Tagesmütter aus dem Saale-Holzland-Kreis setzen Bildungsplan um

Jeder hat mal klein angefangen, auch Tagesmütter. Kerstin Birkner aus Kahla zum Beispiel. Mit drei Krabbeldecken und einem Kind startete sie vor acht Jahren. Heute betreut sie fünf Kleinkinder und hat es noch nie bereut, sich in der Kindertagespflege selbstständig gemacht zu haben.

Tagesmütter Hermine Gall aus Trockenborn (li) und Sabine Wenig aus Stadtroda.

Tagesmütter Hermine Gall aus Trockenborn (li) und Sabine Wenig aus Stadtroda.

Foto: zgt

Eisenberg. Jeder fängt mal klein an - so hatte Frau Birkner mit Blick auf die von ihr betJeder fängt mal klein an – so hatte Frau Birkner mit Blick auf die von ihr betreuten Kleinkinder und auf sich selbst ihre Präsentation überschrieben, mit der sie am Sonnabend im kleinen Sitzungszimmer des Landratsamtes darlegte, wie sie sich und ihre im privaten Wohnhaus untergebrachte Betreuungsstätte entwickelt hatben.

Zugehört haben ihr Kolleginnen. Der Einladung des Jugendamtes, vertreten durch die für Tagespflege zuständigen Mitarbeiterinnen Tanja Klonz und Doreen Hoffman, waren außer Kerstin Birkner noch Hermine Gall aus Trockhausen, Kerstin Fritzsche und Ute Hanel aus Hermsdorf, Anneliese Eckart aus Nickelsdorf, Sabine Wenig aus Stadtroda, Gitta Gebhardt aus Rödigen und Gudrun Straube aus Altenberga gefolgt.

Mit in der Runde war Dorothea Anbau, Mediatorin für den Thüringer Bildungsplan. Der soll Qualität und Professionalität in der frühkindlichen Bildung, gemeint sind Kinder bis zum Alter von zehn Jahren, fördern. Es geht um die noch bessere Verzahnung des frühkindlichen Bereiches mit dem Kindergarten, der Grundschule oder gegebenenfalls auch mit der Förderschule.

Das fange bei den ganz Kleinen an, erläutert Dorothea Anbau, dass genau wie in den Kindertagesstätten auch bei den Tagesmüttern die Konzeptionen den neuen Anforderungen angepasst werden müssen.

Die erstmals organisierte "Tagesmütter-Messe" war folgerichtig weniger Selbstdarstellung als vielmehr Erfahrungsaustausch. So legte Sabine Wenig dar, dass sie auf die Persönlichkeit der Kinder setzt, die bei Einjährigen stärker ausgeprägt sei, als landläufig angenommen. Sie lasse die Kinder viel selbst machen, Zähne putzen und eincremen oder Obst schneiden, dass verleihe Selbstbewusstsein. Sehr viel steuere sie über Bewegungsspiele, in denen sich sprachliche, motorische und musikalische Bildung wunderbar vereinen lassen.

Auf ein Konzept in Schriftform, wie es Frau Wenig zur Einsicht herumreichte, hatte Gudrun Straube verzichtet. Sie hatte ihre Schützlinge, den eineinhalbjährigen Tim, die eindreivierteljährige Hanna, die einjährige Elise und die erst ein halbes Jahr alte Roxane einfach mal sehr bewusst beobachtet und den Tagesablauf in der Gemeinschaft sowie die Verhaltensweisen der Kinder genau protokolliert. Ein Ansatz, der die allgemeine Tagesmutter-Erfahrung bestätigte: Die Kinder zeigen deutlich, was sie zu welchem Zeitpunkt brauchen.

Anders als die meisten in der Runde, war Frau Straube keine gelernte Erzieherin, als sie vor zehn Jahren den Bürojob bei Zeiss in Jena aufgab und Tagesmutter wurde, zunächst für das eigene Enkelkind. Sie erwarb die nötige Qualifikation, betreute bald auch fremde Kinder. Heute sagt die 58-Jährige: Ich habe gefunden, was mir wirklich liegt und hoffe, das ich diese Arbeit noch lange machen kann.