Die ehemalige DDR-Volleyballerin Barbara Czekalla über den Weg durch den Hinterausgang

Gera.  In der Serie „Unsere Olympioniken“ erzählt Barbara Czekalla aus Gera von ihrer Laufbahn. Der Höhepunkt war 1980 in Moskau. Da gewann sie Silber.

Vom Volleyball kann Barbara Czekalla auch heute nicht lassen. In ihrer Wohnung hängt ein Volleyballnetz an der Wand mit einer Vielzahl von Medaillen, Wimpeln und Urkunden.

Vom Volleyball kann Barbara Czekalla auch heute nicht lassen. In ihrer Wohnung hängt ein Volleyballnetz an der Wand mit einer Vielzahl von Medaillen, Wimpeln und Urkunden.

Foto: Jens Lohse

Mit Misserfolgen konnte Barbara Czekalla nicht gut umgehen. Die heute 68-Jährige gehörte in den 1970er-Jahren zu den weltbesten Volleyballerinnen und war enorm ehrgeizig. In Caputh bei Potsdam geboren, folgte die Familie stets den Engagements des Vaters, der als Opernsänger an verschiedenen Bühnen tätig war. „Wir haben immer dort gewohnt, wo er Theater gespielt hat, sind ihm hinterher gezogen, nach Greiz und 1966 nach Gera. Ich hatte mich zuerst der Leichtathletik verschrieben, war später beim Handball und Volleyball. 1968 wurde ich dann zu Dynamo Berlin delegiert“, erinnert sich die nur 1,73 Meter große Angreiferin, die mit ihrer Sprungkraft die gegnerischen Blöcke beeindruckte.

Über ihre Zeit an der Sportschule in Hohenschönhausen weiß Barbara Czekalla noch genau Bescheid. „Da ist man vom Internat in die Schule gefallen und von dort gleich weiter in die Sporthalle. Im ersten Jahr haben wir kaum einmal einen Ball angefasst. Da sind wir geschwommen und gerannt, haben uns mit Krafttraining befasst. Ich wurde schnell in die Jugend-Nationalmannschaft berufen, habe 1971 mein Abitur gemacht und auch den direkten Übergang zur Damen-Nationalmannschaft geschafft, weil es einen Neuaufbau nach der verpassten Olympia-Qualifikation 1972 gab", erzählt sie in ihrer Wohnung in Gera-Langenberg, wohin sie ihr Bruder Thomas – Sportlehrer am Zabelgymnasium – vor einigen Jahren aus Berlin zurückholte.

Enttäuschung in Montreal

Die nächsten beiden Olympischen Spiele sollten dann nicht verpasst werden. Nach EM-Bronze 1975 in Jugoslawien mussten die DDR-Damen zum Olympia-Qualifikationsturnier nach Heidelberg, bei dem die USA im entscheidenden Spiel bezwungen wurden. „Wir waren also gerüstet für Montreal 1976. Eine Medaille wäre da durchaus schon möglich gewesen. Aber menschlich haben wir nicht zusammengepasst. Bei manchen hat der letzte Ehrgeiz gefehlt“, so Barbara Czekalla, für die Rang sechs in Kanada ein Misserfolg war.

„Nach den Niederlagen saß ich in irgendeiner Hallenecke, war nicht ansprechbar und habe unser Spiel analysiert. Die anderen Weiber haben sich aber keine großen Gedanken gemacht. Selbst auf dem Spielfeld haben wir uns teilweise gestritten“, verrät sie, die eine begeisterte Sammlerin von Olympia-Abzeichen war. „Weil wir aus unserem 22 Etagen-Hotel in Montreal aber nur zum Training und zum Wettkampf hinaus durften, hat sich Handballerin Waltraud Kretzschmar aus Leipzig darum gekümmert und mich mit den Souvenirs versorgt", erinnert sich Czekalla, die den Lagerkoller als eine Ursache für das eher schwache Abschneiden in Montreal ausgemacht hat.

Brieffreundin aus Kanada

„Ich war die Einzige im Team, die etwas Englisch konnte. Da bin ich immer mal über das Treppenhaus zu den Kanadierinnen in den zweiten Stock geflitzt. Da herrschte eine ganz andere Atmosphäre. Da saß die ganze Mannschaft zusammen und hat Olympia genossen. Außerdem hatte ich da auch eine Brieffreundin“, sagt die damalige Wahl-Berlinerin, die sich im blauen Trainingsanzug auch immer mal ohne Erlaubnis der Mannschaftsleitung vor das Haus schlich und diversen Konzerten lauschte. Als die Volleyballerinnen in Berlin-Schönefeld landeten, wurden sie über den Hinterausgang nach draußen geleitet, um sich vor den DTSB-Funktionären nicht erst rechtfertigen zu müssen.

Zwei Mal Vize-Europameisterin

Vier Jahre später in Moskau sollte das nicht wieder passieren. „1977 und 1979 waren wir schon Vize-Europameister geworden und voller Zuversicht. Allerdings waren die Medaillenhoffnungen gedämpft, weil wir mit der UdSSR und Weltmeister Kuba eine Hammer-Vorrunde erwischt hatten“, weiß Barbara Czekalla noch. Doch gleich zum Auftakt bezwang man die Kubanerinnen überraschend 3:1. „Das Spiel war für mich so anstrengend, dass mir zeitweise am Netz regelrecht schlecht war. Damals gab es ja noch keine Spezialisierung im Angriff. Ich habe also von allen Positionen am Netz angegriffen. Und wenn nichts mehr ging, dann musste sowieso immer die Czekalla ran.“

Nach einer 1:3-Niederlage gegen die Gastgeberinnen und einem 3:2 gegen Peru war das Halbfinale gebucht, in dem Bulgarien wartete. Die Bulgarinnen kannte Barbara Czekalla aus dem Effeff, waren sie doch Stammgäste beim alljährlichen Weihnachtsturnier in Berlin. Manch gemeinsam durchzechte Nacht hatte es da gegeben. Doch im olympischen Halbfinale gab es keine Freunde. Die DDR gewann in einer umkämpften Begegnung 3:2 und stand im Endspiel gegen die UdSSR. „Ich habe das Spiel nach Jahren noch einmal komplett auf Video gesehen und muss sagen: Wir waren nicht chancenlos. Den dritten Satz haben wir mit 13:15 abgegeben. Da schimmerte die Silbermedaille schon fast etwas golden“, so die Kapitänin, die bei der ehrenvollen 1:3-Niederlage nicht ihren besten Tag erwischte. Sonst hätte Russen-Trainer Valeri Karpol seinem Team in den Auszeiten wohl noch aufbrausender die Leviten gewesen. „Irgendwie war bei uns die Luft nach dem gewonnenen Halbfinale und der sicheren Medaille etwas raus. Aber auch Silber war ein Riesenerfolg“, sagt Barbara Czekalla, die mit ihren Teamkolleginnen und Trainer Dieter Grund in Schönefeld diesmal über den Hauptausgang hinausgeleitet wurde.

In unserer Serie stellen wir Olympiateilnehmer aus unserer Region vor.