Sven Fischer: „Der Weltcup ist immer eine Prüfung“

Oberhof.  Am Donnerstag beginnt der Biathlon-Weltcup in Oberhof. Olympiasieger Sven Fischer zur Frauen-Krise, Lessers Fehlen und die Schnee-Transporte.

Sven Fischer (links) im Gespräch mit dem früheren Bundestrainer Frank Ulrich.

Sven Fischer (links) im Gespräch mit dem früheren Bundestrainer Frank Ulrich.

Foto: Sascha Fromm

Am heimischen Grenzadler feierte Olympiasieger Sven Fischer (48) einst einen seiner „emotionalsten Erfolge“. Der Staffelsieg bei den Weltmeisterschaften 2004 „schwingt bei mir noch immer mit, wenn ich hier hochfahre“, sagt er. Vor dem am Donnerstag startenden Weltcup-Auftakt in Oberhof spricht der heutige Fernseh-Experte auch über die Krise bei den deutschen Biathletinnen, die Diskussion um die Schneetransporte und das Fehlen von Erik Lesser.

Kein Podestplatz für die deutschen Frauen bei den ersten drei Weltcups: Warum sind die einstigen Sieggaranten nur noch Mitläufer?

Solche Phasen gibt es überall. Die hat jede Nation schon durchmachen müssen. Und sie kommt nach dem Rücktritt von Laura Dahlmeier ja auch nicht gänzlich unerwartet. Durch die hohe Leistungsdichte über die vielen Jahre in der Weltspitze sind wir Deutschen nur sehr verwöhnt. Aber Sportler sind keine Künstler; Erfolge sind immer wieder harte Arbeit.

Also sollten die Fans Ihre Erwartungshaltung zügeln?

Auf keinen Fall. Der Sport lebt von der Begeisterung. Der Fan will seinen Athleten immer siegen sehen; und das soll er auch. Ich halte aber nichts davon, den Sportler, bei dem es aktuell nicht läuft, symbolisch zu ohrfeigen. Genauso wenig bringt es nichts, ihn in Watte zu packen. Leistungssport ist knallhart. Der Druck wird hier in Oberhof nicht geringer sein; im Gegenteil.

Hält Denise Herrmann als deutsche Frontfrau diesem Druck stand?

Sie ist vom Typ her prädestiniert, das auszuhalten. Aber sie darf nicht den Fehler machen, es am Schießstand erzwingen zu wollen. Das funktioniert nicht.

Ist die Oberhofer Kulisse beflügelnd oder eher hemmend?

Man muss auf jeden Fall Respekt vor ihrer Wucht haben. Ich kenne das Gefühl, wenn dich die Massen förmlich erschlagen. Mein Rezept war damals: Ich habe mir die Kulisse als Wind vorgestellt; als Rückenwind, wenn es schwer ging; und als Gegenwind, wenn ich gespürt habe, jetzt überziehe ich.

Wie sehr fühlen Sie mit Erik Lesser, der nicht nominiert wurde?

Ich fühle mit ihm, klar. Es tut schon weh, wenn man zu Hause nicht laufen darf. Doch er darf jetzt nicht zweifeln und muss den IBU-Cup als Chance sehen, zu alter Stärke zurückzufinden. Er gehört ins Team, nicht zuletzt ist er in der Staffel seit Jahren eine echte Bank.

Für Lesser rutschte Lucas Fratzscher ins Team. Was erwarten Sie von ihm und vom Debütanten Philipp Horn?

Beide haben sich diesen Start über Jahre erarbeitet. Für sie geht natürlich hier zu Hause ein Traum in Erfüllung. Sie haben eine gute Mischung aus Dynamik und schon einer gewissen Erfahrung. Ich bin gespannt, wie sie sich schlagen.

Im Vorfeld des Weltcups gab es viel Kritik für die Schnee-Transporte aus Gelsenkirchen. Zu Recht?

Ich denke, dass ich ein sehr umweltbewusster Mensch bin und Ressourcen spare, wo ich kann. Doch der Kunstschnee wäre auf Schalke weggeschmolzen. Hier wird er nicht nur für den Weltcup in dieser Woche genutzt, sondern hilft der ganzen Region; dem gesamten Nachwuchs beim Training und bei den Wettkämpfen bis in den März hinein. Er ist sozusagen eine Art Katalysator für den Thüringer Wintersport.

Inwieweit ist der Weltcup schon Generalprobe für die WM 2023?

Ein Weltcup ist immer eine Art Prüfung. Was läuft gut? Was muss besser werden? Was gilt es anders zu machen? Das ist auch diesmal so.

Nebel, Nieselregen und böiger Wind – Oberhof präsentierte sich am Tag vor dem Weltcup-Start von seiner ungemütlichen Seite. Ein Vorgeschmack auf das Regenwetter, das für das Sprintrennen der Frauen am Donnerstag (14.30 Uhr, ARD und Eurosport) angesagt ist.
Trotzdem herrscht Zuversicht im deutschen Team, am Grenzadler die Wende zum Guten zu schaffen. Nach dem schlechtesten Saisoneinstieg der Frauen in der Biathlon-Geschichte ruhen die Hoffnungen vor allem auf Denise Herrmann. „Das Wichtigste ist, dass sie am Schießstand Ruhe bewahrt“, sagt Trainer Florian Steirer. Läuferisch hat sich die Sächsin über den Jahreswechsel mit einem Höhentraining in Davos (Schweiz) in Form gebracht.

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