Beate Scheffknecht erlöst den Thüringer HC in der Schlusssekunde

Oldenburg/Erfurt.  Schwere Beine, Blei in den Armen: Dank eines Last-Second-Tores zum 30:29 kommen die Thüringer Handballerinnen in Oldenburg mit einem blauen Auge davon.

Beate Scheffknecht (hier im Zweikampf mit Blombergs Ann Kynast) ließ den Thüringer HC mit ihrem 30:29 beim VfL Oldenburg jubeln.

Beate Scheffknecht (hier im Zweikampf mit Blombergs Ann Kynast) ließ den Thüringer HC mit ihrem 30:29 beim VfL Oldenburg jubeln.

Foto: Sascha Fromm

Die Tabellenführung ist futsch, die Erfolgsserie dennoch gewahrt. Danke eines Last-Second-Treffers von Beate Scheffknecht behielten die THC-Handballerinnen in Oldenburg die Oberhand und ließen Helfried Müller tief durchatmen.

Den zweiten Platz seines Teams punktgleich hinter Bietigheim, das Halle-Neustadt 36:17 schlug, betrachtet der THC-Trainer nur mit Desinteresse. „Ich glaube, wir sind in einer Entwicklungsphase“, erklärte er. „Die Mannschaft hat sich immer gesteigert und Glück gehabt, dass sie sich durch das Unentschieden bei Bietigheim Selbstvertrauen holen konnte. Aber alle wissen auch, dass sie hundert Prozent liefern müssen, gegen jeden“, unterstrich er vor der zu Ende gehenden zweiten englischen Woche in Folge.

Zittern bis zur letzten Sekunde

Kurz vorm Gang nach Oldenburg meinte Helfried Müller noch: „Erstmal backen wir kleinere Brötchen und schauen, was passiert.“ Im Wissen, dass jede Partie erst bestritten werden will. Und, dass der Auftakt Kraft gekostet hat. Speziell das Drumherum mit Tests, Einschränkungen, weiten Fahrten. Am Sonntag noch in Wien, am Mittwoch im hohen Norden der Republik.

Die Bilanz nach drei Spielen innerhalb von sieben Tagen sieht sich vielversprechend für die Thüringerinnen an. In der Meisterschaft ganz vorn dabei, mit einem Fuß in der dritten und letzten Qualifikationsrunde der European League: Vor dem Rückspiel gegen Watzgersdorf am Sonntag in Nordhausen setzten die THC-Frauen ih­re Erfolgsserie mit einem 30:29 (13:14) bei Oldenburg fort. Allerdings mussten sie bis zur letzten Sekunde zittern. Mit der Schlusssirene netzte Beate Scheffknecht frei am Kreis zum glücklichen Sieg ein.

Marketa Jerabkova dreht gerade rechtzeitig noch auf

„Wie der Ball an den Kreis gekommen ist, war schon abenteuerlich“, merkte Helfried Müller an, hob aber die Moral der Truppe hervor, die fast bis letzten Minute hinten gelegen hatte und dann noch einmal allen voran durch Marketa Jerabkova (elf Tore) aufdrehte. „Das macht uns gefährlich. Dass wir erst tot sind, wenn das Spiel vorbei ist“, meinte Helfried Müller, ohne das Spiel selber seiner Mannschaft loben zu wollen.

Schwere Beine schienen die Thüringerinnen zu haben - und Blei in den Armen. Ehe Nina Neidhart die erstmalige THC-Führung warf (3:2, 8.), hatten die Gäste bereits zwei gute Wurfmöglichkeiten ausgelassen. Die Favoritinnen taten sich schwer. Nicht zuletzt deshalb, weil die Oldenburgerinnen mutig agierten. Mit stetem Sieben-gegen-Sechs gingen sie hohes Risiko ein, leisteten sich aber kaum Fehler. Jedes Tor mussten sich die Thüringerinnen hart erarbeiten und verwarfen zu viel. Mit Asli Iskit schien sich die Lage zu bessern. Ihre vier Tore aber reichten nicht, um zu verhindern, dass der VfL mit 14:13 zur Pause vorn lag.

„Durch das fehlende Tempo haben wir uns selbst ein Bein gestellt“, beklagte THC-Geschäftsführer Maik Schenk.

Die Überraschung schien sich Bahn zu brechen. Bis „Küken“ Laura Kuske 18:20 einen Siebenmeter hielt und ein Signal setzte (42.). Mühsam arbeitete sich der THC heran und war beim 23:23 durch Kerstin Kündig erstmals wieder auf Augenhöhe (50.). Und durch das 29:28 durch Lydia Jakubisova 25 Sekunden vor Schluss auch wieder vorn. Ein selbst gemachtes Geschenk zu ihrem 39. Geburtstag, das Beate Scheffknecht nach dem erneuten Ausgleich zum großen THC-Jubel vergoldete.