Großner: „Diesen Schock musste ich erst einmal verarbeiten“

Berlin  Die Erfurter Beachvolleyball-Europameisterin Julia Großner über den Titel und das Ende ihrer Förderung durch den Verband.

Julia Großner (links) gelang an der lettischen Ostseeküste mit ihrer Partnerin Nadja Glenzke der größte Erfolg ihrer Beachvolleyball-Karriere.

Julia Großner (links) gelang an der lettischen Ostseeküste mit ihrer Partnerin Nadja Glenzke der größte Erfolg ihrer Beachvolleyball-Karriere.

Foto: Peter Weber/dpa

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Mit dem Europameister-Titel am vergangenen Sonntag in Lettland gelang der Erfurter Beachvolleyballerin Julia Großner der größte Erfolg. Wir sprachen mit der 29-Jährigen über die Feier danach, ihre Verbindung nach Erfurt, die bevorstehenden deutschen Meisterschaften und die Enttäuschung, künftig nicht mehr gefördert zu werden.

Folgte dem überraschenden Coup ein Feier-Marathon?

Wir haben in Lettland noch mit dem ganzen Team gefeiert. Der Verband hatte eine Party organisiert. Montag sind wir nach Berlin zurückgeflogen. Dort hatten wir einen tollen Empfang von Freunden und Familie. Abends ging es dann mit Feiern weiter.

Konnten Sie die ganzen Glückwünsche bereits beantworten?

Keine Chance. Es gab so viele Glückwünsche via SMS, Facebook, WhatsApp. Wir kamen leider noch nicht hinterher, alle zu beantworten.

Wie ist Ihre Verbindung nach Erfurt zum SWE Volley-Team?

Es haben sich sehr viele gemeldet. Ich habe dort angefangen, Volleyball zu spielen. Und ich finde es schön, dass diese Verbindung weiterhin vorhanden ist und viele an mich denken.

Konnten Sie den Erfolg bereits für sich verarbeiten?

So langsam. Es fühlt sich wie ein Turniersieg an. Mittlerweile auch, dass wir ein großes Turnier gewonnen haben. Aber dass wir diesen Titel gewonnen haben, ist noch nicht so richtig drin. Das zu begreifen, dauert wohl noch ein bisschen.

Wann haben Sie geglaubt, Sie können den Titel holen?

Wir hatten gegen drei deutsche Teams gewonnen, uns da in jedem Spiel gesteigert. Als wir ge-gen Ludwig/Walkenhorst gewon-nen haben, war klar, wir stehen im Halbfinale und können hier eine Medaille holen, wenn wir so weiterspielen. Aber an Gold glaubte ich in diesem Moment auch nicht. Das war erst am Ende im Finale, als es im letzten Satz 14:11 stand. Da denkt man, es ist wirklich zum Greifen nah.

Mit Kira Walkenhorst spielten Sie vor gut einem halben Jahr für die verletzte Laura Ludwig als Ersatzpartnerin zusammen. Was konnten Sie von der Olympiasiegerin lernen?

Alleine die Professionalität, die sie an den Tag legt; und die Ruhe, die sie ausstrahlt, war beeindruckend. Auch das Fokussiert-Sein auf dem Feld, davon habe ich viel mitgenommen.

Ist sie auch Ihr Vorbild?

Beide eigentlich. Laura Ludwig ist eher die Spielerin, auf die ich schaue, da sie auf meiner Position spielt. Sie ist für mich die beste Abwehrspielerin der Welt, da kann man sich immer viel abschauen.

Vor der Europameisterschaft erhielten Sie die Nachricht, dass Sie im Stützpunkt des Deutschen Volleyball-Verbandes in Hamburg nicht mehr gefördert werden sollen. Wie haben Sie diese Nachricht aufgenommen?

Es war schon ein Schock. Klar war ich sehr enttäuscht, und ich brauchte ein paar Tage, um das zu verarbeiten. Aber mit der EM stand noch ein Highlight an. Das hat uns geholfen, uns schnell umzuorientieren und auf das Turnier zu freuen.

Waren Sie dadurch vielleicht sogar noch motivierter?

Ja, vielleicht unterbewusst. Wir haben uns darauf gefreut, hatten uns für die Europameisterschaft aus eigener Kraft qualifiziert und wollten ein gutes Turnier spielen.

Haben Sie Hoffnung, dass die Entscheidung vielleicht doch rückgängig gemacht wird?

Wir wollen jetzt erst mal das genießen, was wir geschafft haben. Deshalb möchte ich auch nicht weiter darüber nachdenken.

Ab 31. August stehen die deutsche Meisterschaften am Timmendorfer Strand an. Sind Sie dort jetzt die Favoriten?

Ich denke nicht. Jeder weiß, was wir gezeigt haben. Es wird uns wohl keiner unterschätzen. Bei der EM haben wir viele deutsche Teams geschlagen. Aber ich glaube, die deutschen Frauen-Teams sind sehr ausgeglichen. Bei Ludwig/Walkenhorst weiß jeder, was sie können. Laboureur/Sude haben eine Riesensaison gespielt, wurden EM-Dritte. Wir sind auf keinen Fall Favorit.

Wie geht es nach den Titelkämpfen weiter?

Wir werden erst einmal ein paar Wochen Urlaub machen. Außer-dem hoffe ich, es finden dann noch ein paar Gespräche statt, um zu wissen, wie es weitergeht.

Urlaub am Strand? Oder haben Sie genug vom Sand?

Wahrscheinlich wird es nicht der Strand werden. Ich bevorzuge einen ruhigen Ort. Auf jeden Fall geht es aber auch eine Woche nach Erfurt zur Familie. Das brauche ich auch immer nach einer Saison, um Kraft zu tanken. Darauf freue ich mich sehr.

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