Junge Hermsdorferin näht Behelfsmundmasken

Hermsdorf.  400 Stück hat Juliane Stahl gefertigt und an Pflegeeinrichtungen und Feuerwehr kostenlos verteilt. Die junge Mutter zweier Kleinkinder will weitermachen.

Sozialpädagogin Juliane Stahl sitzt jeden Tag an ihrer Nähmaschine und fertigt Behelfsmundmasken, die sie kostenlos abgibt. 400 Exemplare der doppellagigen Masken hat sich schon genäht. Auch künftig wird sie sich die Zeit nehmen, um weitere Unikate zu nähen.

Sozialpädagogin Juliane Stahl sitzt jeden Tag an ihrer Nähmaschine und fertigt Behelfsmundmasken, die sie kostenlos abgibt. 400 Exemplare der doppellagigen Masken hat sich schon genäht. Auch künftig wird sie sich die Zeit nehmen, um weitere Unikate zu nähen.

Foto: Andreas Schott

Die Nähmaschine hat Juliane Stahl (37) in einer Ecke des heimischen Wohnzimmers aufgebaut. In Reichweite befinden sich der Baumwollstoff und das benötigte Bandmaterial für die Behelfsmasken, die sie seit Mitte März in Fleißarbeit akribisch herstellt. Ein knappes Dutzend der doppellagigen Stoffmasken, allesamt mit mehrfachen Falten gerafft, sind am Vormittag bereits fertig gestellt. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Juliane Stahl, sie ist beruflich als Sozialpädagogin an einer Geraer Grundschule tätig, muss zurzeit - wie viele andere auch - zu Hause bleiben. „Schulen und Kindergärten sind geschlossen. Und ich habe meine zwei Töchter, Kaja und Mia um mich, die beschäftigt werden wollen“, sagt die 37-Jährige. Als der Reporter zum Termin auftaucht, dürfen die beiden Mädchen – sie sind eineinhalb- beziehungsweise viereinhalb Jahre - einen Zeichentrickfilm anschauen. Das offenbar regulierte Glück löst bei den beiden Kids Begeisterungsstürme aus und flugs platzieren sie sich auf der Couch.

Rasch in die Masken-Nähkunst eingefuchst

Währenddessen erzählt die junge Frau über ihre Beweggründe. Sie wolle einfach helfen, vor allem denen, die an vordersten Front Dienst tun. Daher habe sie sich zum Nähen von Behelfsmundmasken entschlossen. Ohnehin sei Nähen ein kleines Hobby für sie. Wobei sie sich in die Kunst des Nähens von Behelfsmasken erst einfuchsen musste. Das sei anfangs nicht so einfach gewesen, aber mittlerweile klappt es gut. „Ich habe mich zu Beginn in der Verwaltungsgemeinschaft Hermsdorf kundig gemacht und bin dort auf offene Ohren gestoßen. Constance Möbius, sie ist die Verwaltungschefin, hat mir gleich Unterstützung zugesichert. Die VG will künftig die Verteilung der Masken übernehmen“, erzählt Juliane Stahl. Den Mund- und Nasenschutz gebe sie kostenlos an die diejenigen ab, die sie derzeit am dringendsten benötigen. 400 Stück habe sie seit Mitte März schon gefertigt. Ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen des Arbeiter-Samariter-Bundes und auch die Kameraden der Hermsdorfer Feuerwehr waren bisher dankbare Abnehmer, freut sie sich.

Wucherpreise ärgern die junge Mutter

Vor allem ärgert die junge Frau, dass selbst die einfachen Behelfsmasken zu Wucherpreisen, zumeist im Internet, angeboten werden. Das finde sie einfach schrecklich. Überhaupt, dass es Leute gebe, die die derzeitige Notsituation in der Corona-Krise schamlos ausnutzen und sich damit eine goldene Nase verdienen wollen. Deshalb setze sie sich täglich an die Nähmaschine. „Wenn meine Kinder Mittagsschlaf halten oder mein Mann nach der Arbeit wieder zu Hause ist, nutze ich die Zeit an der Maschine.“ Das Herstellen der gerafften Behelfsmundmasken sei relativ aufwendig, weil -zig Arbeitsschritte erforderlich sind. Aber sie mache das gern und es bereite ihr großen Spaß. Und mit zunehmender Anzahl der genähten Unikate, die übrigens nach einem Waschgang von bis zu 90 Grad wiederverwendbar sind, seien Neuerungen beziehungsweise Anpassungen erfolgt.

So haben sich die zuvor verwendeten Stoffbänder an den Masken als zu rau erwiesen und hinter den Ohren gerieben. Jetzt verarbeite sie Spannbettlaken, aus denen sie Bänder für die Masken fertigt. „Ideal wäre breites Gummiband, aber daran fehlt es leider.“ Hatte sie anfangs eigene Reste an Baumwollstoffen verarbeitet, seien es jetzt allesamt Stoffspenden.

Gestartet habe sie ihre Aktion übrigens über Facebook. Unter dem Titel „Behelfsmundmasken für das Holzland“ habe sie versucht, den Bedarf zu ermitteln und zum Mittun aufgerufen. „Gesucht werden noch immer Näherinnen. Wer möchte, kann sich bei Facebook informieren oder auf der Homepage der Verwaltungsgemeinschaft Hermsdorf“, bittet sie. Denn der Bedarf sei immer noch groß. Allein Juliane Stahl liegen Anfragen für etwa 700 Exemplare vor. „Es gibt also noch jede Menge zu tun, deshalb werde ich auch weiter machen“, sagt sie und lässt die Nähmaschine rattern.

Info und Kontakte im Internet unter www.vg-hermsdorf.de