Vor 30 Jahren: Startschuss für die Electronic Stadtroda GmbH

Stadtroda.  Das war eine richtige Entscheidung: Günther Diete schaut auf den 27. Juni 1990 zurück. An diesem Tag wurde der Startschuss der Electronic Stadtroda GmbH bei der Notarin besiegelt

Günther Diete.

Günther Diete.

Foto: Jens Henning

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

„Es war eine irre, eine verrückte Zeit“, sagte Günther Diete. Bis März 2020 war er Mit-Geschäftsführer bei der Electronic Stadtroda. Seit dem 1. April ist er „nur noch“ in beratender Funktion tätig. Heute vor 30 Jahren war er mit dabei, als im ehemaligen Gerichtsgebäude am Bahnhof in Stadtroda der Gesellschaftervertrag unterschrieben wurde für die Gründung der Electronic Stadtroda GmbH.

Dieser 27. Juni 1990 war ein Mittwoch. Da ermöglichten die elf Gesellschafter mit ihrer Unterschrift bei der Notarin Edelgard Juskat den Startschuss in eine neue Zeitrechnung. „Davor waren wir eine PGH. Mit der anstehenden Währungsunion am 1. Juli wollten wir den Neustart bei uns einläuten. Das haben wir geschafft. Ein Wermutstropfen waren die Entlassungen, die es damals gab. Die haben weh getan“, sagte Diete.

Zahl der Gesellschafter hat sichmittlerweile verringert

Im April 1990 besuchte er auf Empfehlung der Industrie- und Handelskammer in Gera und der Industrie- und Handelskammer für Oberfranken Bayreuth einen Geschäftsmann in Bayreuth. Mit einem Barkas B 1000 fuhr er von Stadtroda nach Bayreuth zu Siegfried Baumann, der auch in der Elektronik-Branche tätig war und ist. „Ich habe mir angehört, was er uns empfehlen würde und nach der Rückkehr in Stadtroda haben wir es durchgezogen. Er hatte mich motiviert. Er war sich sicher, dass es in den neuen Bundesländern einen Boom geben wird“, sagte Diete. Mit Baumann hat Günther Diete noch heute einen sehr guten Kontakt, genau wie mit dem Steuerberater Hubert Grünbaum, auch aus Bayreuth. „Wir hatten sicher Glück mit unseren Partnern aus dem Westen. Wir wurden ernst genommen. Man hat uns von Anfang an akzeptiert“, sagte Diete. Wenn es den Corona-Virus nicht gegeben hätte, wären die Beiden sicher zur Feier heute nach Stadtroda gekommen. „Wir werden die Feier zum Jubiläum mit unserer Belegschaft und unserer Stammkundschaft auf jeden Fall nachholen, wenn es wieder möglich ist.“

Die Anfangsjahre als GmbH brachte er immer mit dem Wort „Aufbruchstimmung“ in Zusammenhang. „Es fühlte sich an, als wenn man in einem rechtsfreien Raum leben würde. Anfang der 1990er Jahre waren Dinge möglich, die wären heute undenkbar. Damals hatten wir Ideen. Die haben wir umgesetzt. Dafür müsste man heute sicher unzählige Anträge und Formulare ausfüllen.“ Der heute 73-Jährige musste aber auch selbst dazulernen. Er erinnerte sich an eine Podiumsdiskussion im damaligen Quality-Hotel in Jena. „Da habe ich Lothar Späth erlebt. Er hat mich mit seinen Worten erreicht. Die wichtigste Erkenntnis, die ich aus diesem Tag mitgenommen hatte, war, dass es in der Marktwirtschaft nicht reicht, ein Fachmann für Elektronik zu sein. Man muss auch Kaufmann sein, sonst ist man irgendwann auch kein Fachmann mehr.“

Heute, mit 30 Jahren Abstand, sagt er, war die Wahl der Rechtsform GmbH eine richtige Entscheidung. „Wir haben Vieles richtig gemacht“, sagte er. Mit einer kleinen Einschränkung: „Mit dem Wissen von heute würde ich heute nur noch Gesellschafter zulassen, die zu 100 Prozent zum Unternehmen stehen. Wir hatten damals aber keine andere Wahl. Aus der Not heraus brauchten wir Partner, um das entsprechende Geld für das Startkapital auf den Tisch zu legen.“

Die Zahl der Gesellschafter hat sich mittlerweile verringert. Knapp zwei Drittel der GmbH gehören jetzt Günther Diete, Jörg Diete (50) und David Diete (29). Jörg Diete wurde am 1. Juni 2001 zum weiteren Geschäftsführenden Gesellschafter bestellt, David Diete zum 1. Januar 2020. Außerdem gibt es drei weitere Gesellschafter. Als Günther Diete im Juni 1990 an die Spitze der GmbH rückte, war sein Enkel David noch gar nicht auf der Welt. Dietes Sohn Jörg arbeitete damals schon im Unternehmen als Rundfunkmechaniker.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren