Biathlon-Bundestrainer Kirchner über Lesser: „Das ist schon außergewöhnlich“

Kontiolahti.  Bundestrainer Mark Kirchner über Lessers Saisoneinstieg, das Leben in der Biathlon-Blase und Horns Rückkehr.

Biathlon-Bundestrainer Mark Kirchner

Biathlon-Bundestrainer Mark Kirchner

Foto: Sascha Fromm

Den alle vier bis fünf Tage vorgeschriebenen PCR-Test hat Mark Kirchner gerade wieder hinter sich gebracht. Die Maßgaben des Gesundheitsamtes im finnischen Kontiolahti und das Protokoll des Biathlon-Weltverbandes lassen keine Abweichungen zu. Trotzdem sieht der deutsche Bundestrainer das Prozedere durchaus skeptisch: „Persönlich würde ich nur die Athleten testen, die auch Symptome haben. Vor allem, weil mit immer mehr Testungen auch die Fehlerquote steigt. Das haben wir ja bei Philipp Horn gesehen.“

Der Frankenhainer war in der vergangenen Woche erst positiv und dann negativ auf den Covid-19-Virus getestet, trotz Starterlaubnis vorsichtshalber aber nicht für den Saisonauftakt berücksichtigt worden. „Das war wirklich sehr schade für ihn. Zumal er weiterhin keine Symptome aufweist und in Oberhof normal trainieren kann“, sagt Kirchner. Nach einer weiteren ärztlichen Untersuchung soll Horn nächsten Montag wieder zur Nationalmannschaft stoßen und auch in Hochfilzen an den Start gehen.

Teil zwei des Weltcups in Nordkarelien ab Donnerstag

Zunächst aber steht ab Donnerstag Teil zwei des Weltcups in Nordkarelien an. Sechs Rennen, dem der Erfolgstrainer aus Scheibe-Alsbach zuversichtlich entgegenblickt: „Der Einstieg war mit zwei Podest- und weiteren Top-Ten-Platzierungen schon ganz ordentlich. Damit bin ich nicht unzufrieden.“ Im Einzel waren Denise Herrmann auf Platz zwei und Erik Lesser auf Rang drei gestürmt. Im Sprint hatten auch Arnd Peiffer und Maren Hammerschmidt die WM-Norm geknackt.

Besonders für seinen langjährigen Schützling Lesser findet Kirchner nur lobende Worte: „Wie schon bei der WM in Antholz hat er unser Vertrauen mehr als gerechtfertigt. Wenn es darauf ankommt, ist auf ihn Verlass. Das ist schon außergewöhnlich.“ Einen Grund für Lessers Steigerung gegenüber dem vergangenen Winter, in dem der 32-Jährige zwischenzeitlich in den zweitklassigen IBU-Cup abgerutscht war, sieht Kirchner im individuell angepassten Training: „Erik hat noch konsequenter zwischen den intensiven und regenerativen Einheiten getrennt; immer wieder auf seinen Körper reagiert, wenn der Erholung brauchte. Das scheint sich auszuzahlen.“

An die leeren Zuschauerränge nicht gewöhnt

An die leeren Zuschauerränge und das wochenlange Leben in der Biathlon-Blase hat sich der Thüringer indes noch nicht gewöhnt: „Für uns ist zwar nicht alles neu. Schon vor Corona haben wir auf Hygiene geachtet, um Infekte zu minimieren. Bei kleinsten Anzeichen wurde separiert, denn die Gesundheit und körperliche Fitness sind unser höchstes Gut.“ Allerdings sei die dauerhafte Masken- und Abstandspflicht schon befremdlich: „Dadurch leidet das Miteinander. Die sozialen Kontakte auch zu den anderen Nationen gehen spürbar verloren. Niemand will etwas falsch machen“, so Kirchner.

Trotz aller Einschränkungen ist der Bundestrainer jedoch grundsätzlich froh, „dass wir unseren Sport überhaupt ausüben können und nicht zu Hause sitzen müssen“. Für die IBU elementar wichtig sind vor allem die Live-Übertragungen. Sie bringen TV- und Werbeeinnahmen, an denen auch die nationalen Verbände und die Athleten partizipieren. Das Interesse am Biathlon ist nach wie vor groß. Am Wochenende verfolgten fast vier Millionen Menschen die Wettkämpfe im TV.

Damit die viermonatige Saison durchgeführt werden kann, fasste die IBU acht von zehn Weltcups an vier Orten zusammen (Kontiolahti, Hochfilzen, Oberhof, Nove Mesto). Diese Reduzierung der Reisen hält Kirchner für ebenso sinnvoll wie die nun vier (statt zwei) möglichen Streichresultate. „Ich bin zwar nicht so der Punktezähler. Aber insgesamt ist das fairer“, sagt er. Eine (Zwangs)-Pause würde demnach nicht sogleich das Aus im Kampf um die Kristallkugeln bedeuten.

Weltcup in Kontiolahti, Donnerstag 13.30 Uhr: Sprint, Männer. 16.30 Uhr: Sprint, Frauen (ARD und Eurosport live)