Hermsdorfer Flüchtlingskinder lieben die Orgel

Ulrike Demuth
| Lesedauer: 2 Minuten
Mit neun Kindern kam Flüchtlingshelferin Olha Zakharevyeh (Dritte von rechts) in die Hermsdorfer Kirche zur Kirchenführung von Kantor Every Zabel (rechts im Bild). Maryna Syndorvhuk (links im Bild) half beim Dolmetschen.

Mit neun Kindern kam Flüchtlingshelferin Olha Zakharevyeh (Dritte von rechts) in die Hermsdorfer Kirche zur Kirchenführung von Kantor Every Zabel (rechts im Bild). Maryna Syndorvhuk (links im Bild) half beim Dolmetschen.

Foto: Ulrike Demuth

Hermsdorf.  Eine Kirche kindgerecht zu erkunden, kann richtig Spaß machen. Was neun ukrainische Kinder in der Hermsdorfer Kirche erlebten.

Sie kommen aus Odessa, Schernigow, Obuchow und Kiew, doch der Krieg in ihrem Heimatland hat sie nach Hermsdorf verschlagen: Neun Kinder kamen gestern gemeinsam mit ihrer Flüchtlingshelferin Olha Zakharevyeh in die Hermsdorfer St.-Salvator-Kirche. Dort sind sie zu einer besonderen Führung eingeladen: Kantor Every Zabel zeigt ihnen auf kindgerechte Weise das Gotteshaus. „Was gefällt euch denn am besten in unserer Kirche?“, fragt er. Die Kinder antworten in ihrer Landessprache, und Maryna Syndorchuk, die Kantor Zabel heute als Dolmetscherin unterstützt, übersetzt: „Sie mögen die vielen Bilder und die Orgel.“ Und das ist kein Wunder, denn der Kirchenmusiker erzählt ihnen nicht nur, was es in der Kirche und an der Orgel alles zu sehen gibt, sondern lässt auch jedes Kind einmal an dem großen Instrument spielen. Ganz unterschiedlich zeigen sich hier die Charaktere: Während manche Kinder mutig Hände und Füße gleichzeitig über Tasten und Pedale wirbeln lassen, setzen sich andere schüchtern auf die Orgelbank, probieren erst vorsichtig die Töne mit den Füßen, dann mit den Händen aus. Ein Mädchen erzählt, sie habe in ihrer Heimat Klavierunterricht gehabt, und lässt die Finger geübt über die Tasten gleiten. Auch wenn die meisten Fragen von den Kindern auf ukrainisch beantwortet werden, merkt man ihnen an, dass sie sich schon viele deutsche Wörter gemerkt haben. Als Kantor Zabel fragt, was sie schätzen, wie viele Orgelpfeifen die Orgel hat, erlebt er eine Überraschung: Die Kinder antworten mit deutschen Zahlen. Sie leben mit ihren Müttern in privaten Haushalten in Hermsdorf, Stadtroda und Umgebung, erzählt ihre Betreuerin, und besuchen gemeinsam die Schule in Hermsdorf. Am Tag werden sie in der Hermsdorfer Volkshochschule betreut, aber die Idee der Kirchenführung hatte die Kreismusikschule, sagt Zabel.