Extremwanderer aus Stadtroda ist zurück in seiner Heimat

Stadtroda.  Danny Radzuweit fehlt nur noch der Appalachian Trail, dann bekommt er Krone und Urkunde für seine Wander-Leistungen.

Der 29-jährige Extremwanderer aus Stadtroda, Danny Radzuweit, hat in 127 Tagen den etwa 5000 Kilometer langen Fernwanderweg Continental Divide Trail (CDT) bezwungen.

Der 29-jährige Extremwanderer aus Stadtroda, Danny Radzuweit, hat in 127 Tagen den etwa 5000 Kilometer langen Fernwanderweg Continental Divide Trail (CDT) bezwungen.

Foto: Radzuweit

„Von 100 auf null. Es ist irgendwie surreal.“ – So beschreibt Danny Radzuweit seine momentane Gefühlswelt. Der 29-jährige Extremwanderer aus Stadtroda ist am 19. November aus den USA in seine kleine thüringische Heimatstadt zurückgekehrt. Mehr als 5000 Kilometer hat er in den Knochen, die er in 127 Tagen auf dem Fernwanderweg namens Continental Divide Trail (CDT) zurückgelegt hat. Nach Monaten körperlicher Strapazen und Entbehrungen, aber vor allem auch einer Zeit voller unvergesslicher Eindrücke, genieße der nun den Luxus eines allzeit gefüllten Kühlschrankes und des fließenden Wassers aus dem Hahn. „Ich schlafe auch viel“, sagt er und ergänzt: „Mein Körper ist noch am Regenerieren.“

Die „nach-dem-Fernwanderweg-Zeit“ sei ein bisschen schwierig. „Fast jeden Tag hatte ich bombastische Landschaften, war völlig frei und Teil von etwas. Ich hatte ein Ziel. Jetzt, da es vorbei ist und ich Zuhause bin, muss ich mir natürlich automatisch wieder Gedanken darüber machen, wie es in meinem Leben weitergehen soll. Ich bin auf der Suche nach neuen Optionen und für alle Ideen offen.“

Für Krönung muss er noch den Appalachian Trail erwandern

Vorstellen könnte er sich zum Beispiel, als Wanderführer im In- oder Ausland tätig zu sein oder Vorträge über seine bisher erlebten Wander-Abenteuer zu halten. „Oder“, sagt Danny Radzuweit mit einem Schmunzeln, „weiter zu wandern“. Denn den etwa 3500 Kilometer langen „Appalachian National Scenic Trail“, der durch die US-amerikanischen Appalachen führt und 14 US-Bundesstaaten durchquert, würde er nur allzu gerne unter die Füße nehmen. Schließlich dürfte er sich dann als „Triple-Crowner“ bezeichnen, Krone und Urkunde inklusive. Diese Ehrung wird den Wanderern zuteil, die alle drei der sogenannten „Triple-Crown-Wege“ gegangen sind. Dazu gehören neben dem Appalachian Trail der Pacific Crest Trail von Mexiko nach Kanada und der Continental Divide Trail von der mexikanischen bis zur kanadischen Grenze. Insgesamt legt ein Wanderer dabei fast 13.000 Kilometer per pedes zurück.

Um mit dem 4279 Kilometer langen Pacific Crest Trail seinen ersten Fernwanderweg zu bezwingen, hatte Danny Radzuweit Anfang 2018 seinen Job gekündigt. Danach habe er nicht das Gefühl gehabt, genug gelaufen zu sein. So kam es, dass er zwei Monate später den etwa 3000 Kilometer langen Fernwanderweg Te Araroa in Neuseeland in Angriff nahm und diesen vier Monaten später komplett erwandert hatte. Am 15. Juni 2019 machte sich der Stadtrodaer dann an der kanadischen Grenze am Chief Mountain auf den Weg, um den Continental Divide Trail entlang der kontinentalen Wasserscheide in den USA zu absolvieren. „Ich bereue es keinen einzigen Tag, dass ich damals meinen Job gekündigt habe“, sagt Danny Radzuweit. Er erinnert sich an die Skepsis mancher Leute, die nicht daran glaubten, dass er auch nur einen Fernwanderweg bezwingen könnte. „Zumal ich ja vorher nie groß im Zelt geschlafen habe und zuvor noch die allein auf einer mehrtägigen Wandertour war“, sagt er. „Letztlich bin ich ungefähr dreimal so viel gelaufen, wie ich ursprünglich vorgehabt hatte. Es ist einfach großartig und ich habe mich noch nie in meinem Leben so vital gefühlt wie jetzt.“

