburg im Kreisarchiv gesehen habe, sei schon ziemlich schlimm gewesen, die Lagerung der Buchbestände im unsanierten Brehmhaus eine Katastrophe gewesen.

Noch schlimmer jedoch präsentierte sich der Zustand des Werkes von Christian Ludwig Brehm, das die Restauratoren neben zwei anderen kleineren Büchlein zur Rettung mit nach Jena nahmen: „Das Buch war total zerfleddert, es hatte Fraßspuren von Mäusen oder Ratten und es wurde uns als zwei Bücher übergeben, weil es zerbrochen war“, so Schieferdecker.

Wissenschaftlicher Schatz vom „Vogelpastor“

In mehreren Wochen gelang den Mitarbeitern um Restaurator Schieferdecker indes etwas, woran man im Brehm-Haus nicht mehr glaubte: Seite für Seite des Buches konnten die Restauratoren retten und damit erstmals der Nachwelt einen Einblick geben, was „Vogelpastor“ Christian Ludwig Brehm da eigentlich in dem 1000-seitigen Werk niedergeschrieben hatte.

Es ist ein wissenschaftlicher Schatz, der da wiederentdeckt wurde. Ließ doch der Vogelpastor eine Art doppeltes Buch zu seinen Lebzeiten anfertigen. So ließ er zwischen jede Seite seines 1831 erschienenen Werkes „Handbuch der Naturgeschichte der Vögel Deutschlands“ weiße Blätter heften, auf denen er später handschriftliche Notizen zu beobachteten Vögeln machte.

„Was Brehm daneben niedergeschrieben hat, passt zur bedruckten Seite“, verdeutlicht Museologin Kim Janke von der Brehm-Gedenkstätte. Etwa zwanzig Jahre lang habe der Vogelpastor so dokumentiert, welche Vögel in der Region Renthendorf zur damaligen Zeit heimisch gewesen seien. Für die Ornithologen weltweit sei dies sicherlich etwas Besonderes.

Besonders ist auch, dass Gedenkstättenleiter Jochen Süß gemeinsam mit Michael Lörzer, dem Chef der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek, mit der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, der Sparkassenstiftung Jena-Saale-Holzland und der Sparkasse Jena-Saale-Holzland ein Bündnis schmieden konnte, das die Restaurierung der aus 13.000 Nummern bestehenden Bibliothek von Christian Ludwig und Alfred Brehm anschob.

Spenden helfen bei der Restaurierung

Bibliothekschef Lörzer bekräftigte in Renthendorf, dass man der Brehm-Stätte auch weiterhin zu Seite stehen werde und es nicht bei der kostenlosen Restaurierung der drei Werke bleibe. So will die Landesbibliothek dafür Sorge tragen, dass die derzeitigen und künftigen restaurierten Brehm-Werke über ihr Online-Portal für Jedermann zugänglich sind.

Und man ist auf einem guten Weg, dass weitere wertvolle Brehm-Handschriften und Bücher bald einer breiten Öffentlichkeit in digitalisierte Form zur Verfügung stehen, insbesondere dank der mittlerweile 169 Buchpaten, die inzwischen 31.000 Euro an Geldspenden für die Restaurierung zur Verfügung stellten.

Nachdem das Brehm-Haus über die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturgutes bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (KEK) bereits 30.000 Euro für Buchrestaurierungen erhielt, könnten dank der Spenden demnächst weitere zehntausend Euro von der Stiftung abgerufen werden.