Omas alten Schaukelstuhl in Gernewitz selbst reparieren

Gernewitz.  Michael Jakob zeigt im Denkmalhof Gernewitz, wie man alte Sitzmöbel vor dem Sperrmüll retten kann.

Marion Schöbel, Chefin des Gernewitzer Denkmalhofes, zeigt einen restaurierungsbedürftigen Stuhl mit Flechtwerk. 

Marion Schöbel, Chefin des Gernewitzer Denkmalhofes, zeigt einen restaurierungsbedürftigen Stuhl mit Flechtwerk. 

Foto: Frank Kalla

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Manche haben ihn zur Dekoration in einer Ecke des Flures stehen, andere hingegen haben Omas Sitzmöbel schon vor Jahren auf den Dachboden verbannt: Alte Stühle mit Sitzen aus Flechtwerk gibt es zwar noch in etlichen Haushalten, nur darauf sitzen mag keiner, weil meist die Angst zu groß ist, das Geflecht des alten Sitzmöbel vollends zu ruinieren. Schließlich ist eine Reparatur nicht nur teuer und geht leicht in den Bereich von 150 bis 200 Euro, sondern man findet kaum noch jemanden in seiner Region, der das Handwerk des Stuhlflechtens noch beherrscht.

Restaurator leitet Kurs

Dass man auch als Laie in der Lage sein kann, Omas Lieblings-Schaukelstuhl selbst zu reparieren, dies will Michael Jakob aus Frauenprießnitz Interessierten bei einem vier Abende dauernden Kurs „Stuhlflechten in Theorie und Praxis“ ab dem 21. Januar im Gernewitzer Denkmalhof beibringen. Jakob, der im Nebenerwerb die „Olle Scheune“ betreibt, hat langjährige Praxis im Stuhlflechten und ist auch nach dem Kurs für kurze Ratschläge erreichbar.

„Es lohnt sich auf alle Fälle, die vier Abende zu investieren“, sagt Marion Schöbel, Chefin der gemeinnützigen Gernewitzer Denkmalhof GmbH. Sie selbst hat immer wieder alte Stühle in der Vergangenheit erworben und weiß, dass man mit etwas Geschicklichkeit den alten Möbeln wieder neues Leben einhauchen kann. „Mit manchen Sitzmöbeln verbindet man ja auch eine ganz persönliche Geschichte: Sei es, dass der Schaukelstuhl noch von der Großmutter stammt oder aber einige der alten Stühle früher einmal, als man selbst noch Kind war, in der gute Stube standen“, sagt Schöbel.

Flechtwerkstuhl mitbringen

Mitzubringen sind zum Kurs, der 98 Euro pro Person kostet, ein Flechtwerkstuhl, eine Schere sowie Pinzette und Hammer. „Um das Flechtzeug kümmert sich Michael Jakob.“ Dass man für den neuen Kurs schon zahlreiche Anmeldungen hat, führt die Denkmalhof-Chefin unter anderem darauf zurück, dass die Reparatur der alten Stühle durch Profis - sofern man jemanden findet - immer teurer geworden ist. „Das notwendige Material kann noch jederzeit im Internet bestellen, die Preise sind aber immens gestiegen.“ Sollte jemand keinen alten Stuhl besitzen, aber Interesse an dem Kurs haben, so könne dieser auch im Denkmalhof preiswert einen alten Stuhl mit Korbgeflecht erwerben. „Daran sollte es nicht scheitern.“

Reparatur relativ einfach

Dabei lassen sich Stühle, die mit Binsen- oder Rohrgeflecht bespannt sind, wesentlich einfacher reparieren als jene, die aus einzelnen Rohrstreifen geflochten sind. „Letztlich geht es auch darum, uraltes Handwerkswissen weiterzugeben und so vor dem Vergessen zu bewahren“, benennt Schöbel einen weiteren Grund, warum der Denkmalhof seit über zwei Jahrzehnten Handwerker-Kurse für Laien, aber auch für erfahrene Bauleute anbietet.

Unter anderem werden neben dem Kurs „Stuhlflechten“ im ersten Halbjahr dieses Jahres Lehmbau-Seminare (Februar), ein Praxisseminar „Wandgestaltung mit Lehm“ (April), ein Fachwerkseminar für Zimmerer (Mai) sowie ein Praxisseminar Backofenbau angeboten. Mehr Infos: www.denkmalhofgernewitz.de

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