Stadtroda will der Faust-Stadt Knittlingen Konkurrenz machen

Stadtroda.  Erstmals sollen in der Klosterruine Faust-Festspiele stattfinden. Der Sage nach wurde der Alchemist in Roda geboren.

Jens Martin als Faust und Hans-Peter Hansmann als Teufel sind die Hauptdarsteller bei den Faust-Festspielen, welche die Rod'schen Querschläger im Juli 2020 in der Ruine des Klosters Roda ausrichten werden. 

Jens Martin als Faust und Hans-Peter Hansmann als Teufel sind die Hauptdarsteller bei den Faust-Festspielen, welche die Rod'schen Querschläger im Juli 2020 in der Ruine des Klosters Roda ausrichten werden. 

Foto: Frank Kalla

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Dem vor knapp zwei Jahren verstorbenen Buchautor Werner Gutjahr würde es gewiss freuen, was jetzt die Theatergruppe „Die Rod’schen Querschläger“ ankündigten: Am 4. Juli sollen erstmals in der Klosterruine von Roda die Faust-Festspiele ausgetragen werden. „Die Festspiele sollen ein dauerhaftes Event werden und alle zwei Jahre stattfinden“, kündigte Hans-Peter Hansmann von den Querschlägern an. Zu Lebzeiten hatte sich Gutjahr vehement dafür eingesetzt, dass Stadtroda mehr mit dem berühmten Doktor Faust hausiert, der angeblich in Roda geboren worden sein soll. Auf seine Initiative hin wurde unter anderem vor einigen Jahren ein großes Plakat an der Stelle in der Innenstadt installiert, wo einstmals Johann Georg Fausts Geburtshaus gestanden haben soll.

Knittlingen verweist auf Urkunde

Mit den Festspielen wagen es die Stadtrodaer, den Kampf mit der Fauststadt Knittlingen bei Pforzheim aufzunehmen. Die Knittlinger nehmen für sich in Anspruch, dass der insbesondere als literarische Figur in Johann Wolfgang Goethes Tragödie „Faust“ weltweit bekannt gewordene Johann Faustus um 1480 in ihrer Stadt geboren wurde. Als Beweis können die Knittlinger indes nur eine Abschrift eines Kaufvertrages präsentieren. Und natürlich gibt es da noch Helmstadt bei Heidelberg, die ihn bereits 1466/67 in den Stadtmauern von Helmstadt als Georg Helmstetter das Licht der Welt erblicken lassen.

Stadtroda beruft sich auf „Historia“

Stadtroda indes beruft sich auf die 1587 vom Buchdrucker Johann Spies veröffentlichte „Historia von D. Johann Fausten“, in der steht, dass „Doctor Faustus ist eines Bauwern Sohn gewest zu Roda bey Weimar bürtig.“ Und es gibt noch mehr: So soll das Geburtshaus des Stadtrodaer Faust zuerst auf einer Messe in Leipzig gezeigt worden sein. 1921 wollte man es zu einer Weltausstellung in Chicago präsentieren. Dort kam es aber nie an, Quellen, wo das alte Gebälk verblieben ist, sind nicht bekannt.

Nun sollen die Festspiele ein wenig vom Glanz der Faust-Gestalt nach Stadtroda lenken. Stoff, die Sage nach Rodscher Art weiter zu schreiben und zu interpretieren, bietet der Zauberer und Schwarzkünstler genug. Als Faust 1540 im „Hotel zum Löwen“ in Staufen bei einer Explosion - vermutlich ausgelöst durch ein Experiment - zu Tode kam, hieß es in der „Historia“: „Das Hirn klebte an der Wandt, weil jn der Teuffel von einer Wandt zur andern geschlagen hatte.“

Lustig angelegtes Theaterstück

Hansmann will in seinem Faust-Theaterstück für die Festspiele - das er aus den bereits aufgeführten Stücken „Der Rodsche - der wahre Faust“ und „Das verhängnisvolle Buch“ neu zusammengefasst hat, nicht gleich Hirnmasse durch die Gegend spritzen lassen, sondern den Zuschauern in einer lustig angelegten Aufführung Faust und seinem mit dem Teufel geschlossenen Pakt nahebringen. Die Klosterruine ist dabei aus Sicht der „Rod’schen Querschläger“ die ideale Kulisse für das Theaterstück.

Mittelalterliches Flair

Beim Theater soll es aber bei den Festspielen nicht bleiben. So möchte man mittelalterliches Flair in die Veranstaltung bringen, Schmiede, Alchemisten, Töpfer oder Imker sollen präsent sein. Zudem haben die Querschläger bereits weitere Akteure und Vereine ins Boot geholt. Der Stadtrodaer Männervolkschor plant Auftritte, „Die Band“ um Jonas Möbius ist dabei, die „Möhrenschaber“ haben Interesse am Mitmachen angemeldet, der Frauenchor will sich noch entscheiden. Mit weiteren Akteuren ist man im Gespräch. „Wir wollen eine lebendige Faust-Geschichte mit regionalen Akteuren erzählen“, sagt Bürgermeister Klaus Hempel, der unter anderem das Agrarunternehmen „Wöllmisse“ oder die Volks- und Raiffeisenbank „Hermsdorfer Kreuz“ als Sponsoren für die Festspiele gewinnen konnte.

Eigene Faust-Skulptur im Gespräch

Flankiert werden soll der Weg Stadtrodas hin zur neuen Fauststadt unter anderem durch das Aufstellen einer Faust-Skulptur, der Eröffnung des von Werner Gutjahr angeregten Faustweges, einer speziellen Edition zum 710-jährigen Bestehen des Klosterbräus oder der Herausgabe von Silbermedaillen zum Thema Faust und Stadtroda.

Weil nur der wahrgenommen wird, der gehörig klappert, haben die Rodschen zudem eine Einladung an Thüringens Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linke) geschickt. „Natürlich wissen wir noch nicht, ob er kommt, aber einen Versuch ist es wert“, sagt Hansmann, der 2016 mit weiteren Akteuren den Grundstein für die Theatergruppe „Die Rod’schen Querschläger“ legte.

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