Ideenaustausch

Stadtrodaer Holzhaus weckt das Interesse aus dem Irak

Stadtroda.  Rayan Abdullah ist auf der Suche nach innovativen Ideen, die man möglicherweise auch in seinem Land umsetzen kann.

Rainer Otto (links)  und Professor Rayan Abdullah (2. von links) diskutieren vor dem von der Stadtrodaer Wohnungsbaugesellschaft errichteten Holzhaus mit Zimmermeister Steffen Ehrlich (Mitte), Stadtwerke-Chef Ralph Grillitsch und IBA-Geschäftsführer Jens Fische (rechts.) über ressourcenschonendes Bauen.

Rainer Otto (links) und Professor Rayan Abdullah (2. von links) diskutieren vor dem von der Stadtrodaer Wohnungsbaugesellschaft errichteten Holzhaus mit Zimmermeister Steffen Ehrlich (Mitte), Stadtwerke-Chef Ralph Grillitsch und IBA-Geschäftsführer Jens Fische (rechts.) über ressourcenschonendes Bauen.

Foto: Frank Kalla

Es ist nicht nur die in Deutschland massiv vorangetriebene Energiewende, sondern auch diese kleinen Lösungen, die ökologisches Bauen und erneuerbare Energien verknüpfen, die das Interesse von Rayan Abdullah, Geschäftsführer der Agentur „Markenbau“, und Rainer Otto, ehemaliger Chef der Stadtwerke Erfurt, wecken und die beide jetzt nach Stadtroda führten. Dort entsteht derzeit im Amselweg 41 im Auftrag der Stadtrodaer Wohnungsbaugesellschaft ein komplettes Holzhaus, auf dessen Dach noch eine 10-kW-Photovoltaikanlage für die Eigenversorgung mit Strom installiert wurde.

Beide Unternehmer sind sogenannte Ideensucher. Sie schauen, ob man intelligente Lösungen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien aus Deutschland auch partiell im Irak umsetzen kann. Auf die Idee sei man gekommen, als man mehrere Energiegespräche organisiert hatte und auch in Kontakt mit Mohammed Shakir, dem Chef des Zentrums für regenerative Energien in Bagdad, gekommen war, erklärte Otto. Mittlerweile ist er Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Vi-Strategie in Erfurt. „Das Zentrum für regenerative Energien ist wie eine Art spezialisierte IHK, die für 26.000 Unternehmen verantwortlich ist“, so Otto. Mohammed Shakir habe großes Interesse, das Thema der erneuerbaren Energien in seinem Land voranzutreiben.

Wasserstoff als Energieträger der Zukunft

Den Irakern geht es um große und kleine Lösungen. So sollen in Bagdad Demonstrations-Windkraftanlagen errichtet werden. Und man will Unternehmen an die erneuerbaren Energien intensiver heranführen. „Wir wollen in Bagdad Beispiele zeigen, was mit erneuerbaren Energien alles möglich ist“, erläuterte Otto. „Die Ölreserven sind endlich, im arabischen Raum blickt man verstärkt auf Wasserstoff als neuen Energieträger der Zukunft.“ So könne man ja Wasserstoff beispielsweise in Größenordnungen über regenerative Energien gewinnen.

Deshalb ist für Rayan Abdullah auch das Holzhaus mit der Photovoltaikanlage auf dem Dach in Stadtroda von Interesse. Da wären zum einen energieautarke Lösungen, zum anderen könnte man bei einer Bündelung solcher Inseln ja womöglich so viel überschüssige Energie haben, dass man diese für die Herstellung von Wasserstoff verwendet.

„Der Irak ist ein sehr großes Land. Dezentrale Lösungen für die Energieversorgung sind deshalb automatisch von Interesse“, sagt Ralph Grillitsch, Geschäftsführer der Stadtwerke Stadtroda und der Wohnungsbaugesellschaft. Sicherlich werde man nicht im Irak aktiv werden, aber der gegenseitige Gedankenaustausch oder die Vorstellung von auf den Irak zugeschnittenen Lösungen könnten auch für die Stadtwerke wichtige Impulse geben.

Holzhäuser gibt es auch im Irak

Doch was kann man an Wissen über ein Holzhaus mit in den Irak nehmen, wo es im Zweistromland so gut wie keine Bäume gibt? Rayan Abdullah, huscht ein Lächeln über das Gesicht. Der Iraker, der an der Hochschule der Künste Berlin Kulturpädagogik und Visuelle Kommunikation studiert hat und dessen Forschungsschwerpunkte im Bereich der arabischen Schrift, Kalligrafie und Typografie liegen, nennt nur eine Zahl: 79 Millionen Dattelpalmen. Holz gebe es in seinem Land genug, wenngleich die Amerikaner an einigen Orten den Baumbestand im Krieg drastisch reduziert hätten. Und neu seien Häuser aus Holz auch nicht im Zweistromland. Man wisse sehr wohl die Vorteile der Eindeckung von Häusern mit Palmwedeln zu schätzen.

Rayan Abdullah hält sich aber nicht an Traditionen fest, beispielsweise, dass man früher vor den Häusern dicht an der Wand Palmen stehen hatte. Diese sorgten mit dem wenigen Wassertropfen, die sich nachts an den Wedeln ablagerten, dafür, dass eine erfrischende Brise durch das Haus wehte. „Man muss den Zeitgeist berücksichtigen und neue Lösungen finden“, meint er mit Blick auf die Gluthitze von 50 Grad Celsius am Tag. Ihm gehe es auch darum, die Zeitschiene zu verkürzen und das Land schneller auf eine neue Ebene zu stellen. „Wir bauen beide Brücken“, verwies er auf Rainer Otto und sich.

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