In 127 Tagen nur an fünf Tagen Pause eingelegt

Auch seiner körperlichen Fitness habe er es zu verdanken, dass er den Continental Divide Trail mit sechs Kilogramm Basisgepäck ohne Essen, Trinken und Verbrauchsgegenstände, relativ schnell bewältigt hat. „Von den 127 Tagen habe ich nur fünf Tage Pause eingelegt. Ansonsten bin ich von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang gelaufen, manchmal auch nachts.“ Aber auch Wasser- und Lebensmittelknappheit zwangen ihn hin und wieder ohne Rast vorwärts und zur nächsten Einkaufsmöglichkeit zu kommen. Durch die fünf Bundesstaaten Montana, Idaho, Wyoming, Colorado und New Mexico führte ihn sein Weg. Er traf auf Elche, Rehe, Hirsche, Eichhörnchen, Murmeltiere und Streifenhörnchen. Als er glaubte, keinen Grizzly mehr zu sehen – er hatte gerade sein Bärenspray weggegeben – da traf er doch noch auf einen. „Das war ein wirklich gigantisches Tier.“

Sein Weg führte ihn weiter durch eine hochalpine Wüste, die mental eine große Herausforderung gewesen sei. „Da ging es drei Tage lang nur geradeaus und ich hatte nur noch ein bisschen Wasser bei mir.“ Dann wieder sei er auf Bergrücken gewandert und die Pfade führten ihn bergauf und bergab. Auch kleine Umwege sei er gegangen, unter anderem, um zum Mount Elbert zu gelangen, dem höchsten Berg in den nordamerikanischen Rocky Mountains. Kälte, Nässe, schönes Wetter, Trockenheit, eine Badestelle natürlichen Ursprungs mit warmem Wasser – alles erlebte er auf seiner Tour. Das Besondere seien für Danny Radzuweit wieder die Menschen gewesen. Menschen, die ihn einfach so zum Essen einluden, ihm ein Quartier gaben, ihn mit Verpflegung unterstützten. „Besonders interessant war ein Treffen mit drei Leuten, die einst mit Christine Thürmer, der meistgewanderten Frau der Welt, unterwegs waren“, sagt Radzuweit.

Sechs Paar Schuhe durchgelaufen

Sechs paar Schuhe habe durchgelaufen. Verletzt habe er sich nicht, nur eine, allerdings recht schmerzhafte, Blase auf etwa der Hälfte des Weges bekommen. „Letztlich, lief alles wie geschmiert.“ Weil er noch Kapazitäten hatte, sei er mit einer Bekannten nach Abschluss des CDT noch etwa 400 Kilometer auf dem Arizona-Trail gelaufen. „Diese drei Wochen waren wie eine Art Urlaub für mich. Wir sind so gewandert, wie wir Lust hatten und nicht wie zuvor auf dem CDT nach Leistung.“ Bevor er schließlich in den Flieger stieg, der ihn zurück nach Deutschland brachte, besuchte er noch für fünf Tage die Familie seiner Schwägerin in Texas.

Jetzt will sich Danny Radzuweit erst einmal ausruhen, seinem Körper Erholung gönnen. Weihnachten werde er in Familie feiern, auch wenn ihm das Fest nicht so wichtig sei. Ein wenig graut es ihm sogar vor dem 25. Dezember. Dann nämlich wird Danny Radzuweit 30 Jahre alt.

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