Heulen im Wolfsbau: Science City geht im Ost-Derby unter

Weißenfels  Das 92:109 in Weißenfels ist der bisherige Tiefpunkt in der Saison für den Thüringer Basketball-Bundesligisten.

Versteinerte Mienen auf der Bank von Science City Jena. Beim Blick auf die Anzeigentafel will wahrscheinlich nicht nur Kapitän Derrick Allen sein Gesicht am liebsten im Handtuch vergraben.

Foto: Christoph Worsch

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Wahrscheinlich verfolgte das Wolfsgeheul die Spieler von Science City Jena noch im unruhigen Nachtschlaf nach der deutlichen 92:109-Niederlage beim Mitteldeutschen BC am Samstagabend. Es erklang immer dann, wenn die Weißenfelser einnetzten – also sehr oft. Und zum Heulen war auch den 300 mitgereisten Fans der Thüringer zu Mute, als sie sehen mussten, wie sich ihre Mannschaft in einer Partie, die von den Verantwortlichen als „Endspiel“ und „vorentscheidend“ betitelt wurde, präsentierte – nämlich wie ein Absteiger.

Und daran, dass der Abstieg nach einem über weite Teile indiskutablem Auftritt noch zu verhindern ist, glauben nur noch die kühnsten Optimisten. Durch die Niederlage bleiben die Thüringer nicht nur Tabellenletzter, sie verspielten auch noch den schon sicher geglaubten direkten Vergleich gegen Weißenfels.

Da die Mannschaft von Trainer Björn Harmsen auch zweimal gegen den zweiten Mitkonkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt, die Eisbären Bremerhaven, verlor, muss sie nun in den verbleibenden sieben Spielen das Kunststück fertigbringen, nach Siegen nicht nur gleich-, sondern an beiden Teams vorbeizuziehen.

Defensivleistung nicht bundesligatauglich

Mit der Abwehrleistung gegen den Mitteldeutschen BC, der das Prädikat „bundesligatauglich“ abgesprochen werden muss, dürfte das aber kaum der Fall sein. „Wir haben es phasenweise nicht geschafft, in der Verteidigung Konstanz reinzubringen. Wenn du in so einem wichtigen Spiel 109 Punkte zulässt, dann ist das deutlich zu viel“, kritisierte Jenas Trainer Björn Harmsen, der eingestand: „Wir sind zur Zeit in dem tiefsten Loch der Saison.“

Warum die Weißenfelser im ausverkauften „Wolfsbau“ vor 3000 Zuschauern nahezu ohne große Gegenwehr in einer Partie, von der Jenas Coach sagte, sie werde über den Kampf entschieden, durch die Defense von Science City marschierten, blieb unerklärlich. Und wenn von den vielen freien Würfen der „Wölfe“ dann doch mal einer nicht im Korb landete, fand der zweite Versuch, den die Gäste viel zu oft gewährten, den Weg durch die Reuse.

Die im Protokoll höchste verzeichnete Jenaer Führung der Begegnung war das 2:0, das Julius Wolf mit dem ersten Korb im Spiel herstellte. Etwa ab der Mitte des ersten Viertels lief Science City dann immer einem Rückstand hinterher, der phasenweise auf gigantische 24 Punkte (52:76) anwuchs. Dass in der Schlussphase trotz des längst feststehenden Sieges der Weißenfelser mit allen taktischen Mittel gekämpft wurde, lag am direkten Vergleich. Den wähnte Jena nach dem 81:64-Erfolg aus dem Hinspiel schon sicher zu haben. Doch als Weißenfels sechs Sekunden vor dem Ende mit 109:90 führte, war auch der dahin. Reggie Williams schien mit einem vermeintlichen Dreier mit der Schlusssirene zumindest noch diesen Vergleich auf Jenas Seite zu ziehen. Doch das Referee-Gespann entschied nur auf zwei Punkte. „Jetzt ist das Verhältnis ausgeglichen, aber das Korbverhältnis spricht für Weißenfels“, sagte Harmsen.

Der Trainer versuchte in einer Phase, in der auch ihm das schwergefallen sein muss, noch ein wenig Hoffnung zu versprühen: „Ich hoffe, dass wir trotzdem physisch und psychisch aus dem Tal rauskommen. Wir haben jetzt die Situation, dass wenige an uns glauben. Ich mag solche Situationen eigentlich, aber wir müssen das auch als Mannschaft annehmen.“ Das Heimspiel am kommenden Freitag gegen Frankfurt müsse nun unbedingt gewonnen werden. Nach Weißenfels fehlt vielen allerdings der Glaube daran.

Julius Wolf: „Wir glauben immer noch an uns“

Während die meisten Spieler von Science City Jena nach der Niederlage schnell in der Kabine verschwanden, blieb Julius Wolf und stellte sich den Fragen der Journalisten.

Herr Wolf, wie groß ist die Enttäuschung, wenn man in einem so wichtigen Spiel wie diesem chancenlos ist?

Die Enttäuschung ist riesengroß. 109 Punkte in so einem entscheidenden Spiel sind viel zu viel. Aber jetzt müssen wir weitermachen.

Haben Sie nach so einer Vorstellung überhaupt noch Hoffnung auf einen Klassenerhalt mit Science City?

Wir glauben immer noch an uns. Es sind noch sieben Spiele, von denen müssen wir zwei mehr gewinnen als die anderen Teams.

Woran lag es, dass die Weißenfelser im Ost-Derby am Ende so deutlich die Nase vor hatten?

Der MBC ist viel besser herausgekommen und hat von Anfang an physischer gespielt als wir. Sie waren beim Rebound aggressiver.

Mit anderen Worten, Jena hat keinen Zugriff auf das Spiel bekommen und konnte in puncto Energie, wie Trainer Harmsen bemängelte, nicht mithalten.

Die haben es gut gemacht und 109 Punkte sprechen für sich.

Was muss jetzt im Frankfurt-Spiel am kommenden Freitag passieren?

Wir müssen weitermachen – und gewinnen.

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