Stadtwald von Stadtroda wird zum Kostenfaktor

Stadtroda.  Zusätzliches Geld kann die klamme Kommune über Holzverkäufe wohl in den kommenden Jahren nicht mehr erzielen.

Blick auf das Waldstück Lohmholz, das sich im Besitz der Stadt Stadtroda befindet. Wider erwarten geht es dem kommunalen Wald besser als gedacht, so Revierförster Phillip Vogel. Geld lässt sich allerdings nicht mit Wald verdienen.

Blick auf das Waldstück Lohmholz, das sich im Besitz der Stadt Stadtroda befindet. Wider erwarten geht es dem kommunalen Wald besser als gedacht, so Revierförster Phillip Vogel. Geld lässt sich allerdings nicht mit Wald verdienen.

Foto: Frank Kalla

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Braune Kronen von stämmigen Kiefern, wie man sie bei Zöllnitz oder Laasdorf im Wald sehen kann, findet man im Kommunalwald von Stadtroda kaum. Auch sonst zeigt sich der Baumbestand noch in einem ziemlich robusten Zustand. „Es gibt andere Regionen, wo es um den Zustand des Waldes viel schlimmer bestellt ist“, sagt Phillip Vogel, der Quirlaer Revierförster, der sich auch über einen Beförsterungsvertrag um die Stadtroda gehörenden Waldflächen kümmert.

126 Hektar Wald, der großteils wie ein Ring um die Stadt liegt, gehören der Kommune, hauptsächlich stehen Kiefern und Fichten (60 beziehungsweise 18 Prozent des Gesamtbestandes) auf den Flächen, gefolgt von Eichen (9 Prozent) oder der Lärche (5 Prozent). „Stadtroda hat eine lukrative Waldfläche“, sagt der Revierförster. Bei geschätzten 8000 bis 10.000 Euro pro Hektar, die derzeit für Wald gezahlt werden, hat die Stadt eine stille Reserve von über eine Million Euro, wenngleich der Freistaat dem Verkauf von kommunalen Wald aus finanziellen Nöten mehr oder weniger einen Riegel vorgeschoben hat.

Holzeinschlag mit Verlust

Trotzdem: Die Zeiten, in denen man bescheidene Erlöse aus dem Wald erwirtschaftete, gehören in Stadtroda der Vergangenheit an. Seit 2018 ließ der Revierförster kein Holz mehr einschlagen, später eingeschlagenes Käfer- oder Sturmholz - 2018/19 fielen insgesamt rund 600 Festmeter an - konnte Vogel noch gerade so gewinnbringend vermarkten. Für dieses Jahr sehen die Aussichten allerdings trüb aus. „Der Holzmarkt ist am Boden“, sagt der Förster. Die 200 Festmeter, die er im Bereich Walkmühle und aus dem Lohmholz herausholen müsse, würden nach derzeitigem Stand mit einem Verlust von 10.000 Euro zu Buche schlagen.

Grund ist, dass die Aufarbeitung des Holzes teurer ist als die Erlöse. So ist der Markt derzeit mit Holz für die Papierherstellung regelrecht geflutet. „Das braucht zur Zeit kein Mensch mehr.“ Zwar könne man für Käferholz noch 30 Euro pro Festmeter erzielen. „Die Aufarbeitung des Holzes, gerade wenn die Arbeiten bei der Walkmühle am Hang stattfinden, kostet aber 35 Euro den Festmeter.“

Ruhe bewahren beim Waldumbau

Derzeit sei schwer vorhersehbar, wie es mit dem Stadtrodaer Stadtwald in der Zukunft bestellt sei. Klar sei, dass anhaltende Trockenheit und Schädlingsbefall den Bäumen weiter zusetzen könnten. Panik sei aber fehl am Platze. „Man muss Ruhe bewahren und weiterhin zielgerichtet Mischbaumarten in die Bestände bringen“, sagt Vogel. Positiv aus seiner Sicht ist, dass bereits seine Vorgänger intensiv den Waldumbau in der Region vorangetrieben hätten. Zudem dürfe man nicht außer Acht lassen, dass eine natürliche Waldverjüngung stattfinde. Auf Schadflächen, wo sich ein neuer Wald etabliere, sei deshalb eine Schwerpunktjagd unumgänglich, um Verbissschäden durch Wild zu reduzieren. „Die nächste Waldgeneration ist schon da, man muss sie nur schützen.“

Wald Lebensgrundlage für Menschen

Der Wald, so Vogel, sei schließlich für alle die Lebensgrundlage. Er sei Wasserspeicher, sorge für saubere Luft, er binde CO2. „Natürlich darf Wald auch etwas kosten. Wald ist einfach mehr als ein Wirtschaftsfaktor.“

Dass man auch ohne Wiederaufforstung in Zukunft einen robusten, naturnahen Mischwald in der Region haben werde, davon ist der Revierförster felsenfest überzeugt. Als Beispiel führt er unter anderem das durch einen verheerenden Tornado zerstörte Waldstück bei Quirla an. Nachdem die dortigen Flächen vom Sturmholz beräumt worden waren, wurden an der einen Seite des Hanges wieder Bäume angepflanzt, auf der anderen Hangseite überließ man die Fläche der Natur. „Dort steht inzwischen ein neuer Wald.“

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