„Du hast die Pflicht, es zu klären“ – Pechstein wendet sich an unter Dopingverdacht stehenden Sportler

Berlin  Nachdem ein Deutscher Eisschnellläufer unter Verdacht steht, Kunde des Erfurter Doping-Arztes Mark Schmidt gewesen zu sein, hat sich jetzt Claudia Pechstein in einem offenen Brief persönlich an den Sportler gewendet.

Olympiasiegerin und Weltmeisterin Claudia Pechstein in der Erfurter Gunda-Niemann-Stirnemann-Halle. Archiv-

Olympiasiegerin und Weltmeisterin Claudia Pechstein in der Erfurter Gunda-Niemann-Stirnemann-Halle. Archiv-

Foto: Sascha Fromm

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Die fünfmalige Olympiasiegerin Claudia Pechstein hat einen unter Blutdopingverdacht stehenden Eisschnellläufer aufgefordert, sich öffentlich zu bekennen. „Selbst wenn Du schuldig bist – was ich persönlich nicht hoffe – und Du diesen Betrug an UNS allen begangen hast, wäre es Deine Pflicht gewesen, Dich zu bekennen und die Konsequenzen zu tragen“, erklärte Pechstein am Mittwoch in einem offenen Brief und fügte hinzu: „Du hättest wissen müssen, dass man ein solches Problem niemals aussitzen kann. Du hast die Pflicht, es zu klären, denn es geht eben nicht nur um Dein Einzelschicksal. Es geht um viel mehr.“

Am Dienstag hatten der MDR, der RBB und „Bild“ einen deutschen Sportler genannt, der in die „Blutdoping-Affäre“ um den Erfurter Mediziner Mark Schmidt verwickelt sein soll. Die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft bestätigte den Namen bisher nicht. Pechstein war ohne Doping-Beweis zwischen 2009 und 2011 für zwei Jahre aufgrund erhöhter Blutwerte gesperrt. Sie hatte immer erklärt, nie gedopt zu haben und kämpft auf mehreren juristischen Ebenen um ihre Rehabilitation.

Pechstein schrieb dem Eisschnellläufer, dass Sportler, die schuldig sind, „einen irreparablen Vertrauensschaden“ anrichten. „Deshalb erwarten alle, die unseren Sport lieben, endlich eine öffentliche Reaktion von Dir“, forderte sie. „Wenn Du unschuldig bist, dann sag es – und alle sauberen Sportler werden hinter Dir stehen. Wenn nicht, dann sag auch das und stehe dafür ein, was Du getan hast“, bekräftigte die Berlinerin.

Auch auf ihrer Facebook-Seite hat sich Pechstein direkt an den verdächtigten Eisschnellläufer gewandt. „Wir kennen uns schon so lange, haben viele gemeinsame Trainingsrunden absolviert, waren Teamkollegen hier in Berlin, bei Weltcups und auch bei Olympia. Aber die jüngsten Ereignisse lassen mich schon fragen: Wer bist Du eigentlich wirklich? Ich kenne keine Akte der Staatsanwaltschaft, ich kenne keinen Beweis Deiner Schuld oder Unschuld, aber ich kenne die Begriffe Ehrlichkeit und Mut“, schrieb Pechstein in dem Sozialen Netzwerk.

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