So schmeckt Ostthüringen: Kein Speiseplan ohne Fisch

Zeulenroda-Triebes.  Aal Ralf aus Triebes ist weithin bekannt. Karpfen, Zander, Hecht und Schleie gedeihen im eigenen Zuchtgewässer. Vier Sommer müssen sie wachsen, bevor die Fische auf den Tisch kommen.

Ralf Unger ist seit 40 Jahren Hobbyangler und hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Karpfen, Hecht, Zander und Dorsch kommen aus den eigenen Zuchtgewässer.

Ralf Unger ist seit 40 Jahren Hobbyangler und hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Karpfen, Hecht, Zander und Dorsch kommen aus den eigenen Zuchtgewässer.

Foto: Heidi Henze

Karpfen blau, gebackener Karpfen oder Karpfen nach vogtländischer Art – Ralf Unger kennt sie alle, die verschiedenen Zubereitungen. Er selbst isst Fisch in verschiedensten Variationen. Gebacken, gekocht und geräuchert. Für den Triebeser gehört der Fisch zum wöchentlichen Speiseplan.

Unter seinem Namen Ralf Unger ist der Triebeser allerdings kaum bekannt, dafür kennt Aal Ralf wohl jeder in der Gegend. Mit Aal Ralf werden wohlschmeckende, geräucherte und rohe Fische und leckere Fischsalate verbunden.

Kaum ein Markttag vergeht, wo sich an seinem weithin in blauer Farbe strahlenden Stand keine Schlange bildet. Die Kunden wissen den Fisch vom Aal Ralf zu schätzen.

Die Karpfen kommen aus den eigenen Zuchtgewässern. Lediglich zu Zeiten wie Kirmes, Weihnachten oder Silvester kauft er Fisch zu. Dann aber nur von bekannten Fischhändlern, zu denen er selbst eine Vertrauensbasis aufgebaut hat.

Zwischen Septemberund April ist Karpfenzeit

Gut die Hälfte der Karpfen sind unter seinen Fittichen in den zwei bis drei Hektar großen Fischgewässer aufgewachsen. Als kleine Karpfen hat er sie eingesetzt. „Nach vier Sommern sind sie speisefertig“, sagt der Hobbyangler. Dann sollten sie ein Gewicht zwischen vier und sechs Pfund haben.

Die Bewirtschaftung der eigenen Teiche ist arbeitsaufwendig, gehört aber für ihn dazu, wie er betont. Das Wasser unterliegt einer ständigen Kontrolle, die Dämme müssen gepflegt und die Tiere gefüttert werden. Ebenso wachsen Zander, Hecht und Schleie in Ungers Teich. Forellen kommen von einem langjährigen, vertrauensvollen Freund, einem Großhändler.

Nach dem Abfischen kommen die Karpfen zwei bis drei Tage in ein Hälterbecken, damit sie einen reinen Geschmack haben und erst dann gehen sie über den Ladentisch.

Die Kunden lieben Ungers Fische und bedanken sich das eine oder andere Mal mit einem kräftigen Schulterklopfen. Zander, Hecht und Schleie gehörten zwar nicht zu den Fischsorten, die ganz oben in der Beliebtheitsskala stehen – Aal Ralf zieht sie trotzdem in dem Gewässer heran. Schließlich werden genau diese Fische für die Teichpflege benötigt und sie gehen auch über den Ladentisch.

Auch die eigene Räucherei steht bei den Fischliebhabern hoch im Kurs . Entweder er räuchert zu Hause in den eigenen Gefilden, oder er ist mit dem mobilen Räucherofen unterwegs. Räucherlachs auf Brötchen oder schmackhaften Heilbutt – dafür gibt er persönlich alles und seine Kunden auch.

Und was gehört zu einem zünftigen Fischbrötchen? Natürlich eine gute Marinade. Die Zubereitung übernimmt seine Frau. Sie stellt veredelte Marinaden aus geräuchertem Lachs, Forelle und Hering her. Ralf Unger hat den Beruf von der Pike auf gelernt, auch wenn er kein Fischereiingenieur ist. Er ist Autodidakt.

Als Kind hatte ihn das Angelfieber gepackt und irgendwie nie wieder losgelassen. Seit 40 Jahren ist er Mitglied im Anglerverband. 1999 hat er das Hobby zum Beruf gemacht. Bereut hat er es nicht. „Arbeit soll Spaß machen und eine Freude sein. Das ist sie“, sagt der Triebeser aus voller Überzeugung.

Schon zu DDR-Zeiten standen die Nachbarn am Gartenzaun, wenn er den Räucherofen mit Birkenholz anfeuerte. An dem Duft kam schon damals keiner vorbei.