Bestzeit für Brucha handgestoppt

Gotha/Jena.  Jenaer Weitspringer testet sich über 100 Meter. Am Sonnabend geht es nach Wiesbaden

Kevin Brucha lief handgestoppt 10,6 Sekunden über 100 Meter.

Kevin Brucha lief handgestoppt 10,6 Sekunden über 100 Meter.

Foto: Jens Henning

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Eigentlich wollte der Weitspringer Kevin Brucha vom LC Jena beim Sportfest im Volksparkstadion in Gotha seine Sprintfähigkeit überprüfen.

Auf dem Aufwärmplatz vor seinem Start über 100 Meter war auch noch alles in Ordnung. Doch dann bekam er er die Nachricht, dass nicht nur die Tafel mit der Zeitleiste ausgefallen ist, sondern die gesamte Zeitmesstechnik.

Die Kampfrichter vor Ort mussten umsteigen auf die herkömmliche Messung per Hand. Brucha nahm die neue Situation relativ entspannt. „Ich ziehe das jetzt durch, auch wenn eine handgestoppte Zeit ein Muster ohne Wert ist“, sagte der Athlet zu seinem Trainer Rico May.

Was dann die anderen Athleten auf der Laufbahn von dem jungen Mann zu sehen bekamen, beeindruckte. Brucha dominierte nicht nur seinen Lauf. Er distanzierte seine Kontrahenten deutlich. Die Handstoppung ergab eine bemerkenswerte Zeit von 10,6 Sekunden. Nicht nur Brucha freute sich darüber, auch sein Trainer. „Es gibt Untersuchungen, die besagen, dass man bei einer Handstoppung etwa 0,24 Sekunden drauf packen muss. Dann kommt man ungefähr auf eine Zeit, die elektronisch heraus gekommen wäre. Die 0,24 Sekunden verliert man bei der Handstoppung in der Startphase“, sagte May.

Bruchas Lauf in Gotha hätte damit eine Zeit zwischen 10,85 und 10,90 Sekunden bedeutet. Es wäre eine persönliche Bestleistung gewesen. Die Woche davor wurde für ihn in Dresden bei einem ähnlichen Meeting elektronisch eine Zeit von 11,27 Sekunden gestoppt.

Trotz des Paukenschlages wird jetzt Brucha kein Sprinter. Er bleibt beim Weitsprung. Dass er jetzt auch seine Sprintzeiten verbessert, kommt nicht von ungefähr. Denn die besten Weitspringer sind auch oft sehr gute Sprinter, die es mit den Spezialisten aufnehmen könnten. Ein Beispiel ist Malaika Mihambo, die 2019 den Weltmeistertitel gewann. „Sie war ja sogar ein Thema für die deutsche Staffel der Frauen“, sagte May. In Mannheim lief sie im Juni 2019 11,21 Sekunden.

Einer der besten deutschen Weitspringer 2019, Maximilian Entholzner vom 1. FC Passau, der im Mai in der Türkei bei 7,84 Meter landete, lief die 100 Meter in 10,28 Sekunden. „Daran sieht man, wie wichtig die Schnelligkeit für den Weitsprung. Die Weitsprungweite wird zu 70 Prozent von der Anlaufschnelligkeit bestimmt. Deshalb stellt der Sprint auch einen wichtigen Inhalt im Training bei Kevin dar“, sagte May.

Und das wusste einst schon die Jenaer Weitsprungolympiasiegerin Heike Drechsler, die u.a. über 100 Meter bei der WM 1987 in Rom Silber und bei Olympia 1988 Bronze in beiden Sprints gewann und über 200 Meter 1986 in Stuttgart Europameisterin wurde.

Am Sonnabend wird es ernst für Kevin Brucha. Er kommt eine Einladung nach zu einer Leistungsüberprüfung nach Wiesbaden. Die DLV-Nachwuchsbundestrainerin für den Weitsprung, Elke Bartschat, erwartet die besten Weitspringer Deutschlands der U18 und U20. Zum Programm gehört auch eine wissenschaftliche Leistungsdiagnostik.

Welche Bedeutung die Überprüfung hat, ist noch offen. Möglicherweise dient sie der Bundestrainerin zur Kadereinstufung der Athleten für das Jahr 2021. Nationale Meisterschaften im Nachwuchs wird es in diesem Jahr wegen Corona nicht geben.

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