Hermsdorf: Infizierung bei Pflegekräften und Betreuenden vermeiden

Hermsdorf.  Bei der Hermsdorfer Pflegedienst Ramona Kraft GmbH gelten strenge Regeln beim täglichen Pflegeablauf mit Senioren sowie Beschränkungen.

Pflegedienstleiterin Mandy Brandt führt bei Hella Kraft einen Schnelltest durch. Die rüstige Dame wohnt in der Hermsdorfer Seniorenvilla gemeinsam mit sechs weiteren Bewohnern.

Pflegedienstleiterin Mandy Brandt führt bei Hella Kraft einen Schnelltest durch. Die rüstige Dame wohnt in der Hermsdorfer Seniorenvilla gemeinsam mit sechs weiteren Bewohnern.

Foto: Andreas Schott

Bevor der Reporter das Gespräch in der Seniorenvilla mit der Geschäftsführung des Hermsdorfer Pflegedienstes Ramona Kraft führen kann, gilt es Grundsätze einzuhalten. Nur mit einem Mund-Nasen-Schutz kann die Villa, in dem es sieben Appartements für Senioren gibt, überhaupt betreten werden.

Nach der Desinfektion der Hände folgt eine Temperaturmessung und das Ausfüllen eines Meldebogens. Erst dann wird der Reporter zur Geschäftsführung geleitet. Melanie Vogel und Eileen Lorber, beide tragen den Mund-Nasen-Schutz permanent, stehen bereit.

Seit Mitte März, so die beiden Geschäftsführerinnen, müsse das gesamte Pflegepersonal, aber auch die Verwaltungsmitarbeiter enorme Herausforderungen meistern. „Alle miteinander unternehmen große Anstrengungen, um das Coronavirus von Mitarbeitern und den zu betreuenden Menschen fernzuhalten“, so Melanie Vogel.

Während in der ersten Phase im Frühjahr, als es für Pflegeeinrichtungen keine ausreichende Schutzbekleidung gab, was die tägliche Arbeit nicht einfach machte, gelten heute klare Richtlinien und Finanzierungsansätze. Ebenso sei die Ausstattung mit Schutzbekleidung gesichert.

130 Patienten werden betreut

In seiner Zuständigkeit zeichnet die Pflege GmbH für drei Objekte verantwortlich. In der Seniorenvilla sowie der Seniorenresidenz (Lahnsteiner Straße) werden sieben beziehungsweise 13 Mieter betreut. Bei Letzterem kümmert man sich um sieben intensivpflichtige Patienten. Dazu betreibt das Familienunternehmen am Grünstädter Platz 1 eine 24-Stunden-Intensivpflege für vier ältere Menschen und bietet unter anderem pflegerische Hilfe für 69 Mieter an. Zudem sind Pflegekräfte im ambulanten Dienst tätig. Insgesamt kümmern sich 75 Mitarbeiter um etwa 130 Patienten.

Gemeinsame Zusammenkünfte der Verantwortungsträger aus den genannten Bereichen seien tabu. „Kontakt wird über E-Mail und Videokonferenzen gehalten“, so Melanie Vogel. Strenge Regeln gelten für Besucher der Seniorenvilla und der Residenz. Seit 17. November sei nur einmal in der Woche für zwei Stunden ein Besuch nach telefonischer Anmeldung erlaubt. „Besucher müssen sich der Prozedur wie eingangs beschrieben unterziehen, eine FFP2-Maske und Einmalhandschuhe tragen und den Abstand wahren“, so Eileen Lorber.

Das stoße nicht bei allen Besuchern auf Verständnis, weiß sie aus Erlebtem. „Wer sich nicht daran hält, dem müssen wir den Zugang verwehren, was schon vorgekommen ist“ erzählt sie. Für das Pflegepersonal, das die Forderung durchsetzen müsse, sei das keine einfache Aufgabe. Bei Besuchen, die intensiv gepflegte Menschen besuchen wollen, sei der Sicherheitsstandard noch einmal verschärft. Bei unseren Mitarbeitern, die in der ambulanten Pflege tätig sind, gelten gleichfalls besondere Vorschriften.“

Schnelltests sind Standard

Vielfach werden Betreute dreimal und häufiger am Tag aufgesucht. Zuerst werde immer die Frage gestellt, ob es den Senioren gut gehe beziehungsweise ob sie Symptome aufweisen. „Verlassen müssen wir uns auf eine ehrliche Aussage“, so Melanie Vogel. Sollte ein Betreuter über Beschwerden klagen, führen die Pflegekräfte ein Notfallset mit sich, aus dem sie eine FFP2-Maske und einen langärmlichen Schutzkittel entnehmen können. In so einem Fall werde generell der Notdienst verständigt, ergänzt sie.

Schnelltest gehören im Pflegedienst Kraft mittlerweile zum Standard. „Sowohl bei Betreuenden, beim Personal aber auch bei Besuchern bis hin zu Therapeuten, die zu uns kommen, wird davon Gebrauch gemacht. Nach Angaben des Gesundheitsamtes erhalte man nach 15 Minuten ein zu 84 Prozent gesichertes Ergebnis“, informiert Melanie Vogel.

Ein Restrisiko bleibt

In der Intensivpflege müssen Mitarbeiter generell eine FFP2-Maske sowie besondere Schutzbekleidung tragen. Und weil die Geschäftsführung für den Arbeitsschutz seiner Mitarbeiter Sorge trägt, müssen Pausenzeiten für die Mitarbeiter vervielfacht werden. „Wer lange Zeit diese Maske trägt, beeinflusst seinen Sauerstoffgehalt im Blut und muss öfter mal durchschnaufen können“, weiß Melanie Vogel.

Ohnehin müsse man den gesamten Mitarbeiterteam ein großes Kompliment machen. Trotz aller Anforderungen und auch familiär zu meisternden Herausforderungen haben sie alle durchgehalten, lobt die Geschäftsführung. Zudem hofft die Geschäftsführung, dass auch künftig die Arbeitsabläufe aufrecht erhalten bleiben können, in allen Bereichen keine Infektionen auftreten und die Mitarbeiter gleichfalls gesund bleiben. Restlos gefeit sei man trotz aller Schutzmaßnahmen leider nicht, mutmaßen die Geschäftsführerinnen.