Biathlet aus Rudolstadt: Im Eintakter vorbeigestürmt

Biathlet Christoph Stephan löst im Verfolgungsrennen in Le Grand Bornand mit einem siebenten Platz das Olympia- Ticket. Der Rudolstädter ist nach drei langen Jahren wieder da, wo er hin will.

Biathlet Christoph Stephan löst im Verfolgungsrennen in Le Grand Bornand mit einem siebenten Platz das Olympia- Ticket. Der Rudolstädter ist nach drei langen Jahren wieder da, wo er hin will.  Foto: Archiv

Biathlet Christoph Stephan löst im Verfolgungsrennen in Le Grand Bornand mit einem siebenten Platz das Olympia- Ticket. Der Rudolstädter ist nach drei langen Jahren wieder da, wo er hin will. Foto: Archiv

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Beim Weltcup in Le Grand Bornand schafften Sie mit Platz sieben die Olympia-Norm. Heißt das nun, dass Sie nach Sotschi fliegen?

Nein. Es wird nicht so werden, dass allein die erfüllte Olympia-Norm nicht das Ticket bringt. Ich denke, dass mehr als die fünf oder sechs Olympia-Starter die Norm schaffen. Ich muss also dranbleiben und weiter mit Leistung überzeugen.

Wie groß war der Stein, der Ihnen am Sonntag in Frankreich vom Herzen gefallen ist?

Ich war echt froh. Das war Wahnsinn. Nach drei Jahren habe ich wieder den Anschluss geschafft. In drei der vier Weltcuprennen, die ich gelaufen bin, war ich Laufschnellster Deutscher. Ich bin froh, dass es wieder so gut geht.

Weshalb galt Ihr erster Dank der Bundespolizei?

Die Bundespolizei als mein Arbeitgeber hat mich weit mehr als normal üblich unterstützt. Als ich das eine Jahr Pause einlegen wollte, wurde ich dafür freigestellt. Und als ich danach keinen Kaderstatus mehr hatte, hat sie mir die Wintervorbereitung ermöglicht. Der Bundespolizei verdanke ich viel. Motivierend war auch YouTube. Die Videos von meinen Rennen bei der WM in Korea, beim Weltcupsieg in Antholz oder bei der Oberhofer Staffel waren Ansporn und Motivation, es wieder dahin zu schaffen, wo ich schon Mal war.

In Östersund und in Frankreich haben Sie beim Sprint jeweils die letzte Scheibe verfehlt und dadurch auch die Olympia-Norm. Wie groß war der Druck vor dem Verfolger am Sonntag?

Das war meine letzte Chance. Wenn ich die Norm wieder nicht gepackt hätte, wäre ich vor Olympia maximal noch beim Weltcup in Antholz gelaufen, doch die Chance für Sotschi wäre sehr gering gewesen. Ich hatte schon über den IBU-Cup in Ridnaun am Oberhofer Weltcup-Wochenende nachgedacht. Nun hoffe ich aufs Heimrennen.

Mit welcher Einstellung geht man in so ein Alles-oder-Nichts-Rennen?

Ich habe die Hoffnung nicht verloren, weil das Laufen so gut klappt. Deshalb habe ich angegriffen, nach dem Motto: Wenn untergehen, dann mit fliegenden Fahnen. Als ich auf der vorletzten Runde Martin Fourcade überholte, kam mir das schon ein bissel spanisch - besser französisch - vor. Ich konnte alle Anstiege in der kraftraubenderen aber schnelleren Eintakter-Technik laufen, in der man pro Schritt einen Doppelstockschub macht. Zum Glück war ich dann bis zum letzten Schuss voll konzentriert.Welche Erinnerungen haben Sie an die Schlussrunde, als Sie vom 13. auf den siebenten Platz vorliefen?

Ich weiß nur noch, dass mir einer unserer Techniker zugerufen hat: ‚Da vorn läuft Platz acht‘. Ich war voll im Tunnel und bin im Eintakter vorbeigestürmt.

Sind Sie schon in Top-Form?

Läuferisch geht wohl nicht mehr sehr viel nach vorn, doch die Komplexleistung muss ich noch ausbauen mit besserem, schnellerem und sichererem Schießen.

Was passiert in den Tagen bis zum Oberhofer Weltcup?

Bis Weihnachten trainieren wir in Oberhof. Vor Weihnachten wird Bundestrainer Mark Kirchner die Mannschaft nominieren. Vor drei Jahren bin ich zum letzten Mal in Oberhof gestartet. Oberhof fetzt. Es gibt keinen schöneren Weltcup als Oberhof. Ich hoffe auf faire Bedingungen für alle, keine Wind- oder Wetterlotterie.Ein Blick weiter voraus: Wie sind die Sotschi-Strecken?

Im vergangenen Winter war ich dort in mieser Form, auch weil ich vorher krank war. Die Höhe von Sotschi sollte mir liegen. In Antholz oder Martell auf ähnlicher Höhe bin ich immer gut zurecht gekommen. Ein großes Risiko ist das Wetter. Bei Minusgraden sind es faire, aber knüppelharte und sehr selektive Strecken.

Werden es die letzten Weihnachten mit ‚Freundin‘ Sabrina Buchholz?

Wir sind verlobt und wollen heiraten, wenn die Zeit dafür reif ist und wir das nötige Geld haben. Derzeit absolviert Sabrina ein zweijähriges Weiterbildungs-Studium bei der Bundespolizei. Ich habe sie sechs Wochen nicht gesehen. Damit es ein gelungenes Fest wird, muss ich in der trainingsfreien Zeit bis ‚Sabus‘ Rückkehr die Wohnung noch aufräumen.

Interview: Uwe Jentzsch

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