Der Weltcupsieg als Trostpflaster für Nina Hoffmann

Jena.  Die Saalfelderin Nina Hoffmann beendet die Weltcup-Saison auf Platz drei und bestätigt damit ihren Ruf als beste deutsche Downhillfahrerin.

Nina Hoffmann beim Kraftttraining in der vergangenen Woche in der Jenaer Laufhalle mit Harro Schuwchow, dem Coach von Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler.

Nina Hoffmann beim Kraftttraining in der vergangenen Woche in der Jenaer Laufhalle mit Harro Schuwchow, dem Coach von Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler.

Foto: Peter Scholz

Nina Hoffmann konzentriert sich. Holt Schwung. Setzt zum Rückwärtssalto an – und landet auf der Matte in der Laufhalle in Jena souverän wieder auf den Beinen. Die Downhill-Fahrerin kann nicht nur überragend Rad fahren, sondern macht auch noch dem einen oder anderen Nachwuchssportler turnerisch etwas vor.

Dennoch: Ihr Metier ist das Radfahren. Und das sehr erfolgreich: In dieser – zugegeben – kurzen Saison feierte sie ihre bislang größten Erfolge in ihrer noch jungen Downhill-Karriere. Erstmals gewann sie in Maribor einen Weltcup, beendete die Gesamt-Wertung auf dem dritten Platz. Wir unterhielten uns, quasi zwischen zwei Salti, mit der Studentin über ihr eigenes Rennteam, Gefühle auf dem Hot-Seat, Langeweile ohne Sport und einen Brief von Bodo Ramelow.

Sie hier in der Laufhalle zu treffen, hat mich schon ein wenig gewundert. Ich habe gedacht, dass Sie nach der Saison sportlich erst einmal eine Pause einlegen.

Ganz ehrlich: Das kann ich eigentlich nicht. Ich habe nach dem letzten Weltcup Anfang November in Portugal zwei Tage Pause gemacht, danach musste ich wieder loslegen. Wenn ich abends nicht K.o. bin, dann fühle ich mich nicht gut.

Überraschend ist dennoch, dass Sie hier in der Laufhalle sind. Warum das?

Ich finde hier hervorragende Bedingungen. Und mit Herrn Schwuchow einen Trainer, den ich schon von früher kenne, als ich noch Speerwurf trainiert habe. Zwei Jahre habe ich das damals mit ihm trainiert, aber immer den Kontakt zu ihm behalten, auch als ich vor fünf Jahren intensiver mit dem Radfahren angefangen habe. Und es macht natürlich auch mehr Spaß, in der Gruppe zu trainieren. Es hat also auch soziale Aspekte.

Sie haben vor dieser Saison ein eigenes Rennteam gebildet, starteten unter dem Namen „Nina Hoffmann Racing - Stif“. War der Schritt richtig?

Absolut. Auch wenn man in diesem Jahr schon sagen muss, dass wegen Corona alles ein bisschen speziell war. Man hatte viel mehr zu tun, viele kurzfristige Entscheidungen zu treffen. Aber es war schon schön, seine eigenes Pit zu haben, mit den Leuten zusammen zu arbeiten, auf die man auch Lust hat. In der Summe war es also eine richtige Entscheidung, auch wenn wir hier und da natürlich auch gemerkt haben, wo wir noch etwas ändern müssen.

Zum Beispiel?

Zu den Weltcup-Rennen im nächsten Jahr werde wir auf jeden Fall immer mit vier Leuten unterwegs sein. Neben mir als Fahrer braucht man auf jeden Fall noch drei weitere Leute: Einer, der sich um die Organisation kümmert, einen Mechaniker und das berühmte „Mädchen für alles“. Vielleicht klappt es ja, dass zu vielen Rennen meine Schwester, die auch bei der WM in Leogang dabei war, mit dabei sein kann. Das hilft schon viel.

Sie sprachen die Weltmeisterschaft an. Sportlich eine enttäuschende Sache für Sie, oder?

Absolut. Das entscheidende Rennen war reine Lotterie. Ich wusste gar nicht, auf was ich mich besonders konzentrieren sollte, bin immer an anderen Stellen gestürzt. Vor allem der untere Streckenabschnitt, der ja nur aus Schlamm bestand, war ein Hohn für unseren Sport.

Da war der Weltcup in Maribor, nur eine Woche später, wie Balsam für die Seele, oder?

Ja, mein erster Weltcup-Sieg war wie ein großes Trostpflaster.

Was denkt man da so, wenn man auf dem Hot-Seat sitzt und die Führung bis zum Ende behauptet?

Es ist absolut cool. Im vergangenen Jahr saß ich schon einmal dort, da war das irgendwie irreal. Dieses Mal reichte es bis zum Ende.

Dabei hatten Sie vor dem Doppel-Weltcup enormen Respekt vor den Rennen in Slowenien. Das lief dann besser als erwartet.

Mir hat von der WM und den Stürzen noch alles weh getan, ich bin zur Besichtigung der Strecke gehumpelt. Dann aber lief es gut. Nach dem ersten Lauf wusste ich, dass etwas gehen könnte. Ich habe mir gesagt: Wenn ich nicht stürze, wird das hier was. Dass ich dann hier gewann, hat sich bis in die Politik herum gesprochen.

Inwiefern?

Ich bekam sogar vom Thüringer Ministerpräsidenten Glückwünsche. Das war schon supercool.

Machen sich die sportlichen Erfolge auch bei der Sponsorensuche bemerkbar?

Auf jeden Fall. Ich habe extrem viele Anfragen. Und auch mit dem Bund Deutscher Radfahrer kommt man jetzt besser ins Gespräch. Da hoffen wir für unsere Sportart einfach auf mehr Unterstützung.

Im Frühjahr soll die neue Saison wieder losgehen. Mit welchen Zielen?

Die gleichen wie im vergangenen Jahr: Auf jeden Fall einige Treppchenplätze bei Weltcup und auch Weltmeisterschaft. Denn die WM in Leogang mit Platz sieben war kein Maßstab.

Aber vorher vielleicht doch ein bisschen sportliche Pause vom Mountainbike?

Mal schauen. Ich würde schon gern noch mal im Tiefschnee auf dem Snowboard oder den Ski unterwegs sein.