Science City-Geschäftsführer Eberlein: „Der Wiederaufstieg ist das Ziel für die nächsten Jahre“

Jena  Geschäftsführer Lars Eberlein spricht in Interview über die Zukunft der Basketballer von Science City Jena.

Lars Eberlein will mit Science City schnell zurück in die BBL.

Foto: Holger Zaumsegel

Die Basketballer von Science City Jena stehen zwei Spieltage vor Schluss als Absteiger aus der Bundesliga fest. Wir sprachen mit Lars Eberlein (47), Geschäftsführer und Gesellschafter der Jenaer Baskets GmbH, über die Gründe der schlechten Saison und was die Ziele in der neuen Spielzeit in der 2. Bundesliga ProA sind.

Wie sehr schmerzt Sie der Abstieg von Science City?

Sehr. Vor der Saison waren wir überzeugt, dass das Team die Klasse hält. Die Angst war größer, dass wir den Mindestetat von drei Millionen Euro, den die BBL fordert, nicht erfüllen können. Jetzt haben wir unser Etatziel fasst erreicht und steigen sportlich ab. Das ist sehr bitter.

Zumindest haben Sie als Geschäftsführer jetzt aber frühzeitig Planungssicherheit für die nächste Saison?

Für die Geschäftsstelle hat es eine Menge Arbeit bedeutet, zweigleisig zu planen. Jetzt werden wir analysieren, was wir falsch beziehungsweise die anderen besser gemacht haben. Werden alles hinterfragen und uns dann neu und erfolgreich für die Zukunft aufstellen.

Apropos Fehleranalyse: Was lief denn falsch?

Es gibt nicht nur einen Grund. Wir haben viele ältere Spieler gehalten. Die Neuzugänge Jamar Abrams und Ikenna Iroegbu sollten eigentlich für die nötige Physis auf dem Parkett, die nötige Aggressivität sorgen. Jamar hat sich in der Vorbereitung schwerer verletzt, Ikenna kam mit dem System von unserem Trainer Björn Harmsen nicht so richtig klar. Dann haben wir mit Dru Joyce und später Reggie Williams, Ronald Roberts und Mauricio Marin viermal nachverpflichtet. Bei allen ging es gut los, doch dann kamen neue Verletzungen hinzu. Nach den vielen Niederlagen war bei einigen auch der Glaube weg. Dann spielt man auch mal schlechter, als man ist. In vielen Situationen haben uns nur Nuancen gefehlt. Der Abstieg ist sehr unglücklich.

Kommt er nach zwei Spielzeiten, in denen Science City Jena souverän drin blieb, überraschend?

Nein. Wir sind eines der Teams mit dem niedrigsten Etat der Liga. Wir wussten, dass es uns eines Tages erwischen kann. Leider ist es jetzt passiert. Aber Science City hat eine gute Basis, wir sind für die Zukunft gut aufgestellt.

„Wir kommen wieder“ – Science City Jena steigt aus der Basketball-Bundesliga ab

Wie geht es weiter?

Als erstes müssen wir die Trainerfrage klären.

Wer macht das?

Wir führen derzeit viele Gespräche und sondieren den Markt. Es wird vermutlich 3 bis 4 passende Kandidaten geben, die ich mit den Gesellschafterkreis besprechen werde. Am Ende werden wir uns gemeinsam für einen entscheiden.

Gibt es ein Comeback von Björn Harmsen, der Anfang April zurückgetreten ist?

Björn hat oft bewiesen, dass er ein Team in die Bundesliga führen kann. Er ist mit Jena eng verbunden.

Und hat einen unbefristeten Vertrag als Trainer?

Nein, der galt nur für die BBL. Aber Björn ist eine Variante, mit der wir uns natürlich auch beschäftigen.

Gibt es viele Bewerber?

Ja. Wir haben uns in den zurückliegenden drei Jahren einen sehr guten Namen gemacht, haben viele Optionen aus dem In- und Ausland. Persönlich bevorzuge ich einen deutschen Trainer.

