Schweinehalter im Saale-Holzland wappnen sich gegen ASP

Schöngleina.  Nach Gut Thiemendorf wird nun auch die Ferkelaufzuchtanlage in Schöngleina so sicher vor Seuchen wie nur möglich ausgebaut.

Peter Fuglsang, Betriebsleiter von Gut Thiemendorf, zeigt am Zaun der Ferkel-Aufzuchtanlage in Schöngleina einen sogenannten Untergrabeschutz, der es Wildschweinen unmöglich machen soll, in das Gelände zu gelangen.

Peter Fuglsang, Betriebsleiter von Gut Thiemendorf, zeigt am Zaun der Ferkel-Aufzuchtanlage in Schöngleina einen sogenannten Untergrabeschutz, der es Wildschweinen unmöglich machen soll, in das Gelände zu gelangen.

Foto: Foto: Frank Kalla

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Die Gefahr rückt immer näher: Nachdem am 22. Januar eine mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) infizierte tote Wildsau auf polnischem Gebiet nur 12 Kilometer von der deutschen Grenze entdeckt wurde, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es einen Ausbruch von ASP in Deutschland geben könnte, weiter gestiegen. Auch das Saale-Holzland wappnet sich.

Wie ernst die Situation ist, zeigt sich auch in Griechenland: Obwohl man dort vielfältigste Maßnahmen ergriffen hat, um ein Überschwappen der Seuche aus Bulgarien zu verhindern, entpuppte sich die Vorsorge als wirkungslos: Am 7. Februar meldete Griechenland offiziell einen ersten Fall der Afrikanischen Schweinepest im Nordosten des Landes in der Region Serres.

Es sind Nachrichten wie diese, die Peter Fuglsang, Betriebsleiter von Gut Thiemendorf, Sorgenfalten auf die Stirn zeichnen. Nachdem man in Thiemendorf die Schutzmaßnahmen gegen ein Einschleppen von ASP auf das Betriebsgelände verstärkte, ist man seit einigen Monaten auch auf Gut Schöngleina, wo die große Ferkelaufzuchtanlage des Unternehmens steht, dabei, noch mehr Vorsorge gegen die Afrikanische Schweinepest zu treffen.

Viele Wildsauen auf der Wöllmisse

„ASP ist kein Witz, die Sterblichkeitsrate bei Schweinen liegt bei nahezu 100 Prozent“, sagt Fuglsang, den auch die Sorge umtreibt, dass Wildschwein-Rotten vom Landschaftsschutzgebiet Wöllmisse auf das Gelände von Gut Schöngleina eindringen könnten.

Aus diesem Grund hat man in den vergangenen Monaten zwischen den Zaunsäulen auf einer Länge von mehreren hundert Metern einen sogenannten Untergrabeschutz in die Erde eingelassen. Konkret handelt es sich um Bordsteinkanten aus Beton, die Wildsauen davon abhalten sollen, sich unter dem Zaun durch das Erdreich zu wühlen.

„Es gibt sehr viele Wildsauen auf der Wöllmisse“, sagt Fuglsang, der selbst in seiner Freizeit Jäger ist, und zeigt auf eine nur knapp 50 Meter vom Zaun entfernte Stelle, die von Wildschweinen regelrecht umgeackert wurde. „Es gab im vergangenen Jahr keine Eichelmast, die Tiere sind auf der Suche nach Mäusegelegen, Wurzeln und anderem Fressen.“

Zudem wurde der gesamte Zaun auf einer Länge von rund einem Kilometer erneuert. „Wir sprechen hier von mehreren 10.000 Euro, die wir in den Schutz der Anlage investiert haben.“ Geplant seien auch neue Tore, man wolle das Gelände gründlich abriegeln.

Größte Gefahr ist der Mensch

Mehr noch als eine Übertragung von ASP von möglicherweise infizierten Wildschweinen auf den Ferkelbestand in Schöngleina ist aus Sicht von Fuglsang eine Ansteckung des Bestandes durch den Menschen gegeben. „Das Virus an sich ist ja nicht in der Lage sich selbstständig zu bewegen. Die größte Gefahr geht meiner Meinung nach von infizierten Nahrungsmitteln aus, in denen das Virus steckt.“

Konkret heißt das, dass infizierte Schweine zu Wurst, Schrinken oder anderen Lebensmitteln verarbeitet wurden. Zwar kann sich der Mensch nicht mit ASP anstecken: Gelangen aber Reste der Nahrungsmittel in die Umwelt oder in Mastanlagen, können diese von Schweinen gefressen werden, die sich dann infizieren. „In Mecklenburg-Vorpommern hat man das Virus lebensfähig in bis zu acht Jahre alten Konserven mit Schweinefleisch entdeckt.“

Zudem kann das Virus auch über Blut- oder verseuchte Erdanhaftungen an Schuhen oder Fahrzeugreifen eingeschleppt werden. Für das Unternehmen ist dies ein weiteres Problem. Werden Ferkel von Schöngleina zur weiteren Mast auf fremde Transporter verladen, findet zwischen der Aufzuchtanlage und dem Transporter unweigerlich ein Kontakt statt.

„Wir werden die Logistik im Gut Schöngleina deshalb umstellen. So werden die Lkw künftig nur noch eine Umladestation im Firmengelände anfahren“, erklärt der Betriebsleiter. Mit eigenen Transportern sollen die vom Ferkel zu inzwischen 28 Kilogramm herangewachsenen Läufer aus den Ställen zur Station gebracht und dort verladen werden. „Damit fällt ein Kontakt zu den Ställen aus“, sagt der 45-Jährige.

Ernstfall würde zum Kollaps führen

Fuglsang hofft, dass es nicht zu einem Ausbruch von ASP im Saale-Holzland kommt. Sollte der Fall eintreten und beispielsweise Gut Thiemendorf zum Bestandteil eines Sperrgebietes werden, wären die Konsequenzen immens. „Es dürften keine Tiere mehr an andere Standorte gebracht werden. Das heißt, wir könnten von Thiemendorf keine Ferkel mehr nach Schöngleina bringen. Innerhalb kurzer Zeit hätten wir ein großes Problem. Man kann ja nicht einfach sagen, jetzt gibt es keine Ferkel mehr, sondern wir müssten in der Endkonsequenz die Ferkel in Thiemendorf töten, weil wir sie am Standort nicht groß ziehen können. Das will keiner unserer Mitarbeiter und ich erleben.“

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