Netkom kauft ein

Schlöben trennt sich von Glasfasernetz

Schlöben  Thüringer Netkom mit Sitz in Weimar erwirbt acht Kilometer langes Netz von Gemeinde und sichert den weiteren Ausbau zu.

TNK-Geschäftsführer Hendrik Westendorff (li.) und Schlöbens Bürgermeister Hans-Peter Perschke zeigen die unterschriebenen Kaufverträge für das Glasfasernetz. 

TNK-Geschäftsführer Hendrik Westendorff (li.) und Schlöbens Bürgermeister Hans-Peter Perschke zeigen die unterschriebenen Kaufverträge für das Glasfasernetz. 

Foto: Frank Kalla

Schlöben Es ist ein für beide Seiten lohnendes Geschäft, wie man es mehrfach bei der Vertragsunterzeichnung im Schlöbener Familienzentrum betonte: Mit dem Verkauf des bislang gemeindeeigenen Glasfasernetzes durch das Bioenergiedorf Schlöben an die Thüringer Netkom (TNK) isst das Dorf nicht nur die Verantwortung als Netzbetreiber los, sondern bekommt durch den Verkauf auch rund 160.000 Euro in die Gemeindekasse gespült. Umgekehrt wird Netkom Eigentümer eines gut ausgebauten Glasfasernetzes, an dem bereits 146 Haushalte und Unternehmen angeschlossen sind und das Potenzial für weitere Kunden bietet.

„Das Netz ist für hohe Übertragungsgeschwindigkeiten vorbereitet. Wir haben es hier mit einem Netz der Zukunft zu tun“, freute sich TNK-Geschäftsführer Hendrik Westendorff. Zwar verfügt sein Unternehmen aktuell bereits über ein hochmodernes Glasfasernetz in Thüringen mit einer Gesamtlänge von 5900 Kilometern und betreibt damit nach der Deutschen Telekom das zweitgrößte Netz dieser Art im Freistaat. Allerdings, so betonte Westendorff, sei es nicht häufig, dass wie hier in Schlöben ein ganzer Ort über ein acht Kilometer langes Glasfasernetz verfüge. Der TNK-Geschäftsführer sicherte zu, auch in Zukunft dafür Sorge zu tragen, dass in Schlöben leistungsstarke Breitbandverbindungen stabil zur Verfügung stehen. Bei wachsendem Bedarf werde man weiter in das Netz investieren und es ausbauen. Unter anderem ist die Netzerweiterung im Ortsteil Mennewitz geplant. Netkom war bereits vor dem Kauf, der zum 1. Dezember dieses Jahres wirksam wird, über lange Jahre in Schlöben Netzbetreiber und Pächter. Aktuell liegen Breitbandanschlüsse von mindestens 25 Mbit/Sekunde und mehr an.

Errichtet worden war das Glasfasernetz in der Gemeinde im Zuge der Errichtung des Nahwärmenetzes der Bürgerenergiegenossenschaft Schlöben. Damals hielt man es für sinnvoll, parallel zum Ausbau des Fernwärmenetzes ein flächendeckendes Glasfasernetz zu verlegen. 575.000 Euro kostete der Aufbau des Netzes, ein Großteil der Investition wurde über Fördermittel des Bundes realisiert. Perschke stellte klar, dass der Verkauf rechtlich auf sicheren Füßen stehe. Die Fördermittelbindung sei ausgelaufen, von Netkom erhalte man nur die Summe, die Schlöben damals selbst investiert hat.

Perschke sieht im Verkauf des Glasfasernetzes auch eine Stärkung der kommunalen Familie. Da die Netkom ein kommunales Unternehmen sei, an dem die Gemeinde über ihre Beteiligung an der TEAG Thüringer Energie AG selbst Anteile hat, stärke der Verkauf das Unternehmen. Netkom ist der Telekommunikationsdienstleister der TEAG, das ihr gehörende Netz dient nicht nur zur Überwachung und Steuerung des Strom- und Erdgasnetzes im Freistaat, sondern wird zunehmend zur schnellen Datenübertragung auch von Internet-Anbietern, Unternehmen sowie auch Privatkunden genutzt.

Matthias Klippel, Vorsitzender des Agrarunternehmens „Wöllmisse“ Schlöben, kann sich ein Wirtschaften ohne schnelles Internet nicht vorstellen. So sind die Stallanlagen in Mennewitz an das Glasfasernetz von Schlöben angebunden. Auch als Betreiber der Biogasanlage, die ebenfalls in Mennewitz steht, ist man auf einen leistungsfähigen Breitbandanschluss angewiesen. „Die Online-Datenübertragung ist in unserem Alltag nicht mehr wegzudenken“, so Klippel.

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