Mobiler Defibrillator hängt nun am Quirlaer Feuerwehrhaus

Quirla.  Vereine und Quirlaer Bürger haben für einen Defibrillator gesammelt, der jetzt am Feuerwehrhaus hängt und auch von Laien angewendet werden kann.

Mandy Schauerhammer (rechts) und Marion Müller (2. von rechts) zeigen gemeinsam mit anderen Akteuren den Defibrillator, der an der Wand des Feuerwehrgerätehauses in Quirla hängt.

Mandy Schauerhammer (rechts) und Marion Müller (2. von rechts) zeigen gemeinsam mit anderen Akteuren den Defibrillator, der an der Wand des Feuerwehrgerätehauses in Quirla hängt.

Foto: Frank Kalla

„Man weiß nie, ob man selber in die Lage kommt, Leben retten zu müssen“, sagt Dieter Beyer, der sichtlich froh ist, dass jetzt ein Automatisierter Externer Defibrillator (AED) in Quirla installiert wurde, mit dem Laien einen Menschen, der plötzlich einen Herzstillstand erlitten hat, das Leben retten können.

Beyer, der als Gemeindearbeiter in Quirla tätig ist, weiß, was es bedeutet, wenn wenige Minuten bis zur Ersten Hilfe darüber entschieden, ob man am Leben bleibt oder nicht. 2014 erlitt er zu Hause einen Herzinfarkt, seine Frau alarmierte die Rettung. Nur weil die Einsatzkräfte rechtzeitig vor Ort waren und man in Gera die richtige Diagnose stellte, überlebte der Gemeindearbeiter diesen „Angriff auf sein Herz“.

„Ich hatte Glück, es ging wirklich nur um wenige Minuten“, sagt er rückblickend. Gerade weil es bei einem Infarkt immer wenige Minuten seien, die zwischen Tod und Leben entscheiden würden, sei der mobile Defibrillator für Quirla so wichtig.

Spenden sammeln für das Gerät

Dass das Gerät nun am Feuerwehrgerätehaus des Stadtrodaer Ortsteiles hängt, ist der Quirlaerin Marion Müller sowie Mandy Schauerhammer und zahlreichen weiteren Akteuren zu verdanken. Marion Müller, die im Universitätsklinikum in Jena arbeitet, hatte in einem Vortrag von Anästhesist Thomas Fricke, der auch in der Arbeitsgruppe Reanimation tätig ist, erfahren, wie wichtig rasche Hilfe bei Herzrhythmusstörungen ist. Sie erarbeitete einen Flyer und warb gemeinsam mit dem Heimatverein um Spenden für den Kauf eines AED-Gerätes für den Ort.

Die Resonanz war immens, auch weil das Thema von Mandy Schauerhammer, die sich bereits erfolgreich für die Installation von mobilen Defibrillatoren in Stadtroda eingesetzt hat, in der Region immer wieder thematisiert wurde. Mit ins Boot nahm man auch CDU-Landtagsabgeordneten Stephan Tiesler, der wegen Lottogelder für den AED so lange beim Thüringer Sozialministerium nachbohrte, bis der Bewilligungsbescheid vorlag.

Am Anfang eines langen Weges

Laut einer Kleinen Anfrage von Tiesler an die Thüringer Landesregierung kamen 1755 Menschen im Jahr 2018 aufgrund eines akuten Herzinfarktes ums Leben, in den Vorjahren lag die Zahl der Sterbefälle auf einem ähnlich hohen Niveau. Zwar unterstützt das Gesundheitsministerium zahlreiche Präventionsmaßnahmen zum Thema Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie beispielsweise das Projekt „Bewegung und Begegnung im Quartier“ oder den Geraer Herztag, indes, bei der Frage, wie viele Automatisierte Externe Defibrillatoren für Ersthelfer in Thüringen zur Verfügung stehen, verweist man auf eine bereits 2015 erstellte Liste für öffentliche Gebäude, die sehr überschaubar ist.

Für Anästhesist Fricke, aber auch für Mandy Schauerhammer und Mario Müller ist die Zahl der öffentlichen zugänglichen Defibrillatoren immer noch viel zu gering. So macht sich Schauerhammer weiter dafür stark, das auch in Gemeinden wie Weißbach, Reichenbach, Tröbnitz, im Waldbad Wolfersdorf, im Hermsdorfer Globus oder an anderen Orten AED-Geräte installiert werden. „Wir sind erst am Anfang eines langen Weges“, sagt Schauerhammer.

Fricke indes ist als Intensivmediziner sicher, dass mehr Menschenleben gerettet werden können, wenn AED-Geräte flächendeckend zur Verfügung stehen. „Mit jeder Minute, bei der Hilfe unterbleibt, sinkt die Chance, einen Herzstillstand zu überleben.“