Wolfgang Fiedler - ein Leben für die Politik

Tröbnitz.  30 Jahre lang gehörte der CDU-Mann aus Tröbnitz dem Thüringer Landtag an, nun wagt er die ersten Schritte in eine ihm völlig neue Welt.

Wolfgang Fiedler (CDU), einer der dienstältesten Landtagsabgeordneten Thüringens, genießt mit der Konstituierung des neuen Thüringer Landtages in dieser Woche seinen verdienten Ruhestand. 

Wolfgang Fiedler (CDU), einer der dienstältesten Landtagsabgeordneten Thüringens, genießt mit der Konstituierung des neuen Thüringer Landtages in dieser Woche seinen verdienten Ruhestand. 

Foto: Frank Kalla

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Wolfgang Fiedler hat sie alle überlebt: die dutzenden Minister, die Chefs verschiedener Parteien, die kamen und gingen, die Macher und auch die Wichtigtuer, die seit 1990 die Geschicke des wiedergegründeten Freistaates Thüringen lenken. Er sah 12 Innenminister kommen und gehen, überstand Intrigen, politische Rückschläge und errang sechs Mal in Folge bei Landtagswahlen für die CDU in seinem Wahlbezirk das Direktmandat. Nun, mit der konstituierenden Sitzung des Thüringer Landtages in dieser Woche endete für den Parteisoldaten, der nie mit seiner Meinung auch in seiner Partei hinter dem Berg hielt, seine eigene politische Laufbahn. Fiedler wollte es so: Bis zum Schluss hielt er alle Fäden in der Hand und bestimmte selbst, wann er die politische Bühne verlässt.

Doch was tun mit der neuen Freiheit? Wolfgang Fiedler greift zu Kaffeetasse, nippt, und hält für den Bruchteil einer Sekunde inne. Ja, was tun mit der Freiheit, wenn man doch 30 Jahre lang immer an den Hebeln der Macht saß und bis dato noch Mitglied der Parlamentarischen Kontrollkommission (PKK) ist, jenem hochgeheimen Gremium, dem die Kontrolle des Thüringer Verfassungsschutzes obliegt?

Eigentlich, sagt der 68-Jährige, habe er sich bereits seit 2015 gedanklich mit dem Thema auseinandergesetzt, Abschied von der Politik zu nehmen. Da sei dieser Entschluss von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gewesen, Flüchtlinge in unbegrenzter Zahl in das Land zu lassen. „Das war gegen meine Überzeugung“, sagt der Noch-Innenpolitiker. Da sei auch das Gerangel in den eigenen Reihen gewesen, junge Leute, die gleich Minister werden wollten, was ihm gegen den Strich gegangen sei. „Wir hatten wenigstens erst mal einen Beruf erlernt.“ Und da sei auch dieser Verlust des anständigen Umgangs miteinander gewesen. „Es ist schade, dass viele die Trennung zwischen politisch und menschlich nicht mehr hinbekommen.“

Langer Weg des Abschieds

Wolfgang Fiedlers Abschied von der Politik war kein kurzer Weg, gesundheitliche Probleme verstärkten indes seine Entscheidung, abzutreten. „Ich hätte ja mit 55 Jahren aufhören können, da hatte ich schon den höchsten Versorgungssatz. Aber ich habe mir gesagt, wenn die große Politik sagt, ihr sollt alle bis 67 Jahre arbeiten, da kann man nicht als schlechtes Beispiel vorangehen.“ Doch nun sei es genug. 30 Jahre haben der Familie viel Kraft gekostet, ohne meine Frau wäre das nicht gegangen.“ Für ihn sei das Kapitel abgearbeitet.

Abgearbeitet? Nun ja, sagt Fiedler, es kitzle schon noch heftig, wenn ein stellvertretender CDU-Landeschef nach einer Wahl wisse, wer schuld an der Niederlage sei. „Ich werde mich weiter ein wenig einmischen.“

Andererseits: Im Leben von Wolfgang Fiedler haben sich ganz andere kleine Persönlichkeiten eingemischt, an denen der 68-Jährige nicht mehr vorbeikommt und dies auch gar nicht will. Seit der Tröbnitzer offiziell Ruheständler ist - und auch schon einige Zeit davor - genießt er jede freie Minute mit seinen Enkelkindern. „Klar, du bis weg aus der Politik - daran muss man sich erst gewöhnen -, aber ich freue mich sehr, dass ich meiner Tochter mit unter die Arme greifen kann. Ich bin voller Begeisterung Opa.“

Und sonst? Wolfgang Fiedler hält wieder kurz inne. „Ich gehe gern ins Bad, am liebsten ins Waldbad nach Wolfersdorf. Ja, dann lese ich auch gerne den Kindern in der Kindertagesstätte in Laasdorf etwas vor.“ Ein Hobby sollte er sich suchen, dies hätten ihm seine Ärzte geraten. Gefunden habe er aber keines. Aber, schiebt der 68-Jährige hinterher, er könne ja nun endlich mal Spritztouren mit seinen Fahrzeugen unternehmen. Ein SR2 habe er in der Garage, eine Schwalbe und auch einen Trabant. „Die wollte ich schon alle gerne mal selbst fahren.“

Komisches Gefühl ohne eigenes Büro

Ansonsten wird es wohl für Wolfgang Fiedler ein langer Weg werden, in der neuen Welt - ohne eigenes Büro - zurechtzukommen. „Bislang war ich ja wie fremdgelenkt, jeder Termin war mit dem Büro abgestimmt.“ Neu für den langjährigen Berufspolitiker ist auch, dass er sich wieder mit Haus und Garten auseinandersetzen muss. Da entsteht ein Gartenhaus, muss Wolfgang Fiedler auch im Haushalt oder im Garten anpacken. „Meine Frau und ich machen einiges zusammen im Haushalt. Langsam macht es sogar Spaß“, meint Fiedler schmunzelnd. „Ich werde an das richtige Leben wieder langsam herangeführt.“

Wolfgang Fiedler wäre nicht er selbst, wenn er als Bodenständiger nicht einigen Vereinen - insbesondere den Feuerwehren die Treue halten würde. „Natürlich kann ich nicht mehr überall präsent sein, aber einige Dinge sind es mir wert, diese zu Ende zu bringen.“ Als Chefkurator der Leuchtenburg beispielsweise wolle er gerne noch erleben, dass die Sache mit dem Aufzug zu Ende gebracht werde.

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