Doping-Skandal: Der tiefe Fall des Kronzeugen

Erfurt  Skilangläufer Johannes Dürr gibt zu, auch während seiner Sperre gedopt zu haben. LSB will dem verhafteten Ansgard S. Auszeichnung entziehen.

Johannes Dürr.

Johannes Dürr.

Foto: Roland Schlager/dpa

Ski-Langläufer Johannes Dürr hat zugegeben, während seiner Dopingsperre weiter gedopt zu haben. „2014 bin ich durch den positiven Dopingtest kurz vor meiner Blütezeit aus dem Leistungssport herausgerissen worden, damit konnte ich nicht umgehen“, sagte der Österreicher in einem ARD-Interview, „nach meiner Sperre wollte ich noch mal zeigen, was in mir steckt, deshalb habe ich mir wieder Blut abnehmen lassen.“

Der 31-Jährige, der 2014 in Sotschi überführt worden war, hatte mit seinem vorherigen Interview mit der ARD die Doping-Ermittlungen mit den Razzien in Seefeld und Erfurt ausgelöst. In dieser Woche war Dürr dann selbst von der Staatsanwaltschaft vernommen worden.

Dürr gab zu, dass er sich während seiner Sperre mit unlauteren Mitteln auf sein Comeback vorbereitet habe. Bereits 2015 deponierte er neue Blutkonserven in Erfurt. Als der verhaftete Arzt Mark Schmidt zwischenzeitlich aussteigen wollte, erwog Dürr nach eigener Aussage, die Geschäfte zu übernehmen.

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Er habe eine Art Doppelleben geführt, das ihn innerlich geradezu zerriss. „Da waren zwei Persönlichkeiten in mir, der Leistungssportler Johannes und der Mensch Johannes“, sagte er in dem ARD-Interview. Der eine habe klar gesagt, „das darf man nicht machen“, der andere, der Leistungssportler, habe entgegnet: „Das gehört dazu.“

Derweil prüfen der Landessportbund (LSB) Thüringen und die Stiftung Thüringer Sporthilfe, dem in Innsbruck in Auslieferungshaft sitzenden Ansgard S. eine vor zehn Jahren verliehene Auszeichnung zu entziehen. Für den Fall, dass sich die Anschuldigungen gegen den Erfurter Rechtsanwalt als wahr erweisen, hat das Präsidium des LSB bereits entschieden, S. die 2009 verliehene GutsMuths-Ehrenplakette in Bronze abzuerkennen. Ein entsprechendes Prüfverfahren laufe, teilte der LSB mit.

Laut Statuten kann die Plakette aberkannt werden, wenn deren Träger die Grundsätze und Werte des Landessportbundes in erheblichem Maße verletzt und das Ansehen des LSB und seiner Vereine geschädigt hat. „Diese Person schädigt zutiefst unser Ansehen“, sagte LSB-Präsident Stefan Hügel. S. engagierte sich viele Jahre ehrenamtlich im Thüringer Sport, war fast zwei Jahrzehnte Mitglied im Vorstand der Stiftung Thüringer Sporthilfe, Rechtswart im Thüringer Skiverband sowie Vorsitzender des Schiedsgerichtes des LSB. Aus dem Sporthilfe-Vorstand war S. 2017 ausgeschieden – aufgrund eines langfristig geplanten Generationswechsels.

Auch wenn es laut Ansicht des LSB „keinerlei Ansätze für eine Verstrickung seiner ehrenamtlichen Positionen mit den aktuellen Vorwürfen gibt“, zeigte sich Kuno Schmidt, 1. Vorsitzender der Stiftung Sporthilfe, schockiert: „Das ist auch menschlich einfach nur ernüchternd.“

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