Mehr als 3000 Besucher zu Gast in „Brehms Welt“ in Renthendorf

Renthendorf.  Die notgedrungene Schließzeit nutzen Jochen Süss und sein Team, um „konzentriert an den vielen Projekten zu arbeiten“.

Das aufwendig sanierte Brehm-Haus in Renthendorf.

Das aufwendig sanierte Brehm-Haus in Renthendorf.

Foto: Ute Flamich

Für „Brehms Welt“ gibt es keine Ausnahme: Das Museum in Renthendorf, das nach acht Jahren unermüdlicher Arbeit am 29. August 2020 wiedereröffnet wurde, hat seit dem 1. November vorübergehend geschlossen – zwangsläufig, aufgrund der von Bund und Ländern beschlossenen Corona-Regelungen.

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Nur die „Jungen Naturforscher“ dürfen sich nach wie vor einmal in der Woche für etwa eineinhalb Stunden am Museum treffen. Das museumspädagogische Angebot richtet sich an Kinder zwischen neun und zwölf Jahren. Spielerisch erlangen sie Kenntnisse über die Tier- und Pflanzenwelt und erfahren, wie diese geschützt werden kann.

Derzeit habe er noch keine Sorgen, was das Museum angeht, sagt Leiter Jochen Süss. Deshalb habe er – anders als beispielsweise das Keramikmuseum Bürgel und die Stiftung Leuchtenburg – auch noch keinen Antrag auf finanzielle Unterstützung aufgrund von Einnahmeausfällen durch Corona gestellt. „Sollten wir aber länger zubleiben müssen, dann würde ich mir richtig Sorgen machen“, ergänzt er. „Wenn wir am 1. Dezember wieder öffnen dürften, wäre das fantastisch. Auch Anfang Januar 2021 wäre noch machbar. Danach aber wird es problematisch, zumal wir im Haushalt 2021 zum Teil schon mit den zehnfach gestiegenen Einnahmen kalkulieren, die wir seit der Wiedereröffnung haben.“

Mehr als 3000 Besucher bisher zu Gast in „Brehms Welt – Tier und Menschen“

Doch er habe auch Gutes zu vermelden, sagt Jochen Süss. So seien beim Zuschließen des Museums Anfang November bereits mehr als 3000 Besucher vor Ort gewesen. Aufgrund des großen Interesses mussten die Wochenenden personell doppelt besetzt werden, um Kasse und Führungen durch die Ausstellung absichern zu können. „Das haben wir in den letzten Jahren noch nie gemacht. Mehr als 3000 Besucher in zwei Monaten ist allerdings auch ein Quantensprung für das Museum. In der alten Ausstellung waren im Jahr zwischen 1300 und 1600 Besucher.“

Die notgedrungene Schließzeit nutzen Jochen Süss und sein Team, um „konzentriert an den vielen Projekten zu arbeiten“. So zum Beispiel an den allerersten beiden Ausstellungen im Ausland.

Zwei Sonderausstellungen sollen Mitte 2021 in Nur-Sultan eröffnet werden

Im Nationalmuseum in Kasachstans Hauptstadt Nur-Sultan sollen in der ersten Junihälfte 2021 eine sehr aufwendige Sonderausstellung und eine weniger umfangreiche Wanderausstellung parallel zueinander eröffnet werden. Inhalt der Ausstellungen ist eine im Jahr 1876 durchgeführte Reise zur Erschließung von Kasachstan und Sibirien. „Bei der Reise ging es unter anderem um Handelswege, aber auch um andere ökonomische Fragen. Sie war hoch angebunden. Deshalb ist die Reisegruppe, zu der auch Alfred Brehm gehörte, von Kaiser Wilhelm I. in Berlin verabschiedet und in Moskau von Zar Alexander empfangen worden.“ Zu dieser Expedition eingeladen worden sei Brehm damals von dem Forschungsreisenden Otto Finsch sowie von Graf von Waldburg-Zeil. Wie Jochen Süss informiert sei das große Vorhaben letztlich völlig anders gelaufen als geplant. Statt beispielsweise mit harten ökonomischen Fakten, hätten die Teilnehmer zoologisch, botanisch, ethnologisch und ethnografisch gearbeitet. Aus den Informationen und mitgebrachten Reiseobjekten seien ein paar Jahre nach der Rückkehr mehrere große Ausstellungen in Deutschland gezeigt worden. Parallel zu diesem Auslandsprojekt soll die Reise auch in Renthendorf mit einer kleinen Sonderausstellung vorgestellt werden.

„Wir haben jetzt die Idee, die Reise in den Ausstellungen in Kasachstan nachzuvollziehen. Unterfüttern wollen wir sie mit aktuellen großformatigen Fotografien von den Orten, wie sie heute aussehen sowie von Land und Leuten. Natürlich wollen wir uns als Brehm-Museum in den Ausstellungen auch darstellen“, sagt Jochen Süss.

Museumsmitarbeiterin für acht Tage vor Ort im Nationalmuseum in Kasachstan

Heute wird eine Mitarbeiterin des Brehm-Museums für acht Tage nach Kasachstan fliegen, um die Honneurs zu machen und im Nationalmuseum, auf einer Fläche von mindestens 800 Quadratmetern, die wichtigsten technischen Fragen vor Ort zu klären. Finanziell und inhaltlich seien die Ausstellungen – unterstützt mit Geldern vom Auswärtigen Amt – „in trockenen Tüchern.“

Zu den weiteren Vorhaben des Brehm-Museums gehört zudem ein Buchprojekt mit dem Lemm-Verlag Gera. Ein kurzweiliges Buch in Deutsch, Englisch und Französisch mit vielen guten Bildern soll am Ende druckreif sein und auf der Leipziger Buchmesse 2021 erstmals erscheinen. Jochen Süss selbst wird in diesem Werk über die Sanierung des Brehm-Hauses und die neue Ausstellung „Brehms Welt“ schreiben. Zudem suche der Museumsleiter derzeit Bilder für eine Broschüre der Deutschen Stiftung Denkmalschutz heraus, die über den Brehm-Standort in Renthendorf berichten will. Auch habe er erst kürzlich bei der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) einen Antrag auf 100.000 Euro im Rahmen eines Sonderprogrammes abgegeben, um weitere Brehm-Bücher retten und restaurieren zu können.

Zahlreichen weiteren Projekten widmen sich Süss und seine Mitarbeiter, um in Renthendorf ein Brehm-Ensemble zu entwickeln. „Hier entsteht etwas, das es nicht überall gleich um die Ecke gibt“, sagt der Museumsleiter, immer in der Hoffnung, Besucher bald wieder vor Ort willkommen heißen zu können.