Feuertaufe für Oberhofer Biathlet Lucas Fratzscher beim Heimrennen

Oberhof  Der Oberhofer Biathlet Lucas Fratzscher steht beim heutigen Sprint erstmals im Deutschen Weltcup-Team und will dabei einen kühlen Kopf bewahren.

Premiere: Lucas Fratzscher startet heute im Sprint.

Premiere: Lucas Fratzscher startet heute im Sprint.

Foto: Sascha Fromm

Das grüne Licht für den Weltcup in Oberhof kam überraschend. „Ich war Ersatzmann und es gab eine Restchance, aber ich habe nicht damit gerechnet. Umso mehr freue ich mich. Für mich geht ein Traum in Erfüllung“, sagt Lucas Fratzscher. Beim Sprint am heutigen Freitag steht der 24-Jährige erstmals im Aufgebot eines Weltcups – und das gleich bei den Heimrennen in Oberhof. „Das ist etwas Besonderes. Ich will einen kühlen Kopf bewahren und zeigen, was ich drauf habe“, sagt er.

Die Kulisse am Grenzadler ist beeindruckend, Tausende Fans im Stadion und an der Strecke werden ihn anfeuern. Teamkamerad Erik Lesser schirmt sich mit Stöpseln gegen den ohrenbetäubenden Lärm ab. „Ich habe es mal ausprobiert, aber das ist nicht mein Ding“, sagt Fratzscher, der hofft, sich vom Trubel nicht beeinflussen zu lassen. Bundestrainer Mark Kirchner spricht von einer Feuertaufe: „Es wird eine große Portion Lampenfieber dabei sein. Aber nur wer da durchkommt, kann mal einer werden.“

Mit dem Weltcup-Debüt wird Fratzschers Leistungssprung belohnt, vor dem Jahreswechsel machte er mit guten Plätzen im IBU-Cup auf sich aufmerksam. Dafür hat er das Training im Sommer ein wenig umgestellt. „Ich habe bestimmte Einheiten ausgelassen und am Wochenende zusätzliche Einheiten gemacht, also den Rhythmus der Belastung und Entlastung etwas verändert. Und mit 24 Jahren ist man für Biathlon in einem besseren Alter als mit 23“, erklärt er.

Disziplin und Ehrgeiz seien die Stärken des gebürtigen Suhlers, der sein Abitur 2014 mit einem Schnitt von 1,2 gemacht hatte und sich später ein Studium in Medizin oder Physik vorstellen könnte. Gleichzeitig achtet er auf genügend Ausgleich. „Wenn man 24 Stunden nur an den Sport denkt, wird man verrückt“, sagt der Bundeswehr-Angestellte. Nach dem Training wolle er bewusst abschalten, dabei hilft die eigene Wohnung in Oberhof, in der er auch während des Weltcups schläft.

Auf der faulen Haut liegt er nach dem Training oder im Urlaub trotzdem nicht. Im Frühjahr war er auf Mallorca klettern. Im Sommer überquerte er mit dem Rennrad und zwei Freunden die Alpen, von Mittenwald ging es zum Gardasee. „Hinwärts waren wir drei Tage unterwegs, weil wir ein paar Pässe mehr genommen haben. Rückwärts haben wir die Strecke an einem Tag geschafft“, sagt der 24-Jährige.

Nach der deutschen Meisterschaft, bei der er die Chance auf ein Weltcup-Ticket nur knapp verpasste und Philipp Horn den Vorzug geben musste, reiste er nach Portugal. „Ich war den ganzen Tag surfen und habe nicht an Biathlon gedacht. Das war Urlaub für Kopf und Körper.“