Neue Tapete für Brehms Wohnzimmer

Renthendorf.  Deutsche Stiftung Denkmalschutz sichert mit Fördervertrag die Rekonstruktion der Wandverkleidung

Jochen Süss (li), Leiter der Renthendorfer Brehm-Gedenkstätte, und Lars Ludwig, Ortskurator von der Stiftung Deutsche Denkmalschutz, zeigen ein sogenanntes Model und ein Stück alte Tapete. Dank einer Zuwendung in Höhe von fast 30.000 Euro können nun die restlichen Tapeten für das Brehm-Haus gedruckt und angebracht werden.  

Jochen Süss (li), Leiter der Renthendorfer Brehm-Gedenkstätte, und Lars Ludwig, Ortskurator von der Stiftung Deutsche Denkmalschutz, zeigen ein sogenanntes Model und ein Stück alte Tapete. Dank einer Zuwendung in Höhe von fast 30.000 Euro können nun die restlichen Tapeten für das Brehm-Haus gedruckt und angebracht werden.  

Foto: Frank Kalla

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Es waren nur Tapetenfragmente, die man bei der fast 7 Jahre währenden Sanierung der Brehm-Gedenkstätte in Renthendorf ans Tageslicht holte. Doch die wenigen Überbleibsel reichten den Restauratoren, um detailgetreue Kopien zu erstellen. Nunmehr können dank eines Fördervertrages der Deutsche Stiftung Denkmalschutz auch die restlichen drei Zimmer im Brehm-Haus mit sogenannten Leimdrucktapeten versehen werden, wie sie zu Brehms Lebzeiten an den Wänden klebten.

29.458 Euro überreichte Lars Ludwig, der Ortskurator der Deutsche Stiftung Denkmalschutz, jetzt Gedenkstättenleiter Jochen Süss in Renthendorf. Das Geld - Spenden, welche die Stiftung mit einer Geldauflage aufstockte - reicht aus, um nicht nur die sogenannten Models für den Tapetendruck, sondern auch die Herstellung der Tapeten zu finanzieren. Hergestellt werden die Models von Deutschlands letztem Formstechermeister Hans-Joachim Findte aus Mühlhausen. Wer die Tapeten - darunter eine überaus anspruchsvolle vier Farbtapete, die einst das Wohnzimmer verschönerte - einmal herstellen wird, entscheidet das Ergebnis einer Ausschreibung, wie Jochen Süss erklärte.

Dabei brennt Süss die Zeit unter den Nägeln. Zwar ist die 1,7 Millionen Euro teure Generalsanierung des Brehm-Hauses abgeschlossen, doch drei Zimmer müssen spätestens bis August nächsten Jahres noch mit den historischen Tapeten versehen werden. „Der August ist der Termin für die Eröffnung der Dauerausstellung“, so Süss. Aus der bisherigen Erfahrung - in anderen Zimmern wurden bereits die historischen Wandbemalungen beziehungsweise Tapeten wieder angebracht -, weiß der Gedenkstättenleiter, was für ein aufwändiger Prozess noch zu bewältigen ist. „Die Vier-Farbtapete ist eine Herausforderung, dei Tapete wird manuell bedruckt.“

Lars Ludwig, aber auch Holger Nowak, der Geschäftsführer des Museumsverbandes Thüringen e.V., zeigten sich von der Rekonstruktion des Brehm-Hauses sichtlich beeindruckt. „Eigentlich ist die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mehr im kirchlichen Bereich aktiv, aber das hier kann sich ebenfalls sehen lassen“, sagte Ludwig. Letztlich trage die partielle Förderung des Vorhabens durch die Stiftung auch dazu bei, einen ländlichen Bereich zu stärken. Die Gedenkstätte gehöre mit zu den 490 Projekten, welche die Stiftung allein in Thüringen habe fördern können.

Dass es sich bei den Tapetenresten, die man bei der Sanierung entdeckt hat, tatsächlich um jene Tapeten handelt, die zu Lebzeiten von Alfred Brehm an den Wänden klebten, ist nachweisbar. „Wir haben zufällig eine Zeitung auf dem Putz aus dem Jahr 1863 entdeckt“, erklärte Süss. Spätestens 1865 seien die Tapeten angebracht worden.

Respekt zollt Süss den Restauratoren. Diese hätten beispielsweise nachgewiesen, dass die heute grünen Muster auf den alten Tapetenresten eigentlich einmal blau gewesen seien. Die Verfärbung sei auf den Kalkmörtel zurückzuführen.

Dass es die Brehm-Gedenkstätte überhaupt gibt, ist Alfred Brehms jüngste Tochter Frieda Poeschmann zu verdanken. Sie widmete 1946 dem Leben und Werk des Großvaters und Vaters zwei Räume im Haus, die sie der Öffentlichkeit zugänglich machte. Dadurch gilt sie als Begründerin der Gedenkstätte. Ihr Neffe Hans-Renatur Brehm (1899-1964) übereignete das Gebäude 1952 mit dem gesamten Inventar und den Grabstätten der Familie der Gemeinde Renthendorf mit der Verpflichtung zur Pflege und Erhaltung. Dem haben sich mehrere Nachbargemeinden angeschlossen, als man kurz vor Sanierungsbeginn einen Zweckverband aus der Taufe hob.

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