Womit der aktuelle Coach, Marius Linartas, als Litauer raus wäre?

Nein, Marius ist auch eine Option. Aber wir haben ihn vor der Saison geholt, um mit jungen Spielern individuell zu arbeiten. Gleichzeitig ist er Trainer unserer zweiten Mannschaft.

Auch Ex-Bundestrainer Frank Menz ist zu haben, sein Vertrag in Braunschweig läuft aus.

Auch Frank ist ein interessanter Name. Wir kennen uns schon viele Jahre und standen immer mal in Kontakt. Aber wir werden verschiedene Varianten durchsprechen und uns am Ende für die entscheiden, von der wir glauben, dass sie dem Verein am meisten weiterhilft, aber auch bezahlbar ist.

Bis wann soll die Trainer-Entscheidung fallen?

Noch im Mai. Der neue Trainer soll möglichst schnell beginnen, das Team aufzustellen. Der Wiederaufstieg ist das Ziel für die nächsten Jahre.

Welche Spieler bleiben?

Vertrag für die neue Saison haben Ermen Reyes-Napoles, Jan Heber, Melvin Jostmann und Vuk Radojicic. Wichtig werden die deutschen Spieler, von denen in der ProA ja immer zwei auf dem Parkett stehen müssen.

Im aktuellen Kader stehen mit Julius Wolf, Oliver Mackeldanz, Mauricio Marin und Sid-Marlon Theis ja noch vier deutsche Spieler.

Alle 4 sind für uns interessant. Dem einen oder anderen würde ein Jahr zweite Liga mit viel Spielzeit, Siegen und dem dazugehörigen Selbstvertrauen auch gut tun. Aber das kommt auch auf die Spieler selber und auf andere Vereine an.

Was wird aus Oldies wie Immanuel McElroy und Julius Jenkins?

Die beiden haben viel für Science City Jena geleistet. Es tut ihnen sehr leid, wie es gelaufen ist und sie würden gerne bleiben. Sie wollen ihre großen Karrieren nicht mit einem Abstieg beenden. Das hat mir sehr imponiert. Beide sind immer noch richtig gute Spieler, insbesondere für die zweite Liga. Ob sie bleiben, entscheidet aber der neue Trainer.

Was wird aus den anderen ausländischen Spielern?

Bei Derrick Allen besteht zum Beispiel die Möglichkeit, einen deutschen Pass zu bekommen, das wäre dann eine sehr gute Option. Aber wir brauchen in der ProA auch junge, hungrige Spieler, die bei einem möglichen Aufstieg an Bord bleiben. Wie einst ein Marcos Knight. Das Parkett muss brennen, wenn sie spielen. Aber auch hier liegt die Entscheidung bei unserem neuen Trainer.

Wie hoch wird der Etat sein?

Wir rechnen mit etwa 2,3 Millionen Euro. Viele unserer Sponsoren bleiben trotz des Abstiegs bei uns. Wir werden finanziell auf jeden Fall zum oberen Drittel in der ProA gehören. Die Liga ist attraktiv. Die Eintrittspreise wollen wir anpassen. Die Tipp- Off-Zeiten werden attraktiver. Zuschauermäßig rechnen wir sogar mit mehr Besuchern.

Es gibt einige, die sagen: Lieber in der ProA um den Aufstieg spielen, als in der BBL immer nur verlieren.

Die Aussage höre ich von sehr vielen. Fakt ist: Wir gehören zu den besten 24 Teams Deutschlands. Wenn wir sportlich wieder aufsteigen können, werden wir das tun. Wir müssen aber, wie jetzt, auch in schlechten Zeiten zusammenhalten, dürfen nicht Verrücktes machen und nur das Geld ausgeben, was wir haben. Jetzt wollen wir uns in den letzten beiden Heimspielen am Freitag und Sonntag ordentlich von den Fans verabschieden und beide Partien gewinnen.

Zu den Kommentaren
Kommentare sind für diesen Artikel deaktiviert.