Altglienicke mit Toren wie Abziehbilder gegen FC Carl Zeiss

Berlin.  Binnen 30 Minuten gerät der FC Carl Zeiss Jena in Altglienicke auf die Verliererstraße – am Ende steht es 2:5.

Während die Spieler von Altglienicke jubeln, hadert Jenas Verteidiger Dennis Slamar nach dem zwischenzeitlichen 0:2.

Während die Spieler von Altglienicke jubeln, hadert Jenas Verteidiger Dennis Slamar nach dem zwischenzeitlichen 0:2.

Foto: Matthias Koch

Der singende Stadionsprecher macht die Altglienicker einzigartig. Dass die Mannschaft aus dem Osten der Hauptstadt aber nicht nur musikalisch, sondern auch fußballerisch einiges zu bieten hat, davor hatte Dirk Kunert schon vor dem 2:5 gewarnt.

Es half nichts. Und während des Spiels sei ein Trainer manchmal einfach machtlos, sagte der enttäuschte Zeiss-Coach nach der Schlappe im Spitzenspiel. „Die tut einfach sehr weh, weil eine halbe Stunde gereicht hat, um uns den Schneid abzukaufen“, monierte der gebürtige Berliner. Nach gerade einmal sechs Minuten jubelte der Tabellenzweite zum ersten Mal. Flacher Pass von links in den Jenaer Strafraum, Linus Meyer hielt den Fuß hin – 1:0 für die VSG. In der 21. Minute genau der gleiche Spielzug – wieder Meyer, wieder Tor. Als fünf Minuten später Christian Skoda per Traumschuss über den zu weit aus seinem Tor geeilten Lukas Sedlak noch das 0:3 aus Jenaer Sicht nachlegte, war das Spiel gelaufen.

FCC-Trainer Kunert: „Das ist für mich auch eine Einstellungssache“

„Das waren zu einfache Tore, wir waren nicht richtig da“, sagte Kunert. „Das ist für mich auch eine Einstellungssache“, legte Jenas erzürnter Trainer nach. Denn auch der Hoffnungsfunke, den FCC-Kapitän René Eckardt mit dem 1:3 (37.) nach einer Ecke entfachte, glimmte nur fünf Minuten. Dann setzte sich Altglienicke auf der linken Außenbahn durch, flacher Pass auf Meyer – 1:4 (42.). „Drei gleiche Tore, wie Abziehbilder: Dann reicht es gegen eine gute Mannschaft wie Altglienicke einfach nicht.“


Kunert war zur Pause bedient, las seiner Elf die Leviten, während Stadionsprecher Rothe seinen Hit „Are you ready – oh Konfetti“ sang. Zum Feiern war der VSG auch deshalb zu Mute, weil sie es erstmals in ihrer gerade einmal dreijährigen Regionalliga-Zugehörigkeit schaffte, ausverkauft zu sein, auch wenn die 499 Zuschauer keinen Rekord darstellten. Mehr waren vom Gesundheitsamt aber nicht zugelassen – und ausverkauft bleibt ausverkauft.

Altglienicke erstmals in „ausverkauftem“ Stadion

Rothe erhielt vom Jenaer Mannschaftsleiter Uwe Dern für seine Gesangseinlagen eine FCC-Anstecknadel. Altglienicke kannte dennoch keine Gnade, erhöhte durch Tolcay Cigerci in der zweiten Halbzeit zwischenzeitlich gar auf 5:1 (58.), ehe Jenas Thomas Steinherr nur eine Minute später Ergebniskosmetik betrieb. Dabei blieb es im Jahn-Sportpark, der bald abgerissen und durch eine Arena ersetzt wird.

Der FC Carl Zeiss muss nach der zweiten Niederlage binnen einer Woche nun erstmal wieder kleinere Brötchen backen. Dirk Kunert fand es schade, dass die Siegesserie der Thüringer so ein abruptes Ende fand und dass der FC Carl Zeiss wegen der für November angeordneten Zwangspause nicht schnell Gelegenheit bekommt, zurück in die Erfolgsspur zu finden.

Den Montag will der Coach in Sachen Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie noch abwarten. Er geht aber davon aus, dass die Jenaer im November kein Mannschaftstraining bestreiten dürfen. Deswegen werde jeder Spieler vom Trainerteam ein individuelles Programm erhalten. Damit Jena bei einem Neustart fit genug ist, um eine neue Siegesserie zu starten.