Science City Jena: Trainer Clauss trainierte einst Nowitzki

Jena.  Steven Clauss hat im Basketball schon viel erlebt. Auf seine Jenaer warten am Wochenende gleich zwei Spiele.

Steven Clauss (Mitte) in seinem Element: Er stimmt das Team auf den Gegner ein.

Steven Clauss (Mitte) in seinem Element: Er stimmt das Team auf den Gegner ein.

Foto: Peter Poser

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Steven Clauss sitzt vor seinem Laptop im Trainerbüro von Science City Jena. Den feinen Zwirn vom Spiel hat er gegen einen grauen Trainingsanzug getauscht. „Gegner-Vorbereiten“ steht an. Immerhin liegt vor dem Basketball-Zweitligist von der Saale ein Wochenende mit zwei Spielen. Am Freitag sind die Thüringer in Leverkusen (Beginn 19.30 Uhr) zu Gast. Am Sonntag kommt Schwenningen in die heimische Arena (16 Uhr).

Viel zu tun für das Team um Steven Clauss, der den erkrankten Frank Menz seit einigen Wochen als Headcoach bei den Saalestädtern vertritt. Die aktuelle Situation ist für ihn überhaupt kein Problem, immerhin ist er seit über 40 Jahren Trainer und hat „schon eine lange Reise“ hinter sich.

13 verschiedene Vereine in Deutschland, dazu in verschiedenen Positionen beim Deutschen Basketball-Bund (DBB): Der 62-Jährige, im Sommer als Assistenzcoach nach Jena gekommen, hat viel erlebt. Dabei erblickte er 1957 viele Tausende Kilometer von hier entfernt das Licht der Welt: in New York – Long Island. Die Eltern, der Vater aus Hamburg, die Mutter aus Heidelberg, hatte es nach dem Zweiten Weltkrieg über den großen Teich gezogen. Ihr Filius ein Sportbegeisterter, der sich in so ziemlich allem versuchte: Fußball, Eishockey, Ringen, natürlich Basketball und vor allem Baseball hatten es ihm angetan.

Als die Eltern Mitte der 1970er- Jahre nach Deutschland zurückkehrten, war es klar, dass sich der damals 16-jährige Steven Clauss einem Sportverein anschließen muss. Der MTV Kronberg im Taunus wurde sein Herzensclub. Und weil es kein Baseball gab, spielte Clauss eben Basketball, schaffte schnell den Sprung in die hessische Landesauswahl, wurde Regionalliga-Spieler.

„In die zweite Bundesliga hätte ich es auch geschafft“, erinnert er sich. Aber da stand schon das eigentliche Berufs-Ziel im Weg: Trainer. Erst hatte er drei Semester Jura studiert. Aber mit der eigentümlichen Rechtssprache kam Clauss nicht klar. „Außerdem wollte ich mich nicht mein Leben lang mit den Streitigkeiten anderer Leute herumschlagen.“ Also wurde aus Jura ein Lehramtsstudium in Sport und Englisch, was er erfolgreich abschloss.

Doch der Schule blieb er fern, das Trainerdasein wurde seine Passion. Er übernahm mit Anfang 20 die Frauen-Teams von Bayer Leverkusen, führte die erste Mannschaft in die Bundesliga. 1983 legte Clauss als einer der Ersten in Deutschland die Trainer-A-Lizenz ab. Die Nummer 64, die auf seinem Schein steht, ist heute die niedrigste in der ersten und zweiten Bundesliga, verkündet er nicht ohne Stolz. Ex-Nationaltrainer Dirk Bauermann, heute Headcoach von Rostock, war im selben Kurs wie Clauss, „hat aber irgendwas mit 70“, sagt der Neu-Jenaer und lacht. Der Grundstein für eine erfolgreiche Laufbahn war gelegt – in der er im Nachwuchs des DBB einst sogar Dirk Nowitzki trainierte.

Headcoach kann er, muss er aber nicht sein. Clauss ist keiner, der das Rampenlicht sucht. „Es gibt gute Assistenten in der Bundesliga, die aber keine guten Headcoaches wären“, sagt er. Dafür brauche man vor allem Führungsqualität. Und man muss auch hart sein, durchgreifen. Das kann Steven Clauss alles, hat sich dabei aber stets das Wertvollste bewahrt: „Menschlich bleiben.“

Ein Ziel zu haben, das ihn reizt, ist seine Motivation. Wie in Jena, wo er mit dem Team in die Playoffs will. Und vielleicht sogar aufsteigen. Obwohl der Verein sich genau überlegen müsse, welchen Weg er wählt. „Das ganz große Geschäft – also BBL“, das aber sehr teuer sei. Oder doch lieber Ausbildungsverein, Talente in der vorhandenen „exzellenten Sportschule“ entwickeln. Dafür wäre die zweite Liga auf Dauer besser geeignet, findet Clauss, weil der Sprung für den Nachwuchs ins Oberhaus zu groß sei.

So oder so: Clauss wird mindestens bis Saisonende den Weg der Jenaer begleiten. Dann will er schauen, wie es weitergeht. Seine Frau lebt mit seiner Tochter (14 Jahre) und seinem Sohn (12) im Taunus. Normalerweise kommen sie ihn immer an den Heimspiel-Wochenenden besuchen. Doch zuletzt lief es holpriger, weil die Kinder selber sportlich am Wochenende aktiv sind. Ganz der Papa eben. Und wenn es für Steven Clauss in der nächsten Saison eine Möglichkeit gibt, regelmäßig bei seiner Familie zu sein, kommt ein Abschied aus Jena infrage. Bis es soweit ist, wird er aber alles für Science City tun. Und in Jena sind sie dankbar, Teil seiner Reise zu sein.

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