Klimawandel vermasselt Flugplatz Jena-Schöngleina die Bilanz

Schöngleina.  2019 gab es in Schöngleina deutlich weniger Starts und Landungen. Stürme zu Jahresanfang und Hitzewelle im Sommer waren die Hauptgründe.

Eine Pilatus PC 24 im Anflug auf den Verkehrslandeplatz in Jena-Schöngleina

Eine Pilatus PC 24 im Anflug auf den Verkehrslandeplatz in Jena-Schöngleina

Foto: Archivfoto: Jens Henning

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Stürme, Starkregen, aber insbesondere die lang anhaltende Hitzewelle im Sommer 2019 haben ihre Spuren in der Bilanz des Verkehrslandeplatzes Jena-Schöngleina hinterlassen. Geschäftsführer Wolfgang Kuhnert spricht von deutlich weniger Flugbewegungen als im Durchschnitt der vergangenen Jahre.

Nach den vorläufigen Zahlen registrierte der Verkehrslandeplatz im Jahr 2019 demnach 15.286 Starts und Landungen. „Das sind fast 5000 weniger als sonst üblich“, sagt Kuhnert. Nach der langjährigen Statistik, die man seit 2006 führe, sei dies ein Rückgang von rund 20 Prozent.

Die einzig erfreuliche Bilanz sei, dass die Zahl der gewerblichen Flüge mit 6535 Starts und Landungen relativ stabil geblieben sei. Die Zahl unterstreiche auch, dass der Verkehrslandeplatz für Unternehmen sehr wichtig sei, betont der Geschäftsführer. In den gewerblichen Flügen enthalten seien auch die Transporte für Organtransplantationen für das Universitätsklinikum Jena.

ADAC-Rettungsflüge konstant

Konstant seien auch die Flugbewegungen des Rettungshubschraubers „Christoph 70“ des ADAC-Luftrettungsstützpunktes auf dem Verkehrslandeplatz geblieben. „1400 Starts und Landungen entspricht in etwa dem Niveau der Vorjahre“, so Kuhnert.

Der Rettungshubschrauber, der einen Einsatzradius von rund 70 Kilometern hat und zu 85 Prozent in Thüringen zum Einsatz kommt, wird insbesondere bei internistischen Notfällen wie Herzinfarkt, aber auch bei schweren Unfällen zu Hilfe gerufen.

Einen Einbruch erlebte man jedoch bei den Flügen, die auf den Sport- und Privatbereich entfielen. „Im Frühjahr war extrem viel Wind, der Sommer war extrem heiß.“ Bei Temperaturen von 35 Grad Celsius und mehr hätten gerade Privatflieger keine Lust, sich unter die Plexiglashaube eines Flugzeuges zu setzen.

„Der Rückgang der Flugbewegungen ist eindeutig auf das Wetter zurückzuführen“, sagt der Geschäftsführer, der seit Jahrzehnten Pilot ist und früher auch große Verkehrsflugzeuge flog. Beispielsweise habe eine Schlechtwetterfront im Sommer das Cessna-Treffen sprichwörtlich absaufen lassen. „Wir hatten Dutzende Anmeldungen, aber zahlreiche Maschinen, die bereits nach Schöngleina unterwegs waren, mussten wieder abdrehen.“

Weiterhin die meisten Starts und Landungen

Für das Jahr 2020 ist Wolfgang Kuhnert voller Hoffnung. „So wie das Wetter in 2020 gestartet ist, könnte es bleiben.“ Ungeachtet der Delle sei der Verkehrslandeplatz Jena-Schöngleina auch 2019 weiterhin der Spitzenreiter in Thüringen, was die Zahl der Flugbewegungen angehe. „Da kommt kein anderer Platz mit.“

Dass es bei der Zahl der Flugbewegungen zu solchen Schwankungen kommen kann, liegt auch daran, dass Jena-Schöngleina von den Piloten nur nach Sichtflugbedingungen angeflogen werden darf. „Tief hängende Wolken sind bereits ein Problem.“

Kuhnert hat sich deshalb das Ziel gesetzt, dass der Verkehrslandeplatz perspektivisch mit einem GPS-basierten Navigationsverfahren ausgestattet wird. „Nehmen wir als Beispiel die Organspendeflüge: Hier wäre es dann möglich, dass die Piloten auch bei schlechtem Wetter in Jena-Schöngleina mit ihren Maschinen starten und landen können.“ Allerdings habe man hier einen langwierigen Genehmigungsprozess zu bewältigen.

Neue Wetterstation wird gebaut

Vorerst steht für das laufende Jahre die weitere Modernisierung der vorhandenen Technik auf dem Programm. „Wir werden für unsere Piloten eine neue Wetterstation errichten, mit der exakt die Windrichtung und -stärke gemessen werden kann.“ Das Land fördere das Projekt, um die Sicherheit vor Ort weiter zu erhöhen. „Die alte Anlage entspricht nicht mehr den heute gültigen Vorschriften“, erklärt Kuhnert, der seit April 2013 Geschäftsführer des Verkehrslandeplatzes ist.

Letztlich geht es Kuhnert auch darum, den Flugplatz noch interessanter für Piloten, aber auch für potenzielle Investoren zu machen. So stehen für Unternehmen mehrere Hektar Land in unmittelbarer Nähe des Verkehrslandeplatzes für Ansiedlungen zur Verfügung, ein bestätigter Bebauungsplan liegt vor.

„Die Schwierigkeit, die Flächen zu vermarkten, besteht darin, dass es sich um Unternehmen handeln sollte, die einen Bezug zur Fliegerei haben.“ Man sei bereits mit der IHK Ostthüringen, aber auch mit der Wirtschaftsförderung in Jena und in Eisenberg im Gespräch.

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