„An Wolfgang Benkert kam keiner vorbei“

Ruhla  Interview der Woche Ex-Keeper Norbert Leischner erinnert sich an seine Zeit bei Rot-Weiß Erfurt und kann sich eine neue Aufgabe als Trainer vorstellen

Vor dem Freundschaftsspiel stellten sich Ruhlas Alte Herren und die Erfurter Nachwuchsmeisterelf von 1980 zum gemeinsamen Gruppenbild. In der vorderen Reihe hockt Norbert Leischner (6. von links)

Vor dem Freundschaftsspiel stellten sich Ruhlas Alte Herren und die Erfurter Nachwuchsmeisterelf von 1980 zum gemeinsamen Gruppenbild. In der vorderen Reihe hockt Norbert Leischner (6. von links)

Foto: Marcus Jerk

Ehemalige Torhüter als Trainer sind selten. Woran das liegt, darüber rätseln bis heute die Experten. Dass aber ein langjähriger guter Schlussmann das Zeug zum guten Coach haben kann, bewies Norbert Leischner in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Der mittlerweile 61-Jährige war als Spielertrainer eine entscheidende Figur während der Blütezeit des Fernbreitenbacher Fußballs rund um die Jahrtausendwende und führte später die SG Gospenroda aus der Kreisliga in die Landesklasse. Mit seinen einstigen Erfurter U23-Teamkollegen war er am Samstag zu Gast in Ruhla. Nach dem Freundschaftskick sprachen wir mit Leischner.

Wie lief das Spiel heute?

Man merkt eben, dass wir alle nicht jünger werden. Ruhla hat eine gute ältere Alt-Herren-Manschaft aufgeboten, die unsere Fehler bestraft hat. Alle Gegentore sind bei Kontern gefallen, als wir weit aufgerückt waren. Da kommen wir nicht mehr hinterher. Trotz des 2:4 hat es Spaß gemacht. Es ist jedes Jahr eine Freude, sich zu treffen und über alte Zeiten zu sprechen. Natürlich gehört dann ein Spielchen dazu, obwohl es uns jedes Jahr schwerer fällt.

Wer sind noch Fittesten von der alten Truppe?

Josef Vlay ist noch recht fit, auch Martin Iffarth. Das gilt auch für Martin Busse und Andreas Winter, die beide heute leider nicht dabei waren.

Wie sind Sie damals überhaupt zu Rot-Weiß gekommen?

Angefangen mit Fußball habe ich in Stedtfeld. Im Juniorenbereich bin ich zu Motor Eisenach gewechselt, da habe ich erst Linksaußen gespielt, ehe irgendwann ein Torhüter gefehlt hat und so war ich plötzlich im Kasten. Fortan stand ich nur noch im Tor, mit 17 erstmals bei Motor in der Ersten. 1979 hat man mich dann schließlich zu Rot-Weiß delegiert.

Und in der ersten Saison holten Sie mit der Erfurter U 23 gleich den Nachwuchstitel.

Es war für mich zuerst eine enorme Umstellung. Ich war zwar im Optimawerk angestellt, aber gearbeitet hat man da vielleicht zweimal die Woche, ansonsten haben wir nur trainiert. Wir hatten eine gute Truppe und mit Siegmar Menz einen jungen, sehr erfolgsorientierten Trainer. Er wollte hoch hinaus, ist nach unserem DDR-Meistertitel ja auch Oberligatrainer geworden.

Wie ging Ihre Laufbahn dann weiter?

Nach dieser Saison habe ich bei Rot-Weiß oben mittrainiert, aber an Wolfgang Benkert kam man nicht vorbei. „Molli“ hatte das Sagen und konnte im Training auch ein richtiger „Drecksack“ sein. Kam ein Neuer, der nicht gleich akzeptiert wurde, hat er beim 4:2 einfach mal den Fuß draufgehalten. So war, wie bei Steffen Brademann, schnell mal der große Zeh gebrochen. Weil ich wusste, Benkert steht hier bestimmt noch zehn Jahre im Tor, ich aber selber spielen wollte, bin ich 1982 zurück nach Eisenach. Drei Jahre vor der Wende kam dann das Angebot von Glückauf Sondershausen, die damals auch DDR-Liga spielten. Dort war ich zwar nur eine Saison, aber es war ein sehr schönes Jahr, man kann auch sagen, es war wie im Paradies – das Kaliwerk hat es ermöglicht. Da ist man früh hin, hat zweimal trainiert, gegessen und dann ging es wieder nach Hause. Einer der Höhepunkte war vor über 5000 Zuschauern das Spiel gegen Nordhausen, die schon umgezogen aus dem Bus stiegen. So groß war die Rivalität.

Mitte der 1990er Jahre startete dann Ihre Trainerkarriere. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit der Zeit als Coach vom SV Suhltal?

Als ich von Hönebach kam, bin ich gleich als Spielertrainer eingestiegen. Es waren fantastische Jahre mit vielen Highlights. Ich denke da an den Bezirkspokalsieg 2003 oder die beide Spielzeiten, in denen wir nur knapp den Aufstieg in die Landesklasse verpassten. Die Euphorie in Fernbreitenbach und Wünschensuhl war damals unglaublich, zu den Auswärtsspielen war der Bus immer knackevoll, einige standen sogar. So eine Zeit kommt nicht wieder.

Nach dem Aufstieg mit Gospenroda gingen sie 2017 in den „Trainer-Ruhestand“. Fehlt was oder genießen Sie es, Zeit für andere Dinge zu haben bzw. als Zuschauer auf den Sportplatz gehen zu können?

Ich muss sagen, vielleicht brauchte ich mal eine Auszeit. Aber es kribbelt wieder. Nur bevor ich irgendwo anfange, werde ich es mir reiflich überlegen. Die Arbeit mit der heutigen Spielergeneration ist nicht so einfach. Wenn man den Jargon der Jugend nicht mitspricht, wird es schwer.

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