„Die Richtung stimmt“

Apolda.  Die Handballerinnen der SG Apolda/Großschwabhausen haben den Spitzenreiter Dessau mit 29:24 besiegt und vom Thron gestürzt.

Etnschlossen: die Apoldaerin Anne Breitschuh (rechts) gegen die Dessauerin Ann-Christin König.

Etnschlossen: die Apoldaerin Anne Breitschuh (rechts) gegen die Dessauerin Ann-Christin König.

Foto: Jürgen Scheere

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Es war schon eine kleine Überraschung, das 29:24 der Handballerinnen der Spielgemeinschaft Apolda/Großschwabhausen über den Spitzenreiter aus Dessau. Wir sprachen mit Ralph Börmel, dem Trainer.

Was hat in diesem Spiel den Unterschied gemacht?

Dass wir mehr Tore geworfen haben. (lacht) Es war nicht davon auszugehen, dass wir das Spiel gewinnen. Wir haben Dessau im Vorfeld beobachtet und wussten, dass sie nicht umsonst ganz oben stehen. Aber wir haben auch gesehen, dass sie uns eher liegen als andere Mannschaften.

Inwiefern?

Weil die Gefahr aus dem Rückraum überschaubar war, und das kommt uns entgegen. Mit viel Willen, Einsatz und Kampfkraft kann man da einiges ausrichten. Das haben die Mädels gut umgesetzt.

Wie kitzelt man denn den Kampfgeist heraus?

Ich bin der Meinung, dass man als Trainer eher bremsend einwirken sollte. Die Motivation sollte von den Sportlern selbst kommen. Mit gezielten Hinweisen kann man da sicher mehr ausrichten. Wenn ich eine Spielerin noch extra motivieren muss, wird’s schwierig. Zudem wissen wir, wo wir in der Tabelle stehen und wir wissen, dass ab Platz acht alle absteigen. Wir sind also mittendrin und alle wissen genau, dass wir Pünktchen sammeln müssen, wo wir sie kriegen können. Diese Einstellung haben die Mädchen verinnerlicht. Die Richtung stimmt, der Weg ist klar.

War es eine richtige Entscheidung, eine Spielgemeinschaft mit Großschwabhausen einzugehen?

Es geht nicht nur um die erste Frauenmannschaft, auch um den Nachwuchs. Angesichts der sinkenden Spielerzahlen war es richtig. Man muss es Jahr für Jahr auf den Prüfstand stellen, schauen, ob wir etwas entwickeln können.

Ist die Mitteldeutsche Oberliga die Endstation?

Der HSV Apolda ist ein Männerverein und wird es auch bleiben. Insofern ist diese Liga auch das Ende der Fahnenstange. Will man höher hinaus, braucht es mehr Geld, besseren Nachwuchs. Das wäre eine andere Kategorie. Wenn wir uns etablieren können in dieser Liga, sind wir attraktiv für Spielerinnen, die sich in Jena, Weimar oder Erfurt niederlassen wollen. Da wären wir nach dem Thüringer HC die nächste Adresse, sportlich interessant. Das ist ein Ziel, für das es sich lohnt, zu arbeiten.

Nun geht es als nächstes gegen den Tabellenletzten, die BSG Gräfenhainichen. Wird das das schwierigere Spiel?

Es ist immer schwierig. Wir wissen, dass der Sieg vom Wochenende nichts wert ist, wenn wir dort verlieren. Legen wir nach, befinden wir uns in einem guten Fahrwasser. Deswegen legen wir alles daran, das auch zu machen.

Sie haben sowohl bei Männern als auch bei Frauen gearbeitet. Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt es?

Wenn Frauen einmal mitziehen, dann sind sie voll dabei. Dann gibt’s kein Zurück mehr, sie sind eifrig und ehrgeizig. Der Männerhandball ist natürlich dynamischer, kraftvoller. Dadurch sieht man bei den Frauen mehr Handball. Bei den Männern überwiegt die Kraft, da wird vieles überdeckt, was Technik und Taktik betrifft. Spaß macht beides.

Ihre letzte Trainerstation bei den Männern war der HBV Jena. Schmerzt der Blick auf die Tabelle der Mitteldeutschen Oberliga der Herren, in der die Jenaer ganz unten stehen?

Damit hätte ich nicht gerechnet. Ich kann es auch nicht beurteilen, woran es liegt. Es ist einfach schade für Thüringen, dass der HBV so ums Überleben kämpft. Sicher sind im Verein Fehler gemacht worden, es allein am nun ehemaligen Trainer Pierre Liebelt festzumachen, wäre falsch. Was schief gelaufen ist, ich weiß es nicht.

Haben Sie noch eine Chance?

Es ist wohl überall bei den Spitzenteams in Jena so, egal ob Handball oder Fußball: Rechnerisch ist alles möglich. Aber da muss vieles zusammenpassen.

Blicken wir mal auf die gerade laufende Europameisterschaft der Herren. Einige fordern die Ablösung von Bundestrainer Christian Prokop ...

Also, ich stehe nicht zur Verfügung. (lacht) Im Ernst: Das Ergebnis ist leistungsgerecht, wenn man irgendwo bei Platz fünf, sechs einkommt. Man sollte mal die Kirche im Dorf lassen und nicht meinen, dass es eine herbe Enttäuschung sei, wenn man nicht unter den ersten Dreien landet. Da oben spielen Weltklassemannschaften um den Titel. Die haben Spieler, die wir gerade nicht haben. Gegen Kroatien haben wir vielleicht verloren, aber es war doch ein tolles Spiel. Und gegen Spanien kann man auch mal eine Packung kriegen. Schauen wir mal auf Dänemark oder Frankreich, die sind lange raus und kein Hahn kräht danach. Dass nun gleich mal der Trainer infrage gestellt wird, ist wohl typisch deutsch. Vielleicht fehlt Christian Prokop auch die richtige Lobby. Ich bin am Ende nur Fan dieser Mannschaft und hoffe, dass er weitermacht.

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