Eisenach. Die Bundesliga-Mannschaft beendet ihre Durststrecke und schürt die Hoffnung, in der Bundesliga ein weiteres Kapitel zu schreiben. Die Architekten des Aufsteigers aus Thüringen haben jedenfalls noch einiges vor.

Der Abend wäre prädestiniert gewesen für ein anderes Getränk. Misha Kaufmann beließ es beim Wasser. Wie üblich für den Trainer des ThSV Eisenach. Passend zur Bescheidenheit und einem weiteren Achtungserfolg. Der ist Wasser auf die Mühlen der Hoffnung derer gewesen, die den Thüringer Handballern als krassen Außenseitern im Bundesliga-Becken alles andere zutrauen, als darin abzutauchen oder gar unterzugehen. Die Geschichte, so deutete der Freitag an, geht weiter und hat gerade erst wieder neu begonnen.

„Wir sind absolut im Plan und haben noch einiges vor“, kündigte Manager René Witte im Stolz über den wichtigen wie wertvollen 25:24 (11:12)-Sieg gegen den Neunten SV DHfK Leipzig an. Nach der sich tags darauf anschließenden Weihnachtsfeier richteten sich die Gedanken auf Dienstag. Im DHB-Pokal sind die Eisenacher beim HSV Hamburg gefordert (19 Uhr).

Das Achtelfinale ist Gelegenheit, ein besonderes Kapitel fortzuschreiben. Es besitzt historisch seltene Züge. Dreimal waren die Eisenacher in der Vergangenheit in die Runde der letzten acht vorgedrungen. Zuletzt war ihnen das 2013 nach einem Erfolg gegen Erlangen gelungen. Als Zweitligist! Nach dem unglücklichen, aber doch verdienten 28:32 im Liga-Spiel zu Hause rechnen sich die Eisenacher in der Hansestadt Chancen aus.

Das Mittelfeld in Reichweite

Der Elfte ist mit sechs Siegen aus 16 Partien in Reichweite für die nur drei Punkte zurück an 17. Position liegenden Thüringer. Mait Patrail, der Hamburg aus allerhand Erstliga-Jahren kennt, streute Zuversicht. „Wenn wir so decken wie in den letzten Spielen, ist alles möglich. Aber es darf nicht passieren, dass wir 15, 20 Bälle im Eins-gegen-Eins nicht treffen“, sagte der nachverpflichtete Rückraumriese aus Estland. Er legte zugleich den Finger in die Wunde.

Wenn es am Freitag den „Blauen“ beim vierten von mehr als 2700 Fans gefeierten Saisonsieg etwas anzukreiden gibt, dann das anfänglich fahrlässige Auslassen klarer Chancen. Ehe die Partie Fahrt aufnehmen konnte, schien sie beim 3:9 (18.) beinahe schon gelaufen zu sein.

Alexa Saul krönt Wahnsinnswende

Nicht aber für Misha Kaufmann, den Architekten einer felsenfest an sich glaubenden Formation. „Die Chancen war da, wir haben bis auf das Auslassen nichts falsch gemacht“, meinte der ThSV-Trainer. Er konnte die Defensive anschließend nicht hoch genug loben. „Was wir heute für eine Abwehr gestellt haben, war mega“, schwärmte der 39-Jährige, nachdem seine Mannschaft um die starken Marko Gric und Moritz Ende eine Wahnsinnswende herbeigeführt und durch Alex Sauls entscheidendes 25:23 (59.) gekrönt hatte. Der Trainer genoss den Erfolg über den Favoriten im 62. Derby. Nach sieben Niederlagen tat er extrem gut.

„In vergangenen Jahren haben wir ein Fundament geschaffen. Die drei haben sich als Garanten dafür erwiesen.“
ThSV-Präsident Shpetim Alaj über Manager René Witte, Trainer Misha Kaufmann und den Sportlichen Leiter Maik Nowak

Für die Fans ist er Anlass für eine Sause zum zweiten Advent gewesen. Und für Präsident Shpetim Alaj eine weitere Bestätigung, noch lange auf die sportliche Leitung zu bauen. Vor der Partie verkündet er strahlend, dass der Verein die Verträge mit Misha Kaufmann und dem sportlichen Leiter Maik Nowak um drei Jahre bis 2027 verlängert hat. René Witte wird bis 2029 die Geschäfte führen.

„In vergangenen Jahren haben wir ein Fundament geschaffen. Die drei haben sich als Garanten dafür erwiesen“, strahlte Alaj nach dem Sieg nach zuvor sieben Niederlagen umso mehr. „Jetzt können wir entspannt in die Partie gegen Kiel gehen“, sagte er mit Blick zum Hinrunden-Finale am Freitag.

Einst vor allem Ehrfurcht, heute vor allem Stolz

Der Rekordmeister in der Aßmann-Halle, das hätte in der Vergangenheit wohl das eine oder andere Mal Ehrfurcht bedeutet. Im Heute bringt es Stolz mit sich, nach einem Wiederaufbau aus der dritten Liga und einer neuen Aufbruchsstimmung mit Misha Kaufmann nun wieder in der Beletage sein zu dürfen.

„Was Misha hier bewirkt hat, was er mit der Mannschaft macht, ist einzigartig“, betonte René Witte und strich sogleich hervor: „Die Geschichte ist noch nicht abgeschlossen.“ Der Verein und die Halle mit ihrer Atmosphäre seien „eine unfassbare Bereicherung“. Gemeinsam soll der Weg auch zur neuen Arena führen.

Leipzigs Trainer Rúnar Sigtryggsson wäre eine Neuauflage in der heißen Aßmann-Halle zunächst mehr als recht. „Hut ab vor dem Fight“, sagte er. „Ich hoffe, dass wir im nächsten Jahr noch einmal die Chance bekommen.“

Käme es dazu, wäre es an der Wartburg allein ein Grund zum Jubeln.

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