ZWA „Holzland“ krempelt Abwasserbeseitigungskonzept um

Hermsdorf.  Aufgrund des neuen Thüringer Wassergesetzes müssen deutlich mehr Orte an zentrale Kläranlagen angeschlossen werden.

Blick auf die Kläranlage Hermsdorf vom Faulturm aus gesehen. Nicht nur in größeren Ortschaften im ZWA-Verbandsgebiet, sondern auch in kleinen  Dörfern müssen zentrale Kläranlagen gebaut werden.

Blick auf die Kläranlage Hermsdorf vom Faulturm aus gesehen. Nicht nur in größeren Ortschaften im ZWA-Verbandsgebiet, sondern auch in kleinen Dörfern müssen zentrale Kläranlagen gebaut werden.

Foto: Frank Kalla

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Neue Plakate wie „Stoppt den Kleinkläranlagen-Wahn“ wird man wohl in Zukunft kaum noch in Ortschaften sehen, die zum Verbandsgebiet des Zweckverbandes Wasserver- und Abwasserentsorgung (ZWA) „Thüringer Holzland“ gehören. Müssen doch die Zweckverbände dem neuen Thüringer Wassergesetz Rechnung tragen, das beispielsweise festschreibt, dass Siedlungsgebiete mit mehr als 200 Einwohnern an zentrale Kläranlagen angeschlossen werden müssen beziehungsweise dass vor Ort solche Anlagen zu errichten sind.

Auch der ZWA „Holzland“ überarbeitet gegenwärtig sein Abwasserbeseitigungskonzept. Man trage dem neuen Grundprinzip Rechnung, dass Siedlungsgebiete, die im Jahr 2035 noch mehr als 200 Einwohner haben, an zentrale Anlagen angeschlossen werden, sagt ZWA-Werkleiter Steffen Rothe in Hermsdorf.

Zentrale Kläranlagen auch für Mini-Gemeinden

Und nicht nur in diesen Ortschaften dürfte Grundstückeigentümern der Bau von vollbiologischen Kleinkläranlagen (KKA), die selbst betrieben und gewartet werden müssen, in Zukunft erspart bleiben. So gibt es auch Gemeinden, die zwar unterhalb der geforderten Einwohnerzahl bleiben, aber trotzdem aus „wasserwirtschaftlichen Gründen“ an eine zentrale Anlage angeschlossen werden müssen. So spielen Trinkwasserschutzgebiete, FFH-Gebiete und andere Kriterien eine Rolle, ob eine zentrale Kläranlage nötig ist oder nicht. Die Entscheidung, ob wasserwirtschaftliche Gründe vorliegen oder nicht, trifft jedoch nicht der Zweckverband, sondern die Untere Wasserschutzbehörde, stellt der Werkleiter klar, der darauf verweist, dass man außerordentlich gut mit den in beim Landratsamt Saale-Holzland sowie dem Landratsamt Saalfeld-Rudolstadt angesiedelten Behörden zusammenarbeite. „Das war früher nicht immer der Fall.“

Nach der gegenwärtigen, vorläufigen Abstimmung mit der Unteren Wasserschutzbehörde im Saale-Holzland-Kreis werden 14 Siedlungsgebiete mit mehr als 200 Einwohnern an zentrale Kläranlagen angeschlossen. Konkret sind das die Siedlungsgebiete Bobeck, Freienorla, Großeutersdorf, Gumperda, Hummelshain, Ottendorf, Reinstädt, Renthendorf, Bollberg, Gernewitz, Quirla, Trockenborn sowie Tröbnitz mit Geisenhain. Weiterhin liegen bei Meusebach, Großbockedra, Kleinbockedra, Obergneus, Untergneus, Ascherhütte, Gröben und Tissa sogenannte wasserwirtschaftliche Gründe vor, sprich, die Abwasserbehandlung muss dort ebenfalls zentral erfolgen. In 14 weiteren Siedlungsgebieten, sagt Rothe, seien weitere innerbehördliche Abstimmungen erforderlich. Im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, wo der ZWA „Holzland“ nur in Randgebieten tätig ist, müssen nach gegenwärtigem Stand Engerda und Zeutsch an zentrale Anlagen angeschlossen werden.

Anschlussverpflichtung für 38 weitere Orte

„Nach bisherigem Stand besteht eine Anschlussverpflichtung für zirka 38 weitere Siedlungsgebiete“, erklärt der ZWA-Werkleiter, der aber auch darauf verwies, dass es bei der Umsetzung der aus dem Wassergesetz resultierenden Vorgaben noch recht viele Fragezeichen gebe. Offene Punkte seien beispielsweise, wie man stehende Gewässer betrachten müsse, wie Einzugsgebiete zu definieren seien, wie die Terminkette aussehe oder wann der Kleinkläranlagenerlass aktualisiert werde. Zudem habe man im Rahmen der Fortschreibung der Bevölkerungsvorausberechnung durch das Statistische Landesamtes noch keinen Zugriff auf die Einwohnerzahlen in den Gemeinden. Man wisse derzeit nur, dass man entgegen der bisherigen Annahmen im Jahr 2035 statt bislang 30.000 nun doch 40.000 Einwohner im Verbandsgebiet haben werde. Zielvorgabe sei, bis zum 7. Dezember 2020 das Abwasserbeseitigungskonzept überarbeitet zu haben.

Entschädigung für Kleinkläranlagen-Betreiber

Wolfgang Fiedler, Bürgermeister von Tröbnitz, ist indes alles andere als begeistert wegen der Überarbeitung des Abwasserbeseitigungskonzeptes. Ihn wurmt, dass 60 Prozent der Grundstückeigentümer in seinem Ort der Forderung, eine vollbiologische Kleinkläranlage zu errichten, bereits nachgekommen sind. „Das kann ich meinen Leuten in Tröbnitz nicht erklären, dass es nun eine zentrale Lösung geben soll“, sagt Fiedler. Er pocht darauf, dass der ZWA „Holzland“ unverzüglich Gespräche mit dem Umweltministerium führt, wo geklärt werden soll, wie mit den Kleinkläranlagen umgegangen werden soll. „Übernimmt nun der Verband dafür die Kosten?“, fragt sich der Bürgermeister.

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