Klärschlamm wird für ZWA „Holzland“ zur finanziellen Last

Hermsdorf.  Kosten für die Entsorgung haben sich mehr als verdoppelt. Mit einem Beitritt zu einem noch zu gründenden Zweckverband will man gegensteuern.

Ein Industrietaucher bei der Säuberung des Faulturms der Kläranlage Hermsdorf: Der in dieser und anderen Anlagen anfallende Klärschlamm im Verbandsgebiet wird für den ZWA „Thüringer Holzland“ zu einer immer größeren finanziellen Bürde, da die Kosten für die Entsorgung derzeit durch die Decke gehen.

Ein Industrietaucher bei der Säuberung des Faulturms der Kläranlage Hermsdorf: Der in dieser und anderen Anlagen anfallende Klärschlamm im Verbandsgebiet wird für den ZWA „Thüringer Holzland“ zu einer immer größeren finanziellen Bürde, da die Kosten für die Entsorgung derzeit durch die Decke gehen.

Foto: Frank Kalla

Nach dem Wasser- und Abwasserzweckverband „Mittleres Elstertal“, Jenawasser und dem Zweckverband „Orla“ wird auch der ZWA „Thüringer Holzland“ dem noch zu gründenden Thüringer Zweckverband „Kommunale Klärschlammverwertung (KKT)“ beitreten. Einen entsprechenden Beschluss fasste jetzt die ZWA-Verbandsversammlung auf ihrer Tagung in Hermsdorf. Der ZWA, dem 50 Städte und Gemeinden im südlichen Saale-Holzland sowie im nördlichen Landkreis Saalfeld-Rudolstadt angehören, ist für die Wasserversorgung sowie für die Abwasserbeseitigung von über 42.000 Kunden zuständig.

Mit dem Schritt reiht sich der ZWA in die Runde all jener Zweckverbände ein, die mit der Gründung der KKT einer Kostenexplosion bei der Entsorgung von Klärschlamm entgegentreten wollen. Wie ZWA-Werkleiter Steffen Rothe auf der Tagung verdeutlichte, hätten sich die Preise für die Klärschlammentsorgung im Vergleich zu den Vorjahren mehr als verdoppelt. Zahlte man früher 40 Euro pro Tonne Klärschlamm für die Entsorgung, so fordern die Unternehmen inzwischen zwischen 180 bis 200 Euro die Tonne. Allein für das kommende Geschäftsjahr rechnet der Verband für die Klärschlammentsorgung mit Kosten in Höhe von rund 655.000 Euro. Inwieweit sich diese Entwicklung auf die Gebührenkalkulation beim Abwasser auswirken werde, müsse man noch genauer betrachten, erklärte Rothe. Derzeit müssen im ZWA-Verbandsgebiet jährlich rund 3200 Tonnen Klärschlamm entsorgt werden.

Landwirtschaft lehnt Klärschlamm ab

Eine der Hauptgründe, warum die Preisspirale beim Thema Klärschlamm in Bewegung gekommen ist, liegt in neuen gesetzlichen Vorschriften. Durch die Absenkung von Grenzwerten - beispielsweise bei Schwermetallen - ist die Akzeptanz bei den Landwirten deutlich gesunken, Klärschlamm weiterhin auf ihren Feldern als wertvollen Dünger auszubringen. Andererseits sind die Kapazitäten, den Klärschlamm einer thermischen Verwertung zuzuführen, in Europa und Deutschland begrenzt.

Insbesondere in Ost-, aber auch in Südthüringen hoffen etliche der dortigen Zweckverbände, mit der Gründung der Kommunalen Klärschlammverwertung zu einem ernstzunehmenden Player auf dem Markt zu werden. Geschätzte 82.000 Tonnen Klärschlamm jährlich könnten - sofern alle 26 interessierten Thüringer Verbände dem KKT beitreten - als Verhandlungsmasse auf den Markt gebracht werden. Derzeit von den Verbänden favorisiert wird der Bau einer eigenen thermischen Verwertungsanlage, die irgendwo zwischen Jena und der Landesgrenze Sachsen an der Autobahn A4 errichtet werden müsste. In Vorbereitung der KKT-Gründung wurden auch namhafte Institute sowie Thüringer Behörden einbezogen. „Ziel ist eine interkommunale Zusammenarbeit ohne Gewinnerzielungsabsicht“, sagte Rothe.

Warnung vor eigener Entsorgungsanlage

Verbandsrat Volker Bauer (Tautendorf) begrüßte im Grundsatz die geplante KKT-Gründung, er warnte allerdings davor, sich voreilig auf eine eigene Entsorgungsanlage festzulegen. Das Thema Müll habe in der Vergangenheit gezeigt, dass eine europaweite Ausschreibung und die Inanspruchnahme externer Dienstleister kostengünstiger sein kann. Als warnendes Beispiel nannte er den Alleingang Erfurts bei der thermischen Verwertung von Hausmüll. „Das Ergebnis ist grottenschlecht.“ Man sollte die Klärschlamm-Mengen am Markt ausschreiben lassen.

Verbandsrat Wolfgang Fiedler (Tröbnitz) behagte nicht, dass mit dem Beitrittsbeschluss dem ZWA-Verbandsvorsitzenden Hans-Peter Perschke (Schlöben) weitgehende Verhandlungsbefugnisse zugebilligt werden sollen. „Wir wollen als Verbandsversammlung in die Entscheidungen eingebunden werden“, forderte er. Einige Formulierungen seien ihm zu schwammig, beispielsweise, was es mit gravierenden Themen auf sich habe. Perschke sicherte seinerseits zu, größtmögliche Transparenz an den Tag zu legen. Man werde die Geschäftsordnung des ZWA anpassen, erklärte er.

Ostthüringer Verbrennungsanlage für Klärschlamm im Gespräch

